Vertikaler Spielplatz aus Holz
Kita in München von Kéré Architecture
Am 7. Juli 2026 wurde die Kinderoase der Technische Universität München (TUM) eingeweiht, die mit Beginn des kommenden Semesters Betreuungsplätze für 60 Kinder von TUM-Angehörigen bietet. Entstanden ist der spektakuläre Holzbau nach Plänen von Kéré Architecture. Er ist das erste dauerhafte Bauwerk des Pritzker Preisträgers Francis Kéré in Europa.
Wie ein Fremdkörper sticht die Kinderoase an der Technischen Universität München aus der Blockrandbebauung der Maxvorstadt hervor. Der freistehende Neubau von Kéré Architecture (Berlin) schließt eine Baulücke in der Gabelsbergerstraße, die zuvor als Parkplatz zwischen dem TUM-Hauptgebäude und der Mensa genutzt wurde. Ab dem ersten Obergeschoss umhüllen Lamellen aus Cortenstahl den Baukörper, eine Art Plisseekleid im urbanen Maßstab. Der Kontrast zu den verputzten Nachkriegsbauten der Nachbarschaft könnte kaum größer sein.
Hinter der Cortenstahlhülle verbirgt sich ein fünfgeschossiger Holzbau, der mit Ausnahme der Fundamente und des freistehenden Fluchttreppenhauses ohne Zement auskommt. Das Gebäude ist mit regionalem Holz aus dem Alpenraum errichtet und als vertikaler Spielplatz konzipiert. Rund 700 Quadratmeter für 60 Kinder gruppieren sich um eine zentrale Wendeltreppe, die bis hinauf zur Dachterrasse führt. Ein rundes Dachfenster streut Tageslicht in den zylindrischen Treppenraum aus Holz. Auf den Stahlstufen liegt robustes Eschenholz, die schlanken Stahlstützen übernehmen die Funktion von Zugbändern, sie halten die auskragende Dachkonstruktion ganz oben in Position. Komplett in sonnigem Gelb gehalten, bildet der Treppenraum das leuchtende Zentrum des Hauses und lädt zum Erkunden aller Ebenen ein.
Rutschen, Laufen, Klettern
„Wir haben die Kinderoase konsequent aus Perspektive der Kinder entworfen“, sagt Francis Kéré. Dazu gehöre auch, dass die Kleinen laufen, klettern und zwischen den Geschossen rutschen können. Eine Tunnelrutsche aus Holz verbindet die mittleren Etagen zu einer stockwerkübergreifenden Erlebniszone. Die separierten Räume für die Rutschen nehmen die gesamte Gebäudebreite der Straßenseite ein und schirmen die rückwärtigen Gruppenräume vom Verkehrslärm ab.
Realisiert in Rekordzeit
Vieles an der Kinderoase ist außergewöhnlich. Als fünfgeschossiger Holzbau ist das Gebäude einzigartig in Deutschland und für das Zentrum Münchens eine Attraktion. Die Architekt*innen haben der Typologie Kindergarten ein längst fälliges Update verpasst, das beweist, wie Bildungsbauten im dichten urbanen Raum über sich hinauswachsen können. Am erstaunlichsten jedoch ist die Bau- und Planungsgeschichte: Das Gebäude entstand in Rekordzeit. Von den ersten Ideen bis zur Eröffnung dauerte es keine sechs Jahre. „Wir können auch schnell“, resümierte Münchens Stadtbaurätin Elisabeth Merk den Genehmigungsprozess.
Möglich waren die verkürzte Planungs- und Realisierungsphase aber vor allem durch die Stifterin Ingeborg Pohl. Sie finanzierte das Gebäude als private Bauherrin und übergab es mit der Fertigstellung an die TUM. Langwierige Vergabeverfahren und Ausschreibungsprozesse gab es in dieser Konstellation nicht. Die Projektsteuerung und Bauleitung lagen in einer Hand bei GAPP. Mit dem Netzwerk und der Expertise aller Projekt- und Ausführungsbeteiligten ist ein Gebäude entstanden, dessen Qualität für sich spricht. Eine Sensation für München.
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Kéré Architecture
- Partner Holzbau & Ausführungsplanung:
- HK Architekten – Hermann Kaufmann + Partner
- Bauingenieurwesen, Brandschutz, Bauphysik:
- Stefan Winter (TUM) / bauart Konstruktions GmbH
- Energieeffizienz:
- Thomas Auer (TUM)
- Gebäudetechnik:
- ITG-Ingenieursgesellschaft für TGA
- Landschafsplanung:
- Jühling & Köppel Landschaftsarchitekten
- Projektmanagement und Bauleitung:
- GAPP
- Bauherrin:
- Ingeborg Pohl
- Fläche:
- 1.541 m²








