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19.03.2018

Spekulation kontra Lebensutopie

Das war Architecture Matters 2018 in München


Was bedeutet städtisches Bauen bei zunehmender Internationalisierung der Immobilienbranche? Von welchen ökonomischen Grundlagen ist die Stadtgestaltung und Architektur geprägt? Wer übernimmt in Planungsprozessen die Verantwortung? Und kann es sich ein Investor leisten, über die Nutzerschaft seiner Immobilien nachzudenken? Das waren die Kernfragen der Konferenz Architecture Matters, die am 8. und 9. März in München stattfand. Nach dem Debut mit Ole Scheeren, Wowhaus, und OFFICE KGDVS 2016 und der hitzigen Diskussion zwischen Patrik Schumacher, Julian Nida-Rümelin und dem Hamburger Oberbaudirektor Jörn Walter vergangenes Jahr, kuratierte Nadin Heinich von plan A nun bereits die dritte Veranstaltung dieser Reihe.
 
Stargast war diesmal OMA-Partner Reinier de Graaf, der mit der Vorstellung seines Buches Four walls and a roof den Auftakt zum Thema „ökonomische Grundlagen der Stadtgestaltung“ setzte. Mit der Gewinnverteilung beim Häuserbau und der Inwertsetzung des Investorenrisikos vor der architektonisch gestalteten Vision stellte er ein eher pragmatisches Arbeitsfeld der Architekten dar. Er forderte mehr Möglichkeiten der Einflussnahme für die Nutzer und sah die Herausforderung der Städte im Spagat zwischen Wohnraum als Rendite und einem für die Menschen geschaffenen Lebensraum.
 
Das Programm stellte mit Referenten aus verschiedenen Disziplinen Fachleute und Positionen zur Stadtgestaltung einander gegenüber, die sonst nicht in unmittelbarem Austausch stehen. So traf beispielsweise der Vorstandsvorsitzende der GEG German Estate Group Ulrich Höller auf den Sozialwissenschaftler Andrej Holm. Während Höller die Immobilienbranche vertrat, in der die Gelder  inzwischen zu 60 Prozent, in Berlin sogar zu 80 Prozent, aus dem internationalen Raum stammen, belegte Holm mit Zahlen und Fakten glasklar die Versorgungslücke von zirka 1,9 Millionen Wohnungen in Deutschland, hauptsächlich in Berlin und Nordrhein-Westfalen.

Die ehemalige Münchner Stadtbaurätin Christiane Thalgott stellte die Frage in den Raum, ob und wie man den Bedarf decken könne und inwiefern man die auf den Single-Markt ausgerichteten Anforderungen als Bedingung akzeptieren sollte. Zusammen mit Saskia van Stein von Bureau Europa und Heinich moderierte sie die Veranstaltung. Thalgott war es auch, die Investor Höller nach seinem Verantwortungsgefühl für den sozialen Wohnungsbau befragte. Dieser wies das Thema von sich und deutete auf die Politik.
 
Interessanterweise war es gerade Tiranas Bürgermeister Erion Veliaj, in dessen Stadt die menschliche Dimension des öffentlichen Raums großgeschrieben wird, der beteuerte, Geld sei nicht die primäre Schwierigkeit. Quer durch alle Gespräche wurde deutlich, wie wichtig es ist, über Rahmenrichtlinien zu sprechen, die den öffentlichen Raum und die Nutzung der Erdgeschossbereiche in den Vordergrund stellen. Ein Schritt in die richtige Richtung sind möglicherweise kulturelle Zentren, wie sie der Intendant der Volksbühne Chris Dercon vorstellte: die Tate Modern in London oder das im Bau befindliche „Shed“ von Diller Scofido + Renfro und der Rockwell Group in New York. Dercon plädierte dafür, die europäische Kulturstaatlichkeit als Stärke auszubauen und die Stadtentwicklung weiterhin auf kultureller Ebene zu manifestieren.
 
Die Fragen der Stadtplanung interdisziplinär zu lösen ist ein Ansatz, den Heinich mit Architecture Matters gezielt adressiert und ein Stück weit voranbringt. Für kommendes Jahr wurde das Thema „Think Big. Largescale projects in Germany and abroad“ angekündigt. (rc)

Fotos: Tanja Kernweiss


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Die Konferenz fand am 8. und 9. März in München statt.

Die Konferenz fand am 8. und 9. März in München statt.

Auftakt der Veranstaltung war die Buchvorstellung Reinier de Graafs vom Büro OMA in der Alten Akademie.

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Der Kongress am Folgetag fand im Künstlerhaus statt und wurde von Nadin Heinich und Silke Claus eröffnet.

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