Kita mit Himmelswiese
Kéré Architecture und Hermann Kaufmann + Partner planen in München
Bisher hat der 2022 mit dem Pritzker-Preis und 2023 mit dem Praemium Imperiale ausgezeichnete Francis Kéré vorwiegend Entwürfe für den afrikanischen Kontinent entwickelt, darunter zahlreiche Bildungsbauten. Nun plant er mit seinem Berliner Büro Kéré Architecture das erste Projekt in München: Es ist eine Kita für die Technische Universität (TUM), an der Kéré seit 2017 eine Professur innehat. Die Ausführungsplanung übernimmt das in Schwarzach in Vorarlberg ansässige Büro Herrmann Kaufmann + Partner. Holzbauspezialist Kaufmann lehrte ebenfalls bis 2021 an der TUM. Als Bauherrin tritt Unternehmerin Ingeborg Pohl auf, die seit 2016 Ehrensenatorin der TUM ist. Nach ihr soll die künftige Kinderoase auch benannt werden. Den Betrieb wird nach der für Ende 2025 anvisierten Fertigstellung das Studierendenwerk München übernehmen.
Am Donnerstag, 18. April 2024 fand der Spatenstich für das Bauvorhaben statt. Errichtet wird es auf einem ehemaligen Parkplatz an der Gabelsberger Straße in der Maxvorstadt, direkt gegenüber dem Unicampus. Auf fünf Geschossen mit insgesamt rund 700 Quadratmetern Fläche sollen Betreuungsplätze für bis zu 60 Kinder von Mitarbeitenden und Studierenden der TUM entstehen. Die als konstruktiver Holzbau geplante Kita wird den veröffentlichten Renderings zufolge ein neuer Blickfang in der Straßenfront werden. Zum einen fällt der Bau durch eine skulptural gefaltete Lamellenfassade aus Cortenstahl auf, die wie ein durchlässiger Vorhang wirkt. Laut einem Artikel der Süddeutschen Zeitung wird er zum anderen mit einer vorgesehenen Höhe von 22 Metern die Nachbargebäude um etwa fünf Meter überragen. Nur so ließe sich auf dem beengten Grundstück das gewünschte Raumprogramm unterbringen, heißt es dazu.
Während der schlichte, von der Straße zurückgesetzte Sockel die Verwaltung unterbringen soll, sind für die Betreuung der Kinder die Obergeschosse vorgesehen. Wie ein riesiger Guckkasten ragen sie in den Straßenraum. Neben Gruppenräumen wird es hier auch Gemeinschafts- und Sportflächen geben. Der Außenbereich zum Spielen an der frischen Luft befindet sich auf dem Dach des Gebäudes. Als sogenannte „Himmelswiese“ wird er den Kindern spektakuläre Ausblicke auf ihre Stadt ermöglichen. Der Bau sei in erster Linie ein Haus für Kinder, wird Kéré in der Pressemitteilung der TUM zitiert, er sei aber auch „ein Geschenk an die gesamte Stadtgesellschaft“. (da)
[Anmerkung der Redaktion: Das Planmaterial hat uns erst nach der ursprünglichen Veröffentlichung des Beitrags erreicht, wurde also im Nachhinein ergänzt.]
- die städtebauliche Figur
- die Materialwahl und -kombination (Cortenstahl auf Holztragwerk!?)
- die ineffiziente und als gestalterischer Akzent im Grundriss wenig überzeugende innere Erschließung
- die nur für die Gestaltung erzwungenen Kollisionen im Detail (bspw. Glasbrüstung hinter Cortenstahllamellen)
Dennoch finde ich ein "besonderes" Gebäude für so einen schönen Zweck an dieser Stelle durchaus in Ordnung. Ein paar Fehler werden hoffentlich im weiteren prozess behoben, sodass hier am Ende ein echter Mehrwert entsteht.
PS: Auch wenn ich mich sonst vehement für Wettbewerbe und saubere Vergaben einsetze, finde ich es an dieser Stelle durchaus verständlich, wenn die TUM hier auf eigene Professoren zurückgreift.
Have a great day!
Vielleicht gibt es aber einfach auch in der Kategorie erwähnenswerte Architekturnachrichten zu oft Projekte, bei denen irgendetwas nicht stimmt.
Ich finde auch, dass eine deart hochrangige Architekturschule wie die TUM bei der Auswahl eines Entwurfs und der Planenden transparent und demokratisch agieren muss. Egal ob es im Hintergrund Finanzmittel von anderen als dem Bundesland oder dem Staat gibt, die TUM ist ein öffentlicher Auftraggeber.
Die beiden beteiligten Büros sollten die Größe haben deartige Aufträge abzulehnen und in einem Wettbewerb anzutreten, wenn sie das Projekt wirklich als wichtig betrachten und ihre Rollen in der Architekturgesellschaft als Lehrende und Pritzker-Preisträger ernst nehmen.
Ein Wettbewerb und im besten Fall offen ist an dieser Stelle das sehr viel richtigere.
Dann wäre die Frage ob dieser Entwurf tatsächlich gewonnen hätte...
Gibt es denn hier keinen Bebauungsplan wo so etwas geregelt ist?? Anscheinend zu spät...