Filmtipp: The World in a Square
Bêka und Lemoine besuchen Superkilen
Der Freiraum Superkilen im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro gehört zu den Schlüsselprojekten der europäischen Freiraumplanung. Als er 2012 fertiggestellt wurde, feierte man ihn als empathische Antwort auf die Probleme eines multiethnischen Stadtviertels. BIG, die Künstlergruppe Superflex und das Berliner Büro Topotek 1 hatten für der Gestaltung Sportgeräte und Stadtmöbel aus den Herkunftsländern der Bewohner*innen verwendet und sie als räumlichen Ausdruck kultureller Vielfalt inszeniert.
14 Jahre später haben Ila Bêka und Louise Lemoine Superkilen im Auftrag von Topotek 1 besucht. Einen ganzen Sommer lang verbrachte das bekannte Filmduo mit der Kamera viel Zeit im Viertel. Fünf Menschen trafen sie dabei immer wieder: die Aktivistin Iman, die Babysitterin Elisa, den Sternebeobachter Peter, die Tätowiererin Johanne und den Koch Kala. Ihre Geschichten sind so herzzerreißend wie bizarr. Zwar ist so manche Farbe inzwischen von der Sonne verblichen, doch Superkilen, so vermittelt es der Film, leistet, was das Planungsteam einst intendiert hat: Der Ort versammelt Menschen, deren Lebenswelten unterschiedlicher kaum sein könnten.
Auch eine Freiraumplanung in Høje Taastrup, 20 Kilometer westlich von Kopenhagen, und die „Inflatables“ – rosafarbene aufblasbare Objekte, die Topotek 1 ursprünglich für die Landesgartenschau in Wolfsburg entwickelten – kommen im Film vor. Nicht zuletzt stehen die drei Projekte auch für unterschiedliche Möglichkeiten öffentlichen Raum zu denken – als urbane Infrastruktur, als Rahmen für soziale Beziehungen oder als temporäre Intervention.
Mit The World in a Square (2026) ist ein Film entstanden, der gute Laune macht und viele motivieren dürfte. Denn er lässt die Qualität von Räumen über Menschen sichtbar werden, die ihn benutzen, verändern, sich aneignen. Wie viele andere Filme von Beka & Lemoine vermittelt er die Qualitäten der gebauten Umwelt über das soziale Geschehen, über die Handlungen und Konflikte, die sich an konkreten Orten abspielen. Damit beantwortet er eine entscheidende Frage der Architektur, die noch immer zu selten gestellt wird: Was muss Gestaltung leisten, damit sich die Qualität eines Ortes über dessen Nutzung erschließt?
Text: Friederike Meyer
The World in a Square – Intrinsically Topotek 1
Regie: Bêka & Lemoine
72 min., 2026
Nächste Screenings:
Mittwoch, 2. September 2026, 17 Uhr: CAFx Copenhagen
Freitag, 4. September 2026, 18 Uhr: Architekturforum Zürich