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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Fakultaetsumbau_in_Graz_von_Gangoly_-_Kristiner_4811272.html

24.08.2016

Ein Vordach als Symbol

Fakultätsumbau in Graz von Gangoly & Kristiner


Natürlich ist klar, dass das Vordach aus Sichtbeton mit seinen ausgestanzten Kreisen nicht aus den späten Fünfzigerjahren stammt – und doch, kann man sich da ganz sicher sein? Das einzige auf den ersten Blick erkennbare Element des Umbaus, den das Grazer Büro Gangoly & Kristiner Architekten gerade in seiner Heimatstadt durchgeführt hat, fügt sich geradezu perfekt in den Bestand ein. Der stammt von Karl Raimund Lorenz und wurde nach dem Krieg als neues Chemie-Gebäude der Technischen Universität errichtet. Lorenz war unter anderem als Dekan des Architekturinstituts lange an der Hochschule tätig.

Das in der Steiermark „seltene Beispiel einer dem Funktionalismus und der Sachlichkeit verschriebenen Architektur“ beherbergt heute den Fachbereich Biomedizinische Technik. Während sich an der Fassade des alten Instituts- und Laborgebäudes nicht zuletzt aufgrund der engen Auflagen des Denkmalschutzes wenig verändert hat, wurde das Gebäude im Inneren bis hin zum einstigen Technikgeschoss auf dem Dach radikal angepasst. Dort befindet sich jetzt eine neue Mensa samt Terrasse, die weite Ausblicke über die Dächer von Graz eröffnet.

Bemerkenswert am Umbau ist, dass Gangoly & Kristiner nie gegen die Grundstruktur des Gebäudes arbeiten, sondern vor allem deren bereits vorhandene Potentiale erschließen. Als Stahlbeton-Skelettbau ließ sich die Architektur von Lorenz nämlich ohne Probleme öffnen, um flexiblere Nutzungsformen aufzunehmen. Dazu gehört unter der Decke eine offene Technik-Ebene, mittels der jeder der Arbeitsplätze nach Bedarf medial versorgt werden kann. Besonders die Materialität der neuen Einbauten aus hell lasiertem Holz und dunkel gerahmten Glasscheiben, die auch als innenliegende Dämmschicht fungieren, sorgt dabei für einen gleichermaßen zurückhaltenden wie angemessen provisorischen Charakter.

Während das Dachgeschoss ausschließlich der Mensa dient, befinden sich in den drei Geschossen darunter die Forschungsbereiche und Büros. Das Erdgeschoss ist hingegen als offene Begegnungszone konzipiert, die zugleich als wichtiges Verbindungselement zwischen den Nachbarbauten fungiert. Öffentliche Lernbereiche finden sich hier ebenso wie die Fachbibliothek und der umfassend renovierte Hörsaal, dessen herausgeschobene Kubatur zugleich auch den Vorplatz mit dem neuen Betondach definiert. Das darf schließlich als weithin sichtbares Symbol eines rundum gelungenen Projekts gelten, das Gangoly & Kristiner Architekten hier realisieren konnten. (sb)

Fotos: David Schreyer Bildkunst


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