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31.01.2018

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Nüchternes Urteil

Justizzentrum in Bochum von Hascher Jehle


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Wo einst Gymnasiasten lernten, tagt heute das Gericht: Am Bochumer Ostring entstand als erster Teil einer Neuerschließung des Geländes ein Justizzentrum nach Plänen des Berliner Büros Hascher Jehle Architektur. Dessen Entwurf gewann 2008 im nichtoffenen Realisierungswettbewerb – am 29. Januar wurde der bereits in Betrieb genommene Gebäudekomplex feierlich eingeweiht. Er vereint auf einer Brutto-Grundfläche von 43.000 Quadratmetern das Amtsgericht, das Landgericht, das Arbeitsgericht, die Staatsanwaltschaft und die Sozialen Dienste – und integriert dabei auch das alte Gymnasiumsgebäude.

Eine gemeinsame, „von außen ablesbare Adresse“ für die bisher an unterschiedlichen Standorten beheimateten Justizbehörden hatte sich die Stadt gewünscht, ein Gebäude, in dem „die Bedeutung einer unabhängigen Justiz als dritte Staatsgewalt“ ebenso zum Ausdruck kommt wie „Transparenz und eine auf den Bürger ausgerichtete Rechtssprechung“. Entsprechend konventionell kommt der Neubau nun daher, seine behördlich-bürokratische Funktion ist klar ersichtlich: massive kubische Form, Sichtbetonfassade, strenge Gliederung mit horizontalen Bändern, vertikalen Fensteröffnungen und Lisenen.

Der mit gewaschenen Nordseemuscheln versetzte Betonstein ist am Volumen, in dem die Gerichtssäle liegen, mit karmesinroten Pigmenten eingefärbt. Damit sticht der Kopfbau auch optisch als Zentrum der Anlage hervor und stiehlt dem benachbarten Gymnasiumsgebäude, über dem ein neuer Dachaufbau schwebt, die Show. Hier sind das Arbeitsgericht und Sonderfunktionen wie Bibliothek, Schulungsbereich und Kantine untergebracht.

Eine aus dem roten Kubus herausgeschnittene Freitreppe fungiert als zentrale öffentliche Erschließung und leitet Besucher sowie Mitarbeiter über eine Sicherheitsschleuse weiter in ein 28 Meter hohes Atrium, das über ein verglastes Sheddach natürlich belichtet wird. Hier löst sich die gesamte Erschließungsstruktur von den Wänden der angrenzenden Gerichtssäle und behauptet sich als eigenständige Holzskulptur im Raum.

Das Atrium öffnet sich rückseitig mit einer vollflächig verglasten Fassade zum Garten, an den sich die Bürotrakte mit zweibündig organisierten Behördenzimmer für insgesamt 1.000 Mitarbeiter anschließen. Insgesamt besteht der Komplex aus sechs zusammenhängenden Baukörpern, die eine höhengestaffelte Mäanderstruktur nachzeichnen und dabei neben dem Atrium zwei weitere Höfe umschließen. (da)

Fotos: Svenja Bockhop



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Kommentare

5

Pekingmensch | 06.02.2018 06:03 Uhr

Konventionell?

Also, ich finde das - gemessen am normalen Standard im deutschen Verwaltungsbau - keineswegs konventionell, sondern im Gegenteil sehr gelungen! Tolle Fassade und schoenes, grosszuegiges Atrium.

4

anwalt | 02.02.2018 08:44 Uhr

Funktional?

interessant wäre, die Meinungen der Nutzer zu hören. Stelle mir eine Verhandlung vor, bei der ich die Gegenseite nicht erkennen kann, weil sie vor einer riesigen Glaswand sitzt, die blendet. Und Nischen, in denen man sich in Verhandlungspausen unauffällig zur vertraulichen Erörterung mit dem Mandanten zurückziehen kann, fehlen.

3

solong | 01.02.2018 10:57 Uhr

... ja wir wissen nicht ...

... daher diese ... kommentare auf socialmedia niveau ... gerademal eben "was rauskotzen" ... aber eigentlich nicht wissen warum ... die kiste ist zunächstmal in einem gewissen Kontext von zeit, raum und geld entstanden ... und wer was vom bauen versteht ... sieht sofort die hohe qualität der ausführung ... das wird auch in 50 jahren noch wertig aussehen ...

2

Friedel | 31.01.2018 19:43 Uhr

na ja...

Hascher / Jehle und BLB : 2 Welten prallen aufeinander.
Und genau das sieht man der Kiste an!

1

Hans Merks | 31.01.2018 17:43 Uhr

Kisten...

Bin eigentlich kein Freund der Kiste, aber irgendwie gefällt mir das Ding, ohne dass ich genau weiß, warum.

 
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