Höhenangst?
Wohnturm von NL Architects in Groningen
„Es ist überraschend, dass in einem so flachen Land wie den Niederlanden nur wenige Türme entstehen“, schreiben NL Architekten über die Fertigstellung ihres Apartment-Turms „Prisma“ in der tatsächlich überwiegend flachen Friesen-Metropole Groningen.
In ihrer Projektbeschreibung fragen sich die Architekten weiter, ob die niederländische Zurückhaltung beim Bau von Hochhäusern ein Hinweis auf eine kollektive Höhenangst im Land sein könnte, und ob das eventuell mit dem ersten niederländischen Horrorfilm „De Lift“ (1983) in Verbindung steht (wir haben zu diesem inner-niederländischen Diskurs mal den großartigen Filmtrailer rausgesucht, siehe unten).
Wirklich ist das Hochhaus in Groningen ein Maßstabssprung in einer von kleinen Backsteinhäuschen geprägten Umgebung. 52 Apartments haben die Architekten auf 16 Stockwerken verteilt, im Sockelgeschoss wurde ein Kindergarten mit Spielplatz eingerichtet. Knapp 50 Meter ragt der Riese hier auf und nimmt so, über die kleinen Häuser der Umgebung hinweg, Sichtbeziehungen mit den Sozialwohnungsblöcken der 1970er-Jahre im nahen Stadtteil Vinkhuizen auf.
Die Architekten: „Im Gebäude haben wir einfach die geforderten Apartment-Typen übereinander gestapelt, die größeren unten, die kleineren sind oben. So entstand die Form einer seltsamen Maya-Pyramide, mit Assoziationen an die Urformen von Hochhäusern. Dann haben wir diese Grundform mit Balkonen umwickelt, wie Kleidung. Unsere Idee war, dass wir jedem Apartment dieselbe Balkonfläche zur Verfügung stellen wollen; deren Proportionen verändern sich allerdings, von relativ breiten Terrassen unten zu schmaleren, tieferen Balkonen oben.“
Das Gebäude soll insbesondere Wohnraum für ältere Einwohner bieten – diese werden dann wohl vor allem den Aufzug benutzen müssen. Oder, wenn sie vorher „De Lift“ gesehen haben, doch lieber das Treppenhaus...
zwischen einfamilienhausteppich und hochhaus gibt es doch nun wirklich eine große spannweite von lösungen.
oder ist es wie mit dem eiffelturm, am besten man steht oben drauf, damit man das ding nicht sehen muss.
Übrigends hat das Wohnhochhaus als Gebäudetypus in vielen anderen Ländern einen längst nicht einen so negativen Ruf wie heute in D.
zum Ersten:
Der Staedtebau Plan sah ein Hochhaus vor - das war von der Gemeinde so gewuenscht und macht im groesseren Massstab auch Sinn. Die meisten Bewohner sind super gluecklich damit. Man hat ne super Aussicht uber die Stadt und deren Kirchtuerme aber auch ueber die platte Landschaft der Gegend. Dafuer bilden die Balkons eine vertikale Landschaft. Es ergeben sich sehr viele verschiedene fast alpine Sichtbezuege zwischen den Balkons. Man kann auf seinen Zacken auf eigene Gebaeude zurueckschauen.
Die Rueckwand kommt, weil da Norden ist und der flache Kern mit dem Wockel (zwei Fluchttreppen ineinander) und zwei Aufzuegen liegen. Es ist also sehr logisch , dass sich die Balkons nicht dahin orientieren.
Alle Wohnungen haben enorm viel Balkon-Flaeche. Beim Sprung der Volumen koennte man locker nen paar Zelte aufstellen, das soll mir mal jemand bei nem anderen Hochhaus zeigen. Diese Freiflaeche wird mit Freude angenommen.
Die Wohnungen oben sind fuer Senioren und im Sockel ist nen Kindergarten - was ist daran assozial?
Gruenflaechen im Gebaeude? Gruenflaechen sind Sache des Staedtischen Raums und oft gerade effektiv als Gegenpol zu Bebauungen. Der Innenhof fuer die Kinder ist gruen und 200 meter weiter ist die Stadt zu Ende - ergo gibt es da genuegend gruen. Das Gebaeude definiert sehr klar, welcher aussenraum raum fuer wen ist und ist daher nicht wie die "Bausuenden" der 60er und 70er. Ausserdem: ich bin auch ne Bausuende der 70er und die Jungs damals waren einfach super gute Designer.
Auf der Einfamilienhaus Weide bei meinen Eltern spielen auch Kinder mit Wasserpistolen und das ist echt kein architektonische Highlight - was soll die Anspielung?
ok - die Materialisierung ist nicht echt wie in der Schweiz, aber wenn man weiss mit welchen knappen Budgets in Holland gearbeitet wird, ist es schon beachtlich so ne Idee durchzuboxen.
Rheinhardo - du hast den Anschluss verloren: zeitgleich hat Studio Gang in Chicago unter ganz anderen finanziellen Gegebenheiten den Aqua Tower gebaut. (mit viiiiiel mehr Geld)
Mein Respekt geht and die (kleine) Gemeinde Groningen, die seit Jahren neue Ideen verwirklicht und offen steht fuer neue Architektur, was man sich in Deutschland nur wuenschen koennte.
Beim ersten Anblick der Photos lief mir ein Schauer über den Rücken.. und hatte schon Angst den architektonischen Anschluss verloren zu haben.
Was um Himmels Willen bezweckt man mit der Veröffentlichung solcher Projekte.. so etwas manifestiert sich in manchen Köpfen und wird für zukünftige Projekte eventuell wieder aufgegriffen.
Eine große Bitte an das Baunetz-Team.. wenn man solche Bausünden schon vorstellt, dann doch in einer entsprechenden Rubrik.