Wenn Söder nachdenkt
Cukrowicz Nachbaurs Konzerthaus München wird nicht gebaut
Das Konzerthaus München nach Plänen des Bregenzer Büros Cukrowicz Nachbaur wird nicht gebaut. Das gaben Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und sein Kunst- und Wissenschaftsminister Markus Blume vorgestern bekannt. Die vorgeschlagene Alternative macht es nicht besser.
Von Gregor Harbusch
Die Entscheidung gegen den Bau des Konzerthaus München im Werksviertel ist das Ergebnis einer sogenannten Denkpause, die Markus Söder (CSU) im März 2022 verordnet hatte. Corona, Ukrainekrieg und kolportierte Kosten in Höhe von circa einer Milliarde Euro ließen den bayerischen Ministerpräsidenten damals die Notbremse ziehen.
Gestern äußerte sich Markus Blume (CSU) gegenüber der Süddeutschen Zeitung zur geänderten Planung: „Der Glaskasten ist passé. Der aufwändige Entwurf ist mit ursächlich für die exorbitanten Baukosten“, liest man dort über den Entwurf des Bregenzer Büros Cukrowicz Nachbaur, das sich 2017 in einem Realisierungswettbewerb gegen 30 Konkurrenten durchsetzen konnte. Seitdem sind knapp 30 Millionen Euro Planungskosten ausgegeben worden.
Anstelle des Architekturbüros möchte man nun einen Totalunternehmer beauftragen. Das Vergabeverfahren auf Basis einer funktionalen Leistungsbeschreibung soll Kosten- und Planungssicherheit sowie die Fertigstellung des neuen Hauses bis Mitte der 2030er Jahre sicherstellen. Im Unterschied zur aktuellen Schätzung von mittlerweile 1,3 Milliarden Euro Baukosten (inklusive Index- und Risikozuschlägen) soll der abgespeckte Neubau nur noch ungefähr die Hälfte kosten. Die Politik verspricht zwar exzellente Akustik und digitale Ausstattung. Dafür wird am Raumprogramm gespart, zum Beispiel am zweiten, kleinen Saal.
Ebenfalls in der gestrigen Ausgabe der Süddeutsche Zeitung skizzierte Egbert Tholl, was dann von der Idee des Konzerthauses vermutlich übrig bliebe. Ursprünglich sei mit dem Konzerthaus ein breit aufgestelltes „Musikzentrum“ geplant gewesen, bei dem verschiedene Institutionen eingebunden werden sollten, doch die Einsparungen würden wohl zu einem bloßen „Konzertsaal“ führen, so Tholl. Letztlich wäre der Neubau aber nicht mehr als ein fester Spielort des Bayerischen Symphonieorchesters.
Tatsächlich bildet das den Ausgangspunkt und Kern der mittlerweile jahrzehntelangen Diskussionen um einen Neubau, da dieses Orchester von Weltrang keinen angemessenen eigenen Spielort hat. Nur: München hat genügend Konzertsäle – darunter der kürzlich fertiggestellte Gasteig HP8 von gmp, in einigen Jahren der generalsanierte Gasteig von HENN sowie der historische Herkulessaal. Eine halbe Milliarde für einen weiteren Konzertsaal mit knapp 2.000 Plätzen scheint deshalb mehr als fragwürdig.
Das Tragische daran: Die Entscheidung von Söders Kabinett ist viel mehr als eine millionenschwere Politposse im erfolgsverwöhnten und selbstverliebten Bayern. Sie ist ein kulturpolitisches Desaster – und Anlass genug, die Notwendigkeit teurer, repräsentativer Kulturbauten ganz grundsätzlich zu hinterfragen.
Das Konzerthaus München im Werksviertel muss im größeren Zusammenhang mehrerer Planungen und Sanierungen von Kulturbauten in der Isarmetropole gesehen werden, die mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Einen Überblick dazu haben wir im März letzten Jahres gegeben, als unsere Autorin den Planungsstand der denkmalgeschützten Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke vorstellte.
Da wurden jetzt mal so 2,0 mio EUR vernichtet ... einfach so ... pro Büro kostet das ca. 50.000 EUR Bearbeitung und dann Preisgeld ausgegeben ... aber was sollst man hat es ja .... KEIN KOMMENTAR
das merkt man spätestens nach dem Vorentwurf, wenn nicht schon nach dem Wettbewerb. Vielleicht die Preisrichter nach Qualität und nicht nach Proporz auswählen.....
In einer Stadt wie München mit vielen hochwertigen Sälen, die überhaupt nicht ausgelastet sein werden in ihrer Größe und Gänze ist der Ruf nach eine Konzertsaal nichts als eine meines Erachtens unfassbare Arroganz und Selbstdarstellungssucht. Wir brauchen auch so ein Ding. Und da so überflüssig wie ein Kropf hat man dann in der Auslobung das Ganze zu einem Musikzentrum mit vielen sinnvollen Zusatzfunktionen gamacht. Einzig das wird nun sowieso gestrichen. Also nur noch Saal und Symbol. Das Bild vom gewonnenen Wettbewerbsentwurf oben sagt schon alles aus. Eine tote in sich geschlossene Glaskiste, ein umgekehrter Ozeanriese, der irgendwie hinter der Menschenmenge am Pier aufsteigt und nichts als abweisend ist. Eine stadträumliche Katastrophe, ein architektonisches Armutszeugnis. Udn zum Thema Kosten: Grundrisse betrachten wie es vielleicht auch die Juri gemacht hat und schöne Bilder betrachten reicht eben nicht aus. Alleine das Thema Glas, Sonne, Klimatisierung ist ein ganz dickes Ding. Und die unterschiedlichen Bereiche. Und kompakt muss nicht günstig heißen, da sind verschiedene Nutzungen und Brandschutz usw. Haustechnik verschlingt ebenfalls horrende Summen. Alleine das Thema Lüftung, da kann man mal nach Berlin zum BER schielen. Als in Paris lebender Architekt und Musiker gehe ich gerne in eines der von außen eher häßlichen Bauwerke, die Philharmonie. Es ist zumindest keine "Kiste" und steht direkt an der Peripherique, also eine ganz andere Situation. Und es ist ein Haus mit einem ganz hervorragenden Saal. Das gute: Es sind sehr viele Orchester, die dort spielen, auch Radio France, die einen eigenen Saal haben. Hier wird Vielfalt gelebt, angegliedert an die Cité de la musique. Warum also nur braucht man in München einen neuen Saal? Warum einen halben oder ganzen Milliardenbetrag ausgeben? Rechnet man das über eine mittlere Lebensdauer auf die Kosten eines Konzerts um, dann ist das einfach nur unfassbarer (Größen)Wahnsinn. Da versteht man schnell, dass viele Menschen Kunst und Kultur und insbesondere Musik als teuren Luxus für Minderheiten empfinden. Solche Dinge schaden der Musik, schaden der Kultur und letztlich unserer Gesellschaft, denn es gibt denen Wasser auf die Mühlen, die die Gesellschaft spalten wollen. Ich meine, jeder Cent, der hier nicht ausgegeben wird und der Musik an sich zugute kommt ist ein richtig investierter Cent. Wir müssen wieder in Menschen investieren, nicht in Kisten mit Symbolwert.
Ein altertümliches Konzept gemäß der LRO Devise: "Innen ist anders als Außen".