Das längste Gebäude der Europacity
Bürobau in Berlin von EM2N
In Berlin wächst seit 2012 nördlich von Haupt- und Hamburger Bahnhof die Europacity aus dem Boden. Auf rund 40 Hektar ehemaliger Bahnfläche entstehen etwa 3.000 Wohnungen und rund 9.000 Arbeitsplätze. Die Bauarbeiten am südlichen Teil sind inzwischen weitgehend abgeschlossen, und auch im Norden fehlen nur noch wenige Gebäude, dann wird der Masterplan von KCAP, ASTOC und Urban Catalyst aus dem Jahr 2008 fertiggestellt sein.
Den nordwestlichen Abschluss bildet das Quartier Heidestraße. Auf einem spitz zulaufenden Areal zwischen den Gleisanlagen der Nord-Süd-Trasse und der vierspurigen Heidestraße entsteht dort ein gemischter Kiez. Darunter auch das längste Gebäude der gesamten Europacity: ein 510 Meter langer Büroriegel mit dem Namen QH Track, der wie eine Lärmschutzwand die Wohnnutzung im Inneren des Quartiers zur Bahntrasse hin abschirmt. Der Entwurf stammt von EM2N (Zürich), die 2017 den Einladungswettbewerb gewannen.
Das Gebäude umfasst satte 166.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche. Es setzt sich aus einem 20 bis 28 Meter tiefen Riegelbau, der sich sechsgeschossig über die volle Länge des Bauwerks erstreckt, und fünf 11- bis 14-geschossigen Hochhäusern zusammen, die sich aus dem langen Riegel erheben. Zwei der mittigen Türme sind exakt in die Fluchten zweier Stichstraßen positioniert und werden so zu Bezugspunkten innerhalb des Quartiers. Die drei Türme im Süden und Norden bilden die Kopfbauten beziehungsweise einen städtebaulichen Akzent am Nordhafenplatz aus.
Da die Hochhäuser deutlich tiefer sind als die Riegelbauten, sorgen sie für eine deutliche Unterteilung der gewaltigen Baumasse. So erscheint das eigentlich zusammenhängende Bauwerk wie ein Ensemble aus neun Gebäuden. Jedes einzelne Haus, schreiben EM2N, ist „innerhalb einer zurückhaltenden, industriell inspirierten Sprache ausformuliert“ worden, die die Architektur der Berliner Gewerbehöfe zeitgenössisch interpretiere.
Ein besonderes Augenmerk lag auf der Gestaltung der Oberflächen. Durchgehend in Betonfertigteilelementen gerastert erzeugen vor- und rückversetze Bauteile zusätzliche Varianz. Dies wird auch durch den Wechsel von sandgestrahlten und glatten Oberflächen unterstrichen. So wollten die Architekt*innen den Eindruck eines textilen Gewebes erzeugen. Die Hochhäuser verfügen zudem über Brüstungen aus Keramik in verschiedenen Grüntönen, am durchgehenden Riegel sind es pulverbeschichtete Profilbleche in Grau.
Die Sockelzonen der Gebäude sind je nach Lage und Nutzung differenziert gestaltet und öffnen sich mehr oder weniger stark zum öffentlichen Raum. Gleichzeitig betonen EM2N, dass der Innenausbau von Mieterseite ausgeführt wurde und sie lediglich dafür sorgen konnten, eine große, flexible, robuste und umnutzbare Struktur von langer Lebensdauer zu schaffen.
Die passende, urbane Landschaftsgestaltung vor den Erdgeschossen und auf den Dachterrassen stammt von Relais Landschaftsarchitekten aus Berlin. Nördlich dieses gewaltigen Riegels entsteht ein bis zu 69 Meter hohes Hochhaus von Kleihues + Kleihues, das aktuell noch im Bau ist und den Abschluss der Europacity bilden wird. Fast 20 Jahre werden die Bauarbeiten an dem neuen Stadtteil dann gedauert haben. (fh)
Fotos: Andrew Alberts
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abgesehen davon, dass die architektur hier nix für den städtebau kann und versucht, aus dem mehr oder weniger herauszuholen, was geht ... wieso ist es hierzulande eigentlich nicht möglich, dass auf so einem grundstück auch gewohnt werden kann, siehe beispielsweise die bebauung vom letzibach-areal entlang der hohlstraße in zürich-altstetten u.a. mit den schönen wohnhochhäusern von adrian streich & loeliger strub. neoliberaler städtebau, der auf so einem grundstück 150tsd qm bürofläche vorsieht.
am meisten stört mich auf städtebauebene, dass es nicht der beinharte kamm ist, den man erwarten könnte, sondern dass die endtürmchen ein my höher sind als die mittleren und das ganze dann auch noch irgendwo halbgeschossig versetzt. wirr. dafür dass es insgesamt so streng ist, sind die variationen zu minimal - das macht es unentschieden und kleinkariert. man kann es manchem nicht verübeln, sich auf in 40-50 jahren zu freuen.
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