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20.11.2012

Schmuckkästchen in Essen-Werden

Folkwang-Bibliothek von Max Dudler eingeweiht


Herbst in Essen-Werden. Auf dem Campus der Folkwang-Universität der Künste wurde Ende September die neue Bibliothek von dem Berliner Büro Max Dudler Architekten, das 2007 den dazu ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen hatte, eingeweiht und in Betrieb genommen. Neben den Folkwang-Beständen sind hier die ehemalige musikwissenschaftliche Bibliothek der Ruhr-Universität Bochum und die früheren Bestände der Musikpädagogik der Universität Duisburg-Essen untergebracht: Ein Haus für 200.000 Bücher, Zeitschriften, Noten, Ton- und Bildtonträger.

Das Grundstück des neuen Bibliotheksgebäudes liegt im Spannungsfeld der geometrischen Ordnung der barocken Abteianlage St. Ludgerus und gerät an ihren Rändern in Konflikt mit einer abschüssigen Topographie. Auf dem Sockel einer vorhandenen Stützmauer aus Bruchsteinen steht ein prismatischer Baukörper, der sich im Süden am Verlauf der Straße orientiert. In Anlehnung an die städtebauliche Figur des 19. Jahrhunderts entspricht das neue Gebäudevolumen zum Ehrenhof in seinen Abmessungen dem gegenüberliegenden Preußenflügel und ersetzt damit den verlorenen Lazarettbau.

Das neue Haus orientiert sich laut den Architekten an dem Bild eines „Schmuckkästchens“: Eine opake Hülle schützt den wertvollen Kern. Die Funktionsbereiche gruppieren sich in Schichten um den Lesesaal im Zentrum des Hauses. In strenger Ordnung sind um ihn herum die Bücherregale angeordnet, die, der Funktion einer Bibliothek entsprechend, dem gesamten Gebäude Maß und Struktur geben.

Vom Ehrenhof erfolgt der Hauptzugang zur Bibliothek über eine Freitreppe, die in typologischer Annäherung an die Eingänge der anderen Gebäude am Hof gestaltet wurde. Der Zugang vom Klemensborn aus dient als Notausgang. Ausleihe, Medienzellen, Verwaltung und Garderobe befinden sich im Erdgeschoss, der Lesesaal im ersten Obergeschoss. Die kompakten Archivbereiche der Bibliothek sind im Souterrain untergebracht.

Besonders ist die transluzente Glasfassade des Baus. „Jede Scheibe der Glasfassade zeigt eine großformatige Nahaufnahme eines Steinbruchs. Der unbehauene, plastische Stein ist auf den Fotografien im Originalmaßstab wiedergegeben“, erläutern die Architekten, die die Fassadegestaltung in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Stefan Müller entwickelt haben. Dessen Fotoarbeiten wurden mit einem Spezialverfahren direkt auf die Verglasung aufgebracht. Wie bei der Scagliola-Technik der Renaissance, dem Stuckmarmor, wird die Illusion eines Materials erzeugt. Durch diese transluzente Hülle bricht der Baukörper spielerisch die Grenzen zwischen innen und außen auf. Die Gänge an der Außenfassade sind in ein gefiltertes, weiches Licht getaucht.

Die Gesamtkosten des Neubaus betrugen 7,4 Millionen Euro. Finanziert wurde die Folkwang-Bibliothek mit 2.450.000 Euro durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und 4.950.000 Euro durch das Land NRW.

Fotos: Stefan Müller, Berlin


Video:


Bau der Folkwang Bibliothek in einer Minute from Folkwang University of the Arts on Vimeo.



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