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13.02.2019

Buchtipp: Erinnerungsalbum

Der City-Hof. An- und Einblicke


Wer Hamburg kennt, kennt den City-Hof. Dass die nun dreckig grauen Türme ursprünglich als weiße Kontrapunkte vor den dunklen Backsteinen des Kontorhausviertels leuchteten, als Symbol für einen Neuanfang in den 1950er Jahren – das wissen nicht ganz so viele Menschen. Der City-Hof teilt damit das Schicksal vieler öffentlicher Bauten aus diesem und den beiden folgenden Jahrzehnten: Er hat einen schleichenden Entwertungsprozess erfahren, Schritt für Schritt, mit jeder kleinen Veränderung wandelte sich die Wahrnehmung ins Negative: Weiße Kunststofffenster wurden eingebaut, die hellen LECA-Fassadenplatten verschwanden hinter grauem Faserzement, die Ladenpassage verlor an Kundschaft. Schließlich wurde der City-Hof zum Abrisskandidaten.

Die Bezirksverwaltung als eine der größten Nutzerinnen der Büroflächen ist im letzten Jahr schon ausgezogen. Bezirksamtschef Falco Droßmann gab daraufhin ein Erinnerungsalbum heraus: „Der City-Hof. An- und Einblicke“. Die Autorin Heidi Kirk sowie die Fotografen Nicole Keller und Oliver Schumacher haben es mit Inhalten gefüllt: Wissenswertes über die Architektur, den Ort und seine Geschichte, aber auch über die Diskussionen um seine Qualitäten. Marco Alexander Hosemann, Sprecher der City-Hof Initiative, die sich für den Erhalt des Baudenkmals einsetzt, führt im Buch ein Streitgespräch mit Jörn Walter, der als Oberbaudirektor bis 2017 für den Abriss votierte. So schleichend wie die Entwertung ist das Verschwinden des City-Hofs nämlich nicht. Noch immer wird in Presse und Öffentlichkeit diskutiert.

Das Buch ist mehr als ein klassisches Architekturbuch, denn ein Großteil der 264 Seiten ist den Nutzerinnen des Gebäudes gewidmet. Die Inhaber von Buchladen, Kiosk und italienischem Feinkostgeschäft kommen ebenso zu Wort wie Mitarbeiterinnen des Bezirksamts oder der Obdachlosenhilfe. Die Tochter des ehemaligen Hausmeisters, die als Jugendliche im Dachgeschoss des Hauses wohnte, und die Tochter von Rudolf Klophaus, dem Architekten des City-Hofs, tragen unterhaltsame Anekdoten bei.

Auch die zahlreichen Fotografien zeigen mehr als die architektonisch bedeutenden Ansichten des Komplexes. Ja, es wird anschaulich, dass die Türme des City-Hofs städtebaulich Bezug nehmen auf das Kontorhausviertel, dass die Passage räumliche Qualitäten hat und bauzeitliche Details durchaus schön und durchdacht sind. Die Fotos wenden sich aber auch den einfachen und teils kuriosen Dingen des Alltags zu, zeigen Aktenschränke und Topfpflanzen, Nutzungs- und Abnutzungsspuren. Sie zeigen, was durch den Abriss verloren gehen würde. Um es mit den Worten der Nutzer zu sagen: „Aber früher war das Gebäude schön. Und es ist einfach unser Zuhause!“ Oder: „Das Ding hier ist eine unendlich große Familie.“

Text: Dina Dorothea Falbe

Der City-Hof. An- und Einblicke
Herausgeber: Falko Droßmann
Text: Heidi Kirk
Fotos: Nicole Keller und Oliver Schumacher
Junius Verlag, Hamburg 2018
264 Seiten
ISBN 978-3-96060-506-5
29,90 Euro


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„Der City-Hof. An- und Einblicke“ wurde herausgegeben von Falco Droßmann, dem Leiter des Bezirksamts, das bis letztes Jahr Mieter im City-Hof war.

„Der City-Hof. An- und Einblicke“ wurde herausgegeben von Falco Droßmann, dem Leiter des Bezirksamts, das bis letztes Jahr Mieter im City-Hof war.

Die Fotos von Nicole Keller und Oliver Schumacher machen anschaulich, dass der City-Hof städtebaulich Bezug auf das Kontorhausviertel nimmt.

Die Fotos von Nicole Keller und Oliver Schumacher machen anschaulich, dass der City-Hof städtebaulich Bezug auf das Kontorhausviertel nimmt.

Das reich bebilderte Buch zeigt aber auch die einfachen und kuriosen Dinge des Alltags, die Nutzungs- und Abnutzungsspuren.

Das reich bebilderte Buch zeigt aber auch die einfachen und kuriosen Dinge des Alltags, die Nutzungs- und Abnutzungsspuren.

Ein Großteil der 264 Seiten ist den Nutzerinnen des City-Hofs gewidmet, etwa der Tochter des Hausmeisters, die im Dachgeschoss des Hochhauses aufwuchs.

Ein Großteil der 264 Seiten ist den Nutzerinnen des City-Hofs gewidmet, etwa der Tochter des Hausmeisters, die im Dachgeschoss des Hochhauses aufwuchs.

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