Pastor im Porzellan
Kirche in Südnorwegen von Espen Surnevik
Die Stadt Porsgrunn in der südnorwegischen Provinz Telemark ist landesweit für ihre Porzellanmanufaktur bekannt – nun erhielt die Kommune mit der Østre Porsgrunn Kirke sogar ein Gotteshaus, das zum großen Teil aus Porzellan besteht. Entworfen wurde es vom Osloer Architekten Espen Surnevik, der dabei vom Büro Trodahl Arkitekter aus dem ebenfalls in Südnorwegen gelegenen Sandnes unterstützt wurde. Der von der ortsansässigen evangelischen Kirchgemeinde beauftragte Neubau ersetzt die früher an der Stelle befindliche Holzkirche aus dem Jahr 1760, die tragischerweise 2011 durch einen Brand komplett zerstört wurde. In dem 2015 durchgeführten Wettbewerb für eine neue Kirche konnte sich dann das Team um Surnevik mit dem Entwurf „Reis opp“, was so viel wie „Steh auf“ bedeutet, durchsetzen. Die Baukosten beliefen sich auf circa 4,5 Millionen Euro.
Der 960 Quadratmeter große Sakralbau, dessen spitz zulaufender Turm 34 Meter hoch ist, passt sich in seinem Fußabdruck dem des Vorgängerbaus an. Die strenge, tempelhaft anmutende Geometrie verweist auf die historischen Grabmäler in Obeliskenform auf dem benachbarten Friedhof. Nach dem traumatischen Verlust der alten Kirche war explizit ein helles, optimistisches Gebäude gewünscht – als symbolhafte Verkörperung des „Lichts der Auferstehung“ und neuer Idenfikationsort für die Einwohnerschaft. Aufgrund der Bedeutung der örtlichen Porzellanproduktion stand dabei schnell die Idee im Raum, alle Oberflächen sowohl innen als auch außen mit weißen Porzellanplatten zu verkleiden.
Der Bau setzt sich aus insgesamt elf Volumen zusammen, die als selbsttragende Stahlkonstruktionen errichtet sind. Sie umschließen den zentralen Kirchenraum, zwischen ihnen spannen sich dessen Deckenbalken. Homogen und monolithisch ausgeführt, weist das Bauwerk nur wenige, dezidiert gesetzte Öffnungen auf und wirkt dadurch äußerst massiv. Die verschiedenen Höhen der einzelnen Volumen stehen in Bezug zu ihrer Bedeutung und Funktion und signalisieren diese nach außen: Den nach dem Kirchturm zweithöchsten Gebäudeteil bildet der Chor, gefolgt von Zwillingstürmen, in denen sich die Kapelle befindet. Der niedrigste Baukörper an der Gebäuderückseite dagegen nimmt die technischen Räume auf. Im Inneren schaffen Eichenholz und Wollstoffe, die an Türen, abgehängten Decken, nicht tragenden Wände und Möbeln zum Einsatz kommen, einen organischen, warmen Kontrast zu den kühlen und glatten Porzellanoberflächen. (da)
Fotos: Rasmus Norlander
in einer winterlandschaft werden bau und raum zu einer einheit verschmelzen, kaptn iglo und seine fischstäbchen. wird bestimmt toll aussehen. "...stand dabei schnell die idee im raum... alle oberflächen ... mit weißen porzellanplatten" die holzdecke von oben herab? ich kann es mir genau entgegen gesetzt vorstellen. wände im traditionsgewand holz, die decke glänzend, blau keramisch, konex im raum hängend - seitlich darauf weich das licht scheinend - den himmel imitierend... ...und vor der dusche einen duschvorhang....
Die eigentlich schönen Ideen zum Thema Licht von oben überstrahlen hier nur weiter den ganzen Kirchenraum. In diesem gleissenden Wahn wirken selbst die Holzoberflächen kalt und "dünn", wie Furnier. Der Knaller ist allerdings der gekachelte Altarraum, Möblierung und Atmosphäre wie aus einem 60er Jahre Operationssaal....vor der Segnung einmal desinfizieren bitte. Hoffentlich werden den Besuchern am Eingang farbige Sonnenbrillen und bunte Sitzkissen gereicht, im Land der "heimeligen" Stabkirchen.
die äußere aufgelöste klötzchenform lässt spannendes erwarten, aber der innenraum enttäuscht völlig. eine dunkle fliesenorgie im altarraum, dafür haben die kirchgänger eine ungemütliche verglasung im rücken. und dann die konzeption des kirchenraumes mit frontal-reihenbestuhlung wie anno 1850. da war man im kirchenbau vor 50 jahren war diesem teil hier bereits um längen voraus.