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11.12.2017

Buchtipp: Berufsbild

Four Walls and a Roof


Was heißt es, in unserer Zeit Architekt oder Architektin zu sein? Für Architekten ist ihr Beruf eine universelle Disziplin, für viele andere inklusive Bauherren besteht Architektur meist nur aus vier Wänden und einem Dach. Auf mehr als 500 Seiten stellt Reinier de Graaf – Partner von OMA und Mitbegründer des Thinktanks AMO –  die Komplexität des „einfachen Berufs“ vor. Deswegen auch der nahezu absurde Buchtitel: „Four Walls and a Roof. The Complex Nature of a Simple Profession“.

In anekdotischer Weise legt de Graaf seine Gedanken über Architektur vor dem Hintergrund ihres politischen, sozialen, demographischen und kulturellen Kontextes dar. Nicht ohne Sarkasmus erzählt er seine persönlichen, mitunter tragikomischen oder peinlichen Geschichten aus der Welt des Architektenberufs. Die insgesamt 44 Essays offenbaren eine Welt, die für Außenseiter oft verschlossen bleibt. So bietet das Buch auch Nicht-Architekten eine unterhaltsame Lektüre und gewährt Einblicke in das Leben eines der erfolgreichsten Protagonisten der zeitgenössischen Architektur.

De Graaf begreift seine Publikation als eine Sammlung, die man wie ein Buch lesen oder wie eine Webseite überfliegen kann. Unter den Essays – die teils extra für die Publikation entstanden und teils aus anderen Kontexten stammen – findet man Auszüge aus de Graafs Tagebuch, einen Fotoessay, ein Interview und einen offenen Brief. Die Themen sind vielfältig wie der Beruf. Neben Geschichten bestimmter Bauten und Siedlungen wie etwa des Farnsworth House, des Flughafens von Atlanta und der Ost-Berliner Großwohnsiedlung Marzahn gibt es beispielsweise auch einen Text über Ernst Neufert und die Standardisierung des Bauens. Spannend ist auch sein Interview mit der Architektin Xenia Adjoubei – der Enkelin von Nikita Chruschtschow.

„It is life that is right and the architect who is wrong“ – dieses Zitat von Le Corbusier vermittelt bereits am Anfang des Buches die Intention des Autors. Mit seiner Publikation möchte de Graaf den weit verbreiteten Mythos widerlegen, der Architekt sei ein Held und trage die Verantwortung für die gebaute Welt. Architektur ist höchst politisch. Sie ist immer mit finanziellen und politischen Interessen verbunden. Nur ein Idiot würde sein Projekt wegen moralischer Werte scheitern lassen, denn einige der großartigsten Orten entstanden unter Diktaturen, und ein Diktator mit Geschmack sei sowieso das Allerbeste – so argumentieren manche internationale „Star-Architekten“. Man muss diesen Gedanke nicht teilen, um das Lesen dieses Buches zu genießen. (mg)

Four Walls and a Roof. The Complex Nature of a Simple Profession
Reinier de Graaf
Harvard University Press, 2017
528 Seiten, Englisch
ISBN: 9780674976108
31,50 Euro


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Bahnhof Akihabara. Fotomontage von Yoshinobu Kimura (Tamaki), 2004. PVC-Figur Shinyokohama Arina in Akihabara von Ooshima Yuuki (Gestaltung) und Kaiyodo (Produktion).

Bahnhof Akihabara. Fotomontage von Yoshinobu Kimura (Tamaki), 2004. PVC-Figur Shinyokohama Arina in Akihabara von Ooshima Yuuki (Gestaltung) und Kaiyodo (Produktion).

Links: Abriss der Robert Taylor Homes in Chicago, 1998. Foto: Scott Olson/ Thomson Reuters B.V. (PHOTO) / © ANP Photo B.V. Rechts: Abriss des St. Vincent’s Hospital in Dublin, 2001. Foto: Chris Bacon / PA Archive / PA Images

Links: Abriss der Robert Taylor Homes in Chicago, 1998. Foto: Scott Olson/ Thomson Reuters B.V. (PHOTO) / © ANP Photo B.V. Rechts: Abriss des St. Vincent’s Hospital in Dublin, 2001. Foto: Chris Bacon / PA Archive / PA Images


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