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10.02.2021

Arbeiten in Schräglage

Bürohaus in Südnorwegen von Snøhetta


Wie werden wir künftig arbeiten – und wo? Mit diesen Fragen beschäftigen sich derzeit viele Menschen, pandemiebedingt hat das Homeoffice Hochkonjunktur. Vor fünf Jahren, als die Planungen für das sogenannte Powerhouse in Porsgrunn – wo Espen Surnevik kürzlich eine vieldiskutierte Porzellankirche realisierte – begannen, blickte man noch anders auf das Thema. Abstandhalten im Coworking-Space? Aerosole im Großraumbüro? Damals kein Thema. Zukunftsfähig soll der nun fertiggestellte Büroturm in Südnorwegen trotzdem sein, vor allem, was Klimaschutz und Energiebilanz angeht.

Der Entwurf für das elfstöckige Gebäude stammt vom Osloer Büro Snøhetta, die mit dem Powerhouse Brattørkaia, der Montessorischule in Drøbak, dem Nullenergiehaus Harvard HouseZero oder dem Ringhotel Svart schon einige Gebäude dieser Art geplant haben. Das Powerhouse Telemark ist ihr viertes tatsächlich energiepositives Gebäude. Realisiert wurde es von Powerhouse, einem Zusammenschluss verschiedener Firmen, an dem neben Snøhetta, dem Bauunternehmen Skanska und den beratenden Ingenieuren von Asplan Viak auch die auf nachhaltige Immobilien spezialisierte Firma Entra und die ZERO Emission Resource Organization beteiligt sind. Das Ziel: Plusenergiehäuser bauen, die über einen Lebenszyklus von mindestens 60 Jahren mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen – den täglichen Bedarf, die Bauzeit, Materialproduktion und den Abriss miteingerechnet. Auftraggeber ist der Projektentwickler R8 Property.

Der 8.400 Quadratmeter große Neubau liegt am Rande eines Industrieparks, von dem er sich mit seiner markanten Form, insbesondere der im 45-Grad-Winkel auskragenden Ostfassade, weithin sichtbar abheben soll. Das um 24 Grad geneigte und mit 1.482 Quadratmetern Solarpaneele ausgestattete Dach sorgt dafür, dass ein Maximum an Sonnenenergie sowohl von der Photovoltaiküberdachung als auch von der mit PV-Zellen verkleideten Südfassade erzeugt werden kann. 256.000 Kilowattstunden jedes Jahr.

Für eine natürliche Verschattung ist der Büroturm im Westen, Nordwesten und -osten mit hölzernen Balustraden und dahinterliegenden Cembrit-Fassadenpaneelen verkleidet. Die Betonplatten verleihen dem Gebäude eine Dichte ähnlich der einer Steinstruktur: Tagsüber speichern sie Wärme, abends geben sie sie langsam ab. Gekühlt und geheizt wird mit Geothermie. Die leicht schräg nach Westen und Südosten ausgerichteten Fassaden sowie vertikale Glasschlitze im Dach ermöglichen zudem ein Maximum an Tageslicht. Im Nordosten ist das Gebäude nivelliert, um traditionellere Arbeitsräume mit geschlossenen Büros unterzubringen. Um den Kühlungsbedarf zu reduzieren, wurden die kleinen Räume strategisch von sonnenexponierten Fassaden entfernt.

Insgesamt gliedert sich der Bau in einen Coworking-Bereich im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss und Büroräume vom zweiten bis zum siebten Obergeschoss. Darüber liegen eine Kantine, Penthouse-Besprechungsräume sowie eine Dachterrasse mit Blick über den Fjord. Bei der Innenausstattung setzten die Architekt*innen auf Standardisierung: Vom Bodenbelag über die Glas- und Bürotrennwände, Teeküchen und Beleuchtung bis hin zu den Sanitärräumen haben alle Etagen dasselbe Design, dieselbe Farbe und Materialität. Zudem sind die Innenräume maximal flexibel, um den zukünftigen Mietern eine einfache Neuprogrammierung, Erweiterung oder Verkleinerung zu ermöglichen.

Die Materialen sollten ebenfalls nachhaltig sein: umweltverträglich, robust, widerstandsfähig und mit geringer Energieaufnahme. Verwendet wurden einheimisches Holz, Gips und Beton, der unbehandelt und ungeschützt blieb. Die Teppichfliesen bestehen zu 70 Prozent aus recycelten Fischernetzen, der Holzboden aus Industrieparkett, gefertigt aus Holzabfällen. (kat)

Fotos: Ivar Kvaal


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Erzeugt mehr Energie, als es verbraucht: das Powerhouse Telemark.

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Massiver Arbeitsort: unten Coworking, oben Großraum.

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Der Sonne entgegen: Der Bau verfügt über 1.482 Quadratmeter Solarpaneele.

Der Sonne entgegen: Der Bau verfügt über 1.482 Quadratmeter Solarpaneele.

Markante Erscheinung: Die Ostseite kragt im 45-Grad-Winkel aus.

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