Leere Mitte
Hochhaus in Dubai von ZHA
Auch wenn in seiner Mitte ein riesiges Loch klafft – das Hochhaus The Opus von Zaha Hadid Architects steht nicht in Hongkong, wo in große Bauvolumen des Öfteren sogenannte Drachentore integriert werden. Diese nach Feng-Shui-Regeln angelegten, großformatigen Öffnungen sollen verhindern, dass ein Gebäude den harmonischen Energiefluss – beziehungsweise den Flug eines Drachen – unterbricht. Der 93 Meter hohe Glaswürfel mit der in Hadid’scher Manier amorph geformten Leerstelle befindet sich jedoch unweit des Burj Khalifa in Dubai, und damit ist eigentlich klar, dass seine außergewöhnliche Gestaltung nicht unbedingt spirituellen Motiven folgt. Vielmehr ist die Stadt für ihren architektonischen Überbietungswettbewerb bekannt und mit dem Anfang 2020 eröffneten, allerdings schon 2007 von Zaha Hadid entworfenen Opus nun um einen weiteren Spektakelbau reicher.
Der 84.300 Quadratmeter umfassende Koloss aus Glas und Stahl besteht aus zwei Türmen, die durch ein viergeschossiges Atrium im Sockelbereich und eine 38 Meter lange, dreigeschossige Brücke in rund 70 Metern Höhe zu einem Kubus verschmelzen, der leicht über dem Erdboden zu schweben scheint. Die organisch fließende leere Mitte bildet dabei den spannungsvollen Kontrapunkt zur streng rechtwinkligen äußeren Form des Baukörpers. Umgrenzt wird sie von einer dunkelblauen Glasfassade, die aus über 4.300 flachen und gebogenen Isolierglas-Einzelteilen besteht – eine ingenieurtechnische Meisterleistung, die mithilfe von 3D-Modellierung zustande kam. Jede dieser Glastafeln ist mit LED-Leuchten ausgestattet, die des Nachts für glamouröse Lichteffekte sorgen. Auch die Außenfassaden bestehen komplett aus UV-beschichtetem Isolierglas mit emaillierten, unterschiedlich großen Punktrastern. Diese reflektieren das Licht und reduzieren so Sonneneinstrahlung und Blendwirkung. Bei der Realisierung dieser Gebäudehülle waren Firmen aus zahlreichen Fachdisziplinen beteiligt, darunter Whitbybird (London), Agnes Koltay Facades (Dubai), Alu Nasa (Dubai) und Brookfield Multiplex (London).
Das vom Immobilienunternehmen Omniyat Properties beauftragte Gebäude beherbergt nun in erster Linie ein Hotel der Mélia-Gruppe mit 74 Zimmern und 19 Suiten, aber auch Büroetagen, voll möblierte Luxus-Apartments, Restaurants, Cafés und Bars. Es ist zugleich der einzige Hotelbau, in dem Zaha Hadid auch die Innenausstattung selbst entwarf. Ein Aufenthalt hier ist sicher ein Erlebnis: Die Lobby empfängt die Gäste mit retrofuturistischem Ambiente, durch die geschosshohen Verglasungen der Hotelzimmer hat man vom Bett aus einen einzigartigen Panoramablick über die Skyline und im Bad – ein jedes in einem anderen Design – finden sich wabernde, mit LEDs bestückte Armaturen und Spiegel. Sie stammen aus der Vitae-Kollektion, die Hadid 2015 für den Badezimmerausstatter Noken Porcelanosa kreierte. (da)
Fotos: Laurian Ghinitoiu
Es ist geht nur um die Formsprache, inhaltlich wurde hier nichts neues erfunden, keine außergewöhnlichen Raumzusammenhänge, keine technische Errungenschaft, keine nie-da-gewesene Konstruktionslösung. Wo ist das Zukunft? Es ist inhaltlseere Form.
Man muss es ZHA aber lassen, dass sie es schaffen die Lösung zu verkomplizieren und auch mittlerweile recht sauber umzusezten. Einfach ist es nicht.
Zwar mag das ganze konzeptuell und bildhauerisch stringent wie beeindruckend sein und auch gut durchgearbeitet (oder einfach nur gut fotografiert?) Zukunftsfragen werden hiermit allerdings nicht beantwortet. Um die skulpturale Idee zu verstehen oder das Konzept zu feiern hätte es auch gereicht ein Modell des Gebäudes zu betrachten, durch das BIM-Modell zu fliegen oder sich die Renderings an die Wand zu hängen. Eine Realisierung wäre dafür nicht nötig gewesen... Liebe KollegInnen stellt euch doch lieber in den Dienst von gesellschaftlich relevanten Bauaufgaben. Das hier nenne ich auch Beschäftigungstherapie oder Selbstbeweihräucherung.
Zunächst das viel zu rechteckige, gerasterte Glasdach, welches viel zu streng für das darunterliegenden Geschwabbel wirkt.
Dann diese schwabbeligen, weißen Terassen mit wunderhübschen "Bauchfalten" und dort eingebauten LED-Lichtbändern, wie sie jeder 12-Jährige im Kinderzimmer hat, wahrscheinlich auch mit Fernsteuerung zur Auswahl sämtlicher Farben des RGB-Spektrums.
Final die künstlich hereingestellten Sitz-Plattformen, wieder im Schwabbel-Look, Plastik-Freiform und Polster farblich im angestaubten Farbschema von Quatar Airways. Upps, Architekten, da habt ihr euch wohl im Emirat vertan. Kartar liegt eins weiter westlich, das hier ist VAR ..
"Als ich das erste mal reingebissen hab war er noch frisch."
Atemberaubend ist das Gebäude in der Tat. Atemberaubend dumm ist es zumindest einen schwarzen Glaswürfel in die Wüste zu stellen.
Lebenszyklusbetrachtung, C2C, Urban Mining scheinen mir drängendere Zukunftsthemen zu sein, als dieser ranzige 80er Formalismus.