Quartiersmitte in Schwarzweiß
Gemeindezentrum in Dornbirn von Cukrowicz Nachbaur Architekten
Der Dornbirner Bezirk Haselstauden hat eine neue verkehrsfreie Mitte, die von einem Duett aus Kinderturm und Veranstaltungshaus bestimmt wird. Die markanten Baukörper stammen von Cukrowicz Nachbaur Architekten mit Sitz im nahen Bregenz. Turm und Haus bündeln einen komplexen Mix an öffentlichen Nutzungen für Kinder und Erwachsene. Die beiden Neubauten bilden mit der benachbarten Kirche sowie einer Berufs- und Volksschule ein Ensemble, das durch räumliche Tiefe charakterisiert ist.
Schon lange ist der dichte Berufsverkehr aus dem Bregenzerwald für die Bewohner*innen von Haselstauden eine Belastungsprobe. Abhilfe schafft nun der neue Dorfplatz, der abseits der lauten Straße als Treffpunkt dient. Cukrowicz Nachbaur platzierten die beiden quaderförmigen Baukörper so, dass zwischen Bestand und Neubauten gut proportionierte Außenräume entstehen. Die alten Platanen vor Schule und Kirche wurden ebenso in die neue Quartiersmitte einbezogen wie der öffentliche Freiraum zwischen dem fast weißen Kinderturm und dem nahezu schwarzen Veranstaltungshaus. Diese Fläche wird auch als Pausenhof genutzt.
Mit seinen dunklen Fassaden aus anthrazitfarbenem Splittbeton schirmt das Veranstaltungshaus den Verkehrslärm der Haselstauderstraße ab. Zum automobilen Durchgangsraum positioniert sich der massive Neubau mit einem horizontalen Band aus Betonlamellen; an seiner Nordseite führt eine Treppe zum Quartiersplatz hinauf. Dort empfängt der Bau mit einem fast durchgängig verglasten und einladenden Erdgeschoss und nimmt den Dialog mit seinem ungleichen Gegenüber auf, dem strahlend weißen Volumen des Kinderturms.
Die vielseitigen Nutzungen im Veranstaltungshaus ergänzen die öffentliche Infrastruktur des Stadtteils. Hinter dem Foyer liegt der große Studasaal für bis zu 400 Gäste. Seine technische Ausstattung erlaubt unterschiedlichste Veranstaltungen, während die Vertäfelung aus Ulmenholz auch repräsentativen Ansprüchen gerecht wird. Die Sporthalle darunter ist teilbar, sie wird von den angrenzenden Schulen ebenso wie von Vereinen genutzt. Ganz oben befindet sich die Schulküche der Fachschule mit zwei Kücheneinheiten und Servierräumen, die sich zusammenschalten lassen. Ihre Holztische auf dunklem Terrazzoboden erinnern eher an ein Restaurant als an eine klassische Lehreinrichtung.
Klar definiert ist auch die Nutzung des gegenüberliegenden Kinderturms. Der viergeschossige Bau mit markanten Fassaden aus gewellten Betonelementen und horizontalen Fensterbändern bietet Platz für 180 Kinder in acht Kindergartengruppen. Neben Gruppenräumen, Bewegungszonen und Ruhe- sowie Sonderbereichen unter anderem für die Sprachförderung sind hier eine Ganztagesbetreuung mit Mittagstisch und der Elterntreff untergebracht. Eine breite Holztreppe erschließt großzügige zentrale Bereiche vor den Gruppenräumen, die auch als Garderoben- und Bewegungszonen dienen. Holzverkleidete Böden und Wände, viel Tageslicht und tiefe Fensterlaibungen als Sitznischen prägen die freundliche Atmosphäre. Die Türen stehen offen, aus den Fenstern blicken die Kinder über die Dächer auf die Berge und zum Kirchturm. Ihr Spielplatz liegt gleich hinter dem Haus und ist auch öffentlich zugänglich.
„Uns war wichtig, dass alle Eingänge vom Platz aus gehen, abseits der Straße“, sagt Andreas Cukrowicz. Mit Kinderturm und Veranstaltungshaus ist in Haselstauden mehr entstanden, als nur ein funktionales Bildungs- und Veranstaltungsangebot: ein präzise gesetztes neues Zentrum, das dem historischen Ortsteil Identität, Ruhe und öffentliche Präsenz gibt.
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Cukrowicz Nachbaur Architekten
- Statik Veranstaltungshaus:
- Conzett Bronzini Partner
- Statik Kinderturm:
- gbd ZT
- Landschaftsplanung:
- Vogt Landschaftsarchitekten
- Lichtplanung:
- conceptlicht at
- Farbkonzept:
- Monika Heiss
- Signaletik:
- proxi
- Heizung, Lüftung, Klima, Sanitär:
- GMI Ing. Peter Messner
- Örtliche Bauaufsicht:
- Albrecht Baumanagement
- Bauherrschaft:
- Stadt Dornbirn
- Fläche:
- 5.732 m² Nutzfläche
- Baukosten:
- 20.200.000 € KB 1–6 (Österreich), Nettokosten




