Falsche Steine im echten Beton
Mediathek im Périgord Noir von Dominique Coulon
Wer authentisches Frankreich sucht, wird im Südwesten in der Region Périgord Noir fündig. Anders als in weltbekannten Urlaubsregionen wie dem Burgund oder der Provence geht es hier deutlich geruhsamer zu. Die mittelalterliche Geschlossenheit vieler kleiner Dörfer und Städtchen gibt der Gegend fast schon einen bilderbuchhaften Charakter. Das Zentrum des Périgord Noir ist Sarlat-la-Canéda – kein Wunder also, dass dort beim Bau einer neuen Mediathek besonderes Augenmerk darauf verwendet wurde, wie sich das Gebäude in sein Umfeld einfügt. Gestaltet und geplant haben das Projekt Dominique Coulon & Associés mit Sitz in Straßburg.
Die Mediathek liegt südlich des historischen Stadtkerns. Sie schmiegt sich an eine Felswand aus ockerfarbenem Kalkstein, wie er als Baumaterial für die Gegend typisch ist. Passenderweise entstand sie auf dem Gelände einer früheren Foie gras-Fabrik. Gänseleberpastete gehört bis heute zu den kulinarischen Spezialitäten des Périgord. Auch ein angrenzender Altbau, der heute als Musikschule dient, war ursprünglich Teil der Fabrik. Dominique Coulon und sein Team waren im Rahmen ihres Projekts auch für diesen Umbau verantwortlich. Ein halboffener Hof verbindet beide Gebäudeteile.
Im historischen Umfeld positionieren die Architekt*innen ihren Neubau als scharfgeschnittenes Beton-Volumen. Zuschlagstoffe aus nahen Steinbrüchen geben dem Material eine Tönung, die sich deutlich am Ocker des Umfelds orientiert. Das Volumen ist teils terrassiert, teils in den Hang geschoben, womit eine begehbare Fortsetzung des Felshangs entstanden ist. Dazu passt, dass die neue Hülle als eine Art falscher Waschbeton ausgeführt wurde, bei dem kleine, vor Ort geborgene Steine zur Prägung der Schalplatten verwendet wurden. Die raue Oberfläche besteht also durch und durch aus Beton, zeigt sich aber mit einem gegossenen Relief lokaler Fundstücke.
Der ockerfarbene Beton dominiert auch die Innenräume, die selbst an einen Steinbruch denken lassen. Von oben schräg einfallendes Licht und zahlreiche Nischen unterstützen dieses Bild. Auch hier zeigt sich der Beton mit rauer Oberfläche. Grundrissorganisatorisch handelt es sich um einen großen Raum, der primär durch Möbel und Einbauten strukturiert wird. Einen multifunktional nutzbaren Saal für Vorträge und Veranstaltungen gibt es auch. In einem kleinen Obergeschoss sitzt die Verwaltung, die an eine öffentlich zugängliche Terrasse angrenzt.
Die Musikschule im Altbau vervollständigt die Anlage. Die Proberäume und Klassenzimmer lassen sich teils direkt zum Hof öffnen. Im Inneren wurde die historische Baustruktur mit Blick auf die Akustik weitgehend überformt. Nur abstrahierte Details wie beispielsweise ungewöhnliche Fensterformate geben Hinweise auf die Vorgeschichte. (sb)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Dominique Coulon & Associés
- Mitarbeit:
- Dominique Coulon, Guillaume Wittmann, Olivier Poulat, Mathilde Blum, Alexandre Puech, Steve Letho Duclos (Bauleitung), Mathilde Blum (Bauleitung)
- Tragwerksplanung:
- Batiserf Ingénierie
- Weitere Beteiligte:
- BET Gilbert Jost (Elektroplanung), Solares Bauen (Haustechnik), E3 Économie (Kostenplanung), ESP-DB Silence (Akustik), Cabinet Piquet (Projektsteuerung)
- Bauherrschaft:
- Communauté de communes Sarlat-Périgord Noir
- Fläche:
- 2.035 m² Nutzfläche
- Baukosten:
- 3.600.000 € Reine Baukosten ohne Umsatzsteuer





