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24.01.2022

Neue Winzerkultur in der Steiermark

Erweiterung einer Hofanlage von Mascha Ritter


Der Südosten der Steiermark, da wo Österreich an Slowenien grenzt, gilt Weinliebhabern als das Vulkanland. Vulkangestein in den sanften Hügellandschaften machen zusammen mit dem pannonischen Klima das spezifische Terroir dieser Weine aus. Auch das Bauen hat hier Bodenhaftung. In dem Örtchen Tieschen hat die junge Architektin Mascha Ritter (Berlin) für einen ambitionierten Winzer einen historischen Hof mit Bauernhaus in ein Weingut mit angeschlossenem Buschenschank verwandelt. Komplementiert wird die Anlage durch ein neues Nebengebäude sowie ein bereits bestehendes Wohnhaus.

Der Weinhof Locknbauer vereint im zentralen Wirtschaftsgebäude sowohl die Produktion als auch die Verkostung des Weines. Es baut im Kern auf einen zweistöckigen Bauernhof mit Satteldach auf, den die Architektin grundlegend transformiert und zu beiden Längsseiten erweitert hat. Das zur Westseite auskragende Vordach war schon Bestandteil des historischen Baus und dient nach dem Umbau durch die größere Dimensionierung mit den prägnanten diagonalen Stützen als Unterstand und überdacht den äußeren Schankbereich.

Traditionelle Elemente wie die Mischkonstruktion aus Massivbau im Erdgeschoss und Holzrahmenstruktur im Obergeschoss blieben gestalterische Leitmaxime, sind aber behutsam mit modernen Elementen weiterentwickelt worden. Im ersten Stockwerk beispielsweise wird die Holzfassade durch eine Lamellenstruktur aus heimischer Lärche gegliedert, welche die dahinterliegenden bodentiefen Fenster erst auf den zweiten Blick sichtbar werden lässt. Und die im Erdgeschoss erhaltenen schmalen Fenster verweisen auf die ehemalige Funktion als Kuhstall.

Im neu errichteten Bereich im Südosten liegt der Buschenschank. Hier öffnen sich große Fensterflächen zur Außenterrasse. Daran angeschlossen ist ein bestehender massiver Ziegelkorpus mit Gewölbedecke, der integriert wurde. Wo früher die Kühe wohnten wird heute der Wein in großen Edelstahlfässern gelagert. In diesem Bereich setzte man auch rohe Sichtbetonelemente ein.

Im Nordwesten liegt ein zweistöckiger Raum für größere Veranstaltungen. Das Obergeschoss ist gänzlich in Holz ausgeführt und wird im Inneren durch die helle Weißtanne geprägt. Zehn Träger mit gekreuzten Zugstäben, die sich über die Länge des Gebäudes spannen, bilden die konstruktive Struktur für den offenen Dachstuhl. Die schlichte Treppe, minimalistisch gehaltene weiße Geländer, die bis unter das Satteldach reichende Fensterfläche und ein monolithisch in Ortbeton gegossener Tresen sind dezidiert zeitgenössisch. Ein im Obergeschoss liegender intimerer Gastraum ist mit einer eigenen Küche und schlichten Holzeinbauten ausgestattet.

Dank moderner Gebäudetechnik arbeitet der junge Winzer, der als Quereinsteiger zur Kelterei gekommen ist, annähernd autark: Wärme wird über eine Hackschnitzelheizung gewonnen, das Regenwasser wird gesammelt, und die Photovoltaikanlage auf dem Nebengebäude, in dem landwirtschaftliche Geräte und Maschinen gelagert werden, liefert regenerative Energie. (stu)

Fotos: Simon Oberhofer


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