Heller Beton am Rand der Normandie
Kulturzentrum in Gisors von Richter architectes & associés
Gisors ist eine Kleinstadt am Rand der Normandie. Nur rund anderthalb Stunden nordwestlich von Paris kann man hier zwischen alten Fachwerkhäusern und hellen Kalksteinbauten umherspazieren. Holz und Kalkstein, diese Materialien greifen Richter architectes & associés (Straßburg, Paris) auch bei ihrem neuen Kulturzentrum in Gisors auf.
Der langgezogene Neubau steht in einer städtebaulich nicht ganz so malerischen Umgebung am südlichen Rand der Innenstadt. Als Standort wurde ein alter Parkplatz direkt am Ufer der Epte genutzt, einem Fluss, der einst die offizielle Grenze zwischen dem Herzogtum Normandie und dem Königreich Frankreich bildete. Im Rahmen des Projekts musste deshalb insbesondere auch das Thema Hochwasserschutz adressiert werden. Das Kulturzentrum umfasst ein Kino mit drei Sälen, eine Mediathek, Ausstellungsflächen, Konferenz- und Veranstaltungsräume und ein Musikstudio.
Die Architekt*innen ordnen das Programm in zwei eigenständigen Volumen an, die Richtung Ufer mittels einer überdachte Galerie in eine Gesamtkomposition integriert sind. Zwischen den Volumen befindet sich ein kleiner Platz. Zum Ufer hin fällt das teils renaturierte Gelände leicht ab. Statt des oberirdischen Parkplatzes entstand eine Tiefgarage, die gelegentlichen Überschwemmungen standhalten kann.
Bei der Materialisierung der Architektur setzt das Team von Richter auf einen hellbeigen Beton, der durch entsprechende Zuschläge einen Bezug zu den Kalksteinfassaden verschiedener größerer öffentlicher Gebäude des Ortes herstellen soll. Die Oberfläche wurde dabei bewusst rau und offenporig ausgeführt.
Im Inneren treten die Volumen je nach Programm unterschiedlich in Erscheinung. Während die Mediathek helle Holzeinbauten erhielt, die fast Ton in Ton mit dem Beton zusammengehen, ist das Kino in einem theatralen Dunkelrot ausgeführt. Die Mediathek verfügt zudem über einen doppelgeschossigen Raum mit Sitztreppe, der beide Stockwerke verbindet und der für Veranstaltungen genutzt werden kann. Dank fehlender Fenster im Erdgeschoss hat dieser einen eher introvertierten Charakter. (sb)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Richter architectes & associés
- Landschaftsarchitektur:
- Bruno Kubler
- Weitere Beteiligte:
- C&E (Tragwerksplanung), Solares Bauen (Technische Gebäudeausrüstung, Nachhaltigkeit), Bet G. Jost (Elektroplanung), C2bi (Kostenplanung), Gamba (Akustik), Alcena (Projektplanung)
- Bauherr:
- Communauté de communes du Vexin Normand




