Holzbau ohne Nägel und Schrauben
Bürogebäude von Shigeru Ban in Zürich
Normalerweise äugt die europäische Architektenszene mit neidischem Blick nach Japan: auf die experimentellen Bauten, die angeblich nur dort genehmigungsfähig sind. Shigeru Ban hat nun in der Schweiz einen fünfgeschossigen Bürobau aus Holz realisiert, den er in Japan so niemals hätte bauen können. Technisch sowie nach japanischem Baurecht wäre die Holzkonstruktion mit Glasfassade dort nicht denkbar gewesen. Gestern wurde der Neubau für die Tamedia-Mediengruppe im Züricher Quartier Aussersihl eingeweiht.
„In einer Umgebung aus Holz fühlt man sich einfach gut, das geht einem in Stahl und Beton nicht immer so“, erklärt der Architekt im Interview mit dem Schweizer Tagesanzeiger seine Materialentscheidung. „Dieser Holzbau ist übrigens sehr typisch für die Schweiz. So hätte ich in Frankreich oder Japan nie bauen können.“
Der 50 Millionen Schweizer Franken teure Neubau ist Shigeru Bans erstes realisiertes Gebäude in der Schweiz. Er ist in enger Zusammenarbeit mit dem Schweizer Holzbauer Hermann Blumer entstanden, der zuvor auch schon an der Planung des Centre Pompidou in Metz beteiligt war. In Biel soll Ban demnächst das neue Headquarter für den Schweizer Uhrenkonzern Swatch bauen.
Über 2.000 Kubikmeter Fichtenholz aus der Steiermark wurden in dem knapp 9.000 Quadratmeter großen Bürohaus verbaut. Die Holzkonstruktion kommt dabei wie die japanische Zimmermannskunst ganz ohne Schrauben, Nägel und Leim aus. Durch eine Verzahnung der tragenden Holzbauelemente hält die Konstruktion zusammen, die nicht ganz so filigran ausgeführt wurde, wie sie hätte sein können. Grund dafür sind die hohen Brandschutzanforderungen. Alle Träger und Stützen sind so großzügig dimensioniert, dass der tragende Kern im Brandfall nicht beschädigt wird – lediglich die äußere Schicht verkohlt.
Der Neubau passt sich an die benachbarte Blockrandbebaung in der Werdstraße an. In seinem ersten Entwurf hatte Ban ein für die Umgebung übliches steiles, dreieckiges Dach vorgesehen. Doch der Neubau wäre zu hoch geworden, deshalb hat der Architekt aus dem Spitz- in ein Runddach gemacht.
Der offene Zwischenraum im ersten Geschoss ist für Shigeru Ban der angenehmste Ort in dem Medienhaus. Die Doppelfassade soll als Klimapuffer und natürliches Ventilationssystem wirken und den Bedarf an künstlichen Lüftungssystemen reduzieren. Wenn immer möglich, versuche er klimatisierte Räume zu meiden, sagt er. „Ein gegen außen offener Raum gibt ein ganz anderes Gefühl für die Umgebung.“
Fotos © Didier Boy de La Tour/ Tamedia
Shigeru Ban im Gespäch auf www.designlines.de
Mehr über Holz in der Baunetzwoche#162 „Biegen statt Brechen –Digitaler Holzbau“ und über das Centre Pompidou in Metz im Baunetz Wissen.
Look what is going on in many parts of Spain. They are burning the forests. Keep Schweiz and the rest safe of fire criminals ! Greetings to good people !
die konstruktion und ihre oekologische bilanz ist ohnehin ueber jeden zweifel erhaben und zieht die schon ein wenig einfache fassade gar nicht unbedingt nach sich. ich glaube, dass sehr wenige menschen einen arbeitsplatz in diesem haus ablehnen weurden.
Der Begriff der Reversibilität ist heute durchweg positiv besetzt und als Forderung geradezu ein Muss. Dies ist jedoch kein Automatismus, den man unreflektiert auf alle Bauten anwenden sollte. Wem nützt Reversibilität und was kostet diese (an Energie, an Geld, an Zeit etc.). Auch eine romanische Kirche ist, so festgemauert sie in der Erden auch sein mag, reversibel... Der Gleichklang Holz = Nachhaltigkeit ist pauschal richtig und falsch. Was ist an Holz nachhaltiger als an Beton? Die Lebensdauer wohl kaum, der Unterhalt wohl kaum, die benötigte Menge wohl kaum, das Nachwachsende hingegen schon. Ist die Forderung nach Minimalismus an der Fassade (Deckleistenbreite...) gerechtfertigt bei der Dimensionierung der Holzstützen im Innern?
Und nein: Architektinnen ignorieren ihre "clients" nicht. Da wären sie ja blöd. Und noch immer bestimmt, wer bezahlt, die Musik. Bauherren/-frauen sind keine unmündigen Dummköpfe. Die machen nichts, nur weil der Architekt/die Architektin das gern so hätte. "Herrenplaner" gibt´s wohl nur in der Werbung und in Ihrem Kopf. Gruezi!
Sigeru Ban hat seine Gründe aufgeführt, im Betonkasten fühlt sich der Nutzer nicht wohl. Man kann nurfroh sein das nicht die ganze Schweiz wie Zürich zugebunkert wird mit den 08/15 Lochfassaden. ''In Zürich ist man besseres gewohnt.''? In Zürich ist man Bunkerbauten gewohnt, aber die Herren planer ignorieren gerne den Fakt das Menschen sich in den Rohbaubetonburgen nicht wohl fühlen! Architekten sind die einzigen die Ihren Client komplett ignorieren.