Welche Wettbewerbe wollen wir?
Diskussion in Wiesbaden
Wettbewerbe, die während des laufenden Verfahrens von ausgeschiedenen Kollegen in der Presse kommentiert werden, Wettbewerbsergebnisse, die von der Öffentlichkeit abgelehnt und am Ende „wegdiskutiert“ werden, öffentliche Bauherren, die nur noch vereinzelte „Leuchtturmprojekte“ als Wettbewerbe ausschreiben, die meisten Bauaufgaben jedoch auf anderen Wegen vergeben: Die Wettbewerbskultur in Deutschland steckt in der Sackgasse. Wenn ihre Relevanz in der eigenen Berufsgruppe so wenig Rückhalt findet, wie soll man diese dann einem fachfremden Bauherrn vermitteln? Die Architektenkammer Hessen (AKH) stellt daher die Gretchenfrage: Welche Wettbewerbe wollen wir?
Am 23. Februar 2011 führt sie in Wiesbaden unter diesem Motto eine Diskussionsveranstaltung mit Kurzvorträgen aus verschiedenen Blickwinkeln des Wettbewerbswesens durch. Im Fokus steht unter anderem der letzten Endes „gescheiterte“ Wettbewerb für das Museum Sander auf der Darmstädter Mathildenhöhe, den die Architekten Schulz & Schulz (Leipzig) gewonnen hatten (BauNetz-Meldung vom Juni 2010 zum Wettbewerbsergebnis). Dessen Ergebnis wird nun – auf Grund des „geringen Rückhalts in der Öffentlichkeit“, so die Bauherren – nicht umgesetzt. Auch die heftigen Auseinandersetzungen um das „Stadthaus am Markt“ in Frankfurt (BauNetz-Meldung zum Wettbewerbsergebnis im Januar 201o) war ein Auslöser für die Veranstalter, das Thema Architektenwettbewerbe zur Diskussion zu stellen. Als Referenten sind geladen:
- Grundlagen, Verfahren, Konflikte
Barbara Ettinger-Brinckmann, ANP Kassel, Architektin und Präsidentin der AKH - Vergabe-, Planungs-, Baukultur
Joachim Klie, AG 5 Architekten Darmstadt, Architekt, Stadtplaner und Vorsitzender des Wettbewerbs- und Vergabeausschusses der AKH - Wettbewerbe aus der Sicht des Auslobers
Stefan Rausch-Böhm, Stadtplanungsamt Wiesbaden, Architekt, Stadtplaner und Mitglied im Wettbewerbs- und Vergabeausschuss der AKH - Wettbewerbe aus der Sicht des Teilnehmers
Volker Staab, Staab Architekten Berlin - Verantwortung des Preisrichters
Zvonko Turkali, Turkali Architekten Frankfurt, Architekt und Vorsitzender des BDA Hessen
Termin: 23. Februar 2011, 19 Uhr
Ort: Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, Bierstadter Straße 2, 65189 Wiesbaden
Wettbewerbe ohne Bearbeitungshonorar sollten 2-phasig sein: mit einem geringen Aufwand in der 1.Phase (max. ein A2-Plan) und einem Bearbeitungshonorar bzw. einer Aufwandsentschädigung in der 2.Phase.
Insbesondere für städtebauliche Wettbewerbe und Wettbewerbe von öffentlichen Gebäuden!
Keine andere Branche verschenkt ihre Ideen!
Jurymitglieder und die Organisatoren des Wettbewerbs werden auch angemessen honoriert. Von den Teilnehmern werden aber nur 10-25% honoriert. Mindestlohn für die Wettbewerbsbearbeitung!
50% Bearbeitungshonorar, 50% Preisgelder
ich bin der Meinung, dass Wettbewerb zur Qualitätssicherung in der Architektur unumgänglich ist.
Der Wettbewerb zur Lösungsfindung würde auch einigen anderen Branchen gut zu Gesicht stehen. Jedoch ist außer den Architekten kaum jemand bereit, Zeit und Geld in so etwas Ungewisses wie ein Wettbewerbsverfahren zu investieren.
Die heutige Situation im Architekten-Wettbewerbswesen ist ausgesprochen verfahren.
Hat man bei einem Wettbewerb den ersten Preis gemacht, muss man in aller Regel noch in weiteren Verfahren (z.B. VOF) bestehen. In anderen Branchen sind solche doppelten Verfahren komplett unüblich oder werden entsprechend honoriert.
Sind diese Verfahrenshürden genommen muss man immer häufiger noch fürchten, dass sich politischer Widerstand regt und/oder das Volk "aufbegehrt".
Bürgerbeteiligung ist eine feine Sache, aber sie sollte zur rechten Zeit passieren - VOR dem Wettbewerbsverfahren. Sonst wird das komplette System ad Absurdum geführt.
Ich gebe zu bedenken, dass die meisten Architekten ihre Wettbewerbe nicht (nur) zum Spaß machen.
mfg