Bundesregierung will zirkuläres Bauen ankurbeln
Fünf Fragen an Sören Bartol
Bundesregierung will zirkuläres Bauen ankurbeln
Fünf Fragen an Sören Bartol
Ende 2024 hatte die Bundesregierung mit der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie ein Bündel an Maßnahmen beschlossen, um den Verbrauch von primären Rohstoffen zu verringern und Stoffkreisläufe zu schließen. Die Umsetzung will die mittlerweile neue Regierung nun mit einem Aktionsprogramm ankurbeln. Das adressiert vor allem den Bausektor. Eva Kafke hat den parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, Sören Bartol, nach Details gefragt.
Herr Bartol, was bedeutet das Aktionsprogramm konkret für Architekt*innen und Planer*innen von Gebäuden?
Das Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) verändert grundlegend Rahmenbedingungen, unter denen Planende in Zukunft tätig sein werden. Dafür wird besonders die geplante Weiterentwicklung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) relevant. Rohstoffsouveränität und Rohstoffversorgungssicherheit sollen künftig durch den Gesetzeszweck gefördert werden. Damit wird klar, dass Kreislaufwirtschaft nicht mehr nur der reinen Abfallbewirtschaftung dient, sondern ein zentrales Instrument für die wirtschaftliche Resilienz und die Rohstoffsicherung ist. Für den Bausektor mit seinen enormen Stoffströmen ist das von zentraler Bedeutung. Engpässe in den Lieferketten machen sich schnell in der Planungs- und Baupraxis bemerkbar und lassen die Kosten steigen. Wir müssen hier Vorsorge treffen.
Das Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) verändert grundlegend Rahmenbedingungen, unter denen Planende in Zukunft tätig sein werden. Dafür wird besonders die geplante Weiterentwicklung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) relevant. Rohstoffsouveränität und Rohstoffversorgungssicherheit sollen künftig durch den Gesetzeszweck gefördert werden. Damit wird klar, dass Kreislaufwirtschaft nicht mehr nur der reinen Abfallbewirtschaftung dient, sondern ein zentrales Instrument für die wirtschaftliche Resilienz und die Rohstoffsicherung ist. Für den Bausektor mit seinen enormen Stoffströmen ist das von zentraler Bedeutung. Engpässe in den Lieferketten machen sich schnell in der Planungs- und Baupraxis bemerkbar und lassen die Kosten steigen. Wir müssen hier Vorsorge treffen.
Wenn wir unsere Rohstoffsouveränität stärken wollen, darf es nicht sein, dass ausgebauten Bauteilen pauschal die Abfalleigenschaft zugeschrieben wird, sobald sie den Originalverbund verlassen.
Das Ziel der Rohstoffsicherung kann nur durch praktisch gut umsetzbare Vorschriften verwirklicht werden. Für den Gebäudesektor braucht es dazu noch Anpassungen. Wenn wir Abfall effektiv vermeiden und unsere Rohstoffsouveränität stärken wollen, darf es nicht sein, dass ausgebauten Bauteilen in der Praxis pauschal die Abfalleigenschaft zugeschrieben wird, sobald sie den Originalverbund verlassen.
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Regierungsprogrammen und Strategien zum zirkulären Bauen, doch die Umsetzung verläuft schleppend. Was sind die zentralen Hindernisse?
Die Vielzahl an Regierungsprogrammen und Strategien zeigt, dass es nicht am politischen Willen fehlt. In der Praxis muss aber ein Umdenken stattfinden und der Blick auf Gebäude muss sich radikal ändern. Der Abriss darf nicht mehr das Ende sein. Drei Aspekte stehen dabei im Mittelpunkt. Erstens: Die fast automatisch zugeschriebene Abfalleigenschaft für ausgebaute Bauteile macht den Wiedereinsatz oft rechtlich riskant und unwirtschaftlich. Zweitens: Primärbaustoffe sind in der Regel günstiger als aufbereitete Sekundärmaterialien. Der Markt belohnt lineares Bauen und bestraft zirkuläre Ansätze. Drittens: Ohne bundesweite, digital nutzbare Daten zu Materialbeständen lässt sich die Kreislaufwirtschaft in der Breite nicht verlässlich planen.
Das Aktionsprogramm kündigte eine Novelle der Ersatzbaustoffverordnung noch in dieser Legislaturperiode an. Grundlage ist eine Evaluation des Umweltbundesamtes. Welche Verbesserungen sind geplant?
Unser Ziel ist es, die Verwertung mineralischer Ersatzbaustoffe spürbar zu erleichtern und praxistauglicher zu gestalten. Das erreichen wir durch Vereinfachungen und Vereinheitlichungen bei der Güteüberwachung sowie durch den konsequenten Abbau bürokratischer Hürden. Zudem werden wir den Vollzug modernisieren, indem wir Dokumentationspflichten konsequent digitalisieren, um den Anforderungen einer modernen Verwaltung gerecht zu werden.
Hochwertige Sekundärmaterialien dürfen gar nicht erst in das Abfallregime fallen, um dann nur über den bürokratischen Umweg als Ersatzbaustoff eine Wiederverwendung zu finden. Der Gebäudesektor muss endlich auch im Kreislaufwirtschaftsrecht angemessen berücksichtigt werden. Grundsätzlich gilt: Wir müssen rechtlich sicherstellen, dass wertvolle Ressourcen direkt im Produktkreislauf verbleiben können, solange ihre technische Eignung und Schadstofffreiheit feststehen. Nur wenn wir die Kreislaufführung konsequent als Teil des Produktrechts begreifen, können wir die Abhängigkeit von Primärrohstoffen wirksam reduzieren und echte Abfallvermeidung realisieren.
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Regierungsprogrammen und Strategien zum zirkulären Bauen, doch die Umsetzung verläuft schleppend. Was sind die zentralen Hindernisse?
Die Vielzahl an Regierungsprogrammen und Strategien zeigt, dass es nicht am politischen Willen fehlt. In der Praxis muss aber ein Umdenken stattfinden und der Blick auf Gebäude muss sich radikal ändern. Der Abriss darf nicht mehr das Ende sein. Drei Aspekte stehen dabei im Mittelpunkt. Erstens: Die fast automatisch zugeschriebene Abfalleigenschaft für ausgebaute Bauteile macht den Wiedereinsatz oft rechtlich riskant und unwirtschaftlich. Zweitens: Primärbaustoffe sind in der Regel günstiger als aufbereitete Sekundärmaterialien. Der Markt belohnt lineares Bauen und bestraft zirkuläre Ansätze. Drittens: Ohne bundesweite, digital nutzbare Daten zu Materialbeständen lässt sich die Kreislaufwirtschaft in der Breite nicht verlässlich planen.
Das Aktionsprogramm kündigte eine Novelle der Ersatzbaustoffverordnung noch in dieser Legislaturperiode an. Grundlage ist eine Evaluation des Umweltbundesamtes. Welche Verbesserungen sind geplant?
Unser Ziel ist es, die Verwertung mineralischer Ersatzbaustoffe spürbar zu erleichtern und praxistauglicher zu gestalten. Das erreichen wir durch Vereinfachungen und Vereinheitlichungen bei der Güteüberwachung sowie durch den konsequenten Abbau bürokratischer Hürden. Zudem werden wir den Vollzug modernisieren, indem wir Dokumentationspflichten konsequent digitalisieren, um den Anforderungen einer modernen Verwaltung gerecht zu werden.
Hochwertige Sekundärmaterialien dürfen gar nicht erst in das Abfallregime fallen, um dann nur über den bürokratischen Umweg als Ersatzbaustoff eine Wiederverwendung zu finden. Der Gebäudesektor muss endlich auch im Kreislaufwirtschaftsrecht angemessen berücksichtigt werden. Grundsätzlich gilt: Wir müssen rechtlich sicherstellen, dass wertvolle Ressourcen direkt im Produktkreislauf verbleiben können, solange ihre technische Eignung und Schadstofffreiheit feststehen. Nur wenn wir die Kreislaufführung konsequent als Teil des Produktrechts begreifen, können wir die Abhängigkeit von Primärrohstoffen wirksam reduzieren und echte Abfallvermeidung realisieren.
Der Markt belohnt lineares Bauen und bestraft zirkuläre Ansätze.
Das Recycling von Holz wird durch die Vorgaben zur Schadstoffbelastung und das strikte Vermischungsverbot in der Altholzverordnung erschwert. Oft führen sie zu einer Verwertung als Brennstoff – was die Energiewirtschaft durchaus begrüßt. Wie stehen die Chancen, dass sich Vereinfachungen in der Verordnung innerhalb der Regierung durchsetzen lassen?
Bei Altholz stehen wir vor einem klassischen Zielkonflikt. Die Energiewirtschaft profitiert vom aktuell hohen Anteil thermischer Verwertung, während wir aus Gründen des Ressourcenschutzes die stoffliche Nutzung massiv ausbauen müssen. Aus Sicht des Klimaschutzes hat beides seine Berechtigung. Durch eine stoffliche Nutzung bleibt das CO₂ langfristig im Material gebunden, das Holz wird zur Kohlenstoffsenke. Dort, wo es zur Wärmeversorgung keine CO₂-neutralen Alternativen gibt, wird Holz zur erneuerbaren Energiequelle. Diesen Zielkonflikt aufzulösen ist anspruchsvoll, auch weil Schadstoffgrenzwerte und das Vermischungsverbot berechtigte Verbraucherschutzziele verfolgen, die wir nicht aufweichen dürfen. Ich bin zuversichtlich, dass praxistaugliche Vereinfachungen gefunden werden, ohne die notwendigen Sicherheitsstandards zu senken.
Pilotprojekte zu zirkulärem Bauen liefern Erfahrungen und Daten für die Branche. Welche Förderprogramme gibt es für Bauherrschaften und ihre Planer*innen?
Es gibt bereits ein starkes Förderangebot, an dessen Weiterentwicklung wir kontinuierlich arbeiten. Das Innovationsprogramm Zukunft Bau fördert die praxisnahe Forschung. Viele geförderte Vorhaben widmen sich intensiv dem zirkulären Bauen. In der Neubauförderung sind zudem seit 2023 verbindliche Grenzwerte für das Lebenszyklus-Treibhauspotenzial (GWP) verankert. Zirkuläres Bauen ist oft der Schlüssel, um diese Vorgaben verlässlich einzuhalten.
Bei Altholz stehen wir vor einem klassischen Zielkonflikt. Die Energiewirtschaft profitiert vom aktuell hohen Anteil thermischer Verwertung, während wir aus Gründen des Ressourcenschutzes die stoffliche Nutzung massiv ausbauen müssen. Aus Sicht des Klimaschutzes hat beides seine Berechtigung. Durch eine stoffliche Nutzung bleibt das CO₂ langfristig im Material gebunden, das Holz wird zur Kohlenstoffsenke. Dort, wo es zur Wärmeversorgung keine CO₂-neutralen Alternativen gibt, wird Holz zur erneuerbaren Energiequelle. Diesen Zielkonflikt aufzulösen ist anspruchsvoll, auch weil Schadstoffgrenzwerte und das Vermischungsverbot berechtigte Verbraucherschutzziele verfolgen, die wir nicht aufweichen dürfen. Ich bin zuversichtlich, dass praxistaugliche Vereinfachungen gefunden werden, ohne die notwendigen Sicherheitsstandards zu senken.
Pilotprojekte zu zirkulärem Bauen liefern Erfahrungen und Daten für die Branche. Welche Förderprogramme gibt es für Bauherrschaften und ihre Planer*innen?
Es gibt bereits ein starkes Förderangebot, an dessen Weiterentwicklung wir kontinuierlich arbeiten. Das Innovationsprogramm Zukunft Bau fördert die praxisnahe Forschung. Viele geförderte Vorhaben widmen sich intensiv dem zirkulären Bauen. In der Neubauförderung sind zudem seit 2023 verbindliche Grenzwerte für das Lebenszyklus-Treibhauspotenzial (GWP) verankert. Zirkuläres Bauen ist oft der Schlüssel, um diese Vorgaben verlässlich einzuhalten.




