Kulturzentrum im Großformat
Mixed-Use-Projekt in Groningen von NL Architects
Die niederländische Stadt Groningen hat sich ein vertikales Wohnzimmer gebaut. Das Forum Groningen ragt wie ein gigantischer, kantiger Fels aus der kleinteiligen Struktur der Altstadt. Das von NL Architects (Amsterdam) entworfene und in Kooperation mit den Ingenieuren von ABT Engineering (Velp/Delft/Haren) realisierte Multifunktionsgebäude beherbergt ein Kulturzentrum ganz neuen Maßstabs: konzipiert als vertikaler öffentlicher Raum, in dem die Grenzen zwischen verschiedenen Institutionen und Einrichtungen verschwimmen. Als künftige Nutzer hatten die Einwohner Groningens viel Mitspracherecht im Bauprozess: Sie entschieden 2007 per Volksabstimmung, welcher der von sieben internationalen Büros eingereichten Entwürfe umgesetzt werden sollte.
Der 17.000 Quadratmeter große Koloss birgt ein beeindruckend umfangreiches Raumarsenal, darunter eine Bibliothek, Kinosäle, ein Auditorium, Ausstellungsflächen, drei Bars und Restaurants, ein Café, Büro- und Geschäftsräume und natürlich eine Dachterrasse mit grandioser Aussicht. Dazu kommt ein unterirdisches Parkhaus mit weiteren 10.000 Quadratmetern. All diese Nutzungen fließen um ein großes Atrium herum und über elf Ebenen geschmeidig ineinander, sodass eine zusammenhängende, zeitgenössische Agora entsteht.
Ein solch groß angelegtes Projekt bedingt natürlich auch einen großen Baukörper – und NL Architects haben in Groningen nicht zum ersten Mal das Höhenniveau mit einem Turmbau durchbrochen. Damit der Neuzugang in der Innenstadt nicht zu massiv auftritt, kam eine asymmetrische Formgebung zur Anwendung: Das Volumen verjüngt sich nach oben, die quaderförmige Grundfigur wurde an mehreren Stellen beschnitten, um Eingangszonen zu bilden und die Umgebung nicht zu sehr zu verschatten. Dennoch bestimmt das Forum nun etliche Straßenperspektiven und lugt dominant hinter kleinen Backsteinhäusern hervor.
Das Innere des Bauwerks ist durch einen zentralen, in die einzelnen Ebenen hineinreichenden Hohlraum charakterisiert, der von zahlreichen querlaufenden Rolltreppen durchschnitten wird. Die Architekt*innen sprechen auch von einem „Atrium mit Tentakeln“. Pate für die ungewöhnliche Form stand die typische Platz- und Straßenstruktur der unmittelbaren Umgebung, die im Gebäude schematisch in die Vertikale übertragen wurde. Dieser großflächig mit Dreifachverglasung ausgestattete und lichtdurchflutete Raum, in dem sich unter anderem die Bibliothek befindet, ist bis hinauf zur Dachterrasse für alle offen zugänglich und als Treffpunkt der Stadtgesellschaft gedacht, während für einige der Einrichtungen auf den verschiedenen Ebenen Eintrittsgelder fällig werden. (da)
Fotos: Marcel van der Burg, Deon Prins
also lieber machen anstatt die ganze zeit zu hadern.
"das sie es in den niederlanden einfach machen! nicht so viel drüber nachdenken, sondern mal den mut haben so etwas zu bauen." ist eine genauso seltsame begründung wie dass in holland die gebäude nicht/schlecht gedämmt werden.
"schönere" gebäude, "leichtere" profile etc....aber halt klimatisch thema verfehlt statt sich drum zu kümmern wies auch "in gut" machbar wäre
das sie es in den niederlanden einfach machen! nicht so viel drüber nachdenken, sondern mal den mut haben so etwas zu bauen. natürlich ist das städtebaulich auffällig, aber das soll es ja auch ;)
und guckt euch deutschland und deutsche architektur mal an...beispielsweise das wunderhübsche quartier in berlin das neulich publiziert wurde. da kriegt man doch tränen in den augen bei so einer investorenarchitektur.
Zu wünschen wäre es. Ansonsten wird das Gebäude zu einem Abrisskandidat, wie es schon vielen (im Inneren häufig attraktiven) öffentlichen Gebäuden aus den 70er und 80er Jahren ergangen ist.