Von der Strafanstalt zum Life-Science-Campus
Biozentrum in Basel von Ilg Santer Architekten
Um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können, ist für viele Universitäten die Erweiterung der bestehenden Campusgelände ein absolutes Muss. Vor allem im Bereich Naturwissenschaften gibt es zahlreiche Beispiele für Neubauten und Sanierungen – so etwa auf dem Forschungscampus Bahrenfeld in Hamburg, dem Life-Science-Campus Lübeck oder dem Hochschulgelände der Universität Tübingen.
Auch in Basel planen die Universität und deren Trägerkantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt beharrlich am Ausbau des Life-Sciences-Campus auf dem Schällemätteli-Areal. Im Falle des Neubaus für das Biozentrum bedurfte es da einiges an Geduld. Bereits 2010 hatten Ilg Santer Architekten (Zürich) ein mehrstufiges Wettbewerbsverfahren gewonnen, die Fertiggestellung des Neubaus war ursprünglich für 2015 geplant. Nun konnte das Gebäude, in dem neben dem Biozentrum auch ein Rechenzentrum, Unterrichtsräume und eine Cafeteria untergebracht sind, nach acht Jahren Bauzeit endlich eröffnet werden.
Der 73 Meter hohe Turm befindet sich auf dem rückgebauten Gelände der ehemaligen Strafanstalt Schällemätteli und bietet auf einer Fläche von 23.400 Quadratmetern Platz für 32 Forschungsgruppen mit rund 400 Wissenschaftler*innen. Auf drei Unter- und 16 Obergeschossen brachten die Architekt*innen neben den Räumen für Forschung Hörsäle und Seminarräume für bis zu 900 Studierende unter. Zehn Etagen sind der molekularen und biomedizinischen Grundlagenforschung vorbehalten. Davon wurden jeweils zwei durch eine Treppe und einen offenen Bereich miteinander verbunden, um den Austausch der Mitarbeiter*innen zu fördern. Als Eingangshalle für die Lehre dient ein dreigeschossiges Foyer mit Empfang und Cafeteria.
Nach außen zeigt sich der Neubau als rechteckiger Baukörper mit schlichter Hülle. Die opaken Fassadenelemente wurden mit Chromnickelstahl-Blechen verkleidet. Treppenhäuser und Außenwände sind als tragende Elemente ausgebildet, so dass flexibel nutzbare Geschossflächen ohne Stützen entstanden. Das Haus ist umgeben von einem Platz, der auch von der Öffentlichkeit genutzt werden kann. Die Baukosten werden mit 328 Millionen Schweizer Franken beziffert. (dsm)
Fotos: Daisuke Hirabayashi
Und doch will der Turm aus keinem Winkel der Stadt so richtig gefallen. 100 Millionen Franken Mehrkosten waren da wohl auch nicht sonderlich hilfreich.
Um es in den deutlichen Worten des Herzlichen Kollegen aus einem Interview der NZZ zu beschreiben: Das Haus ist schlichtweg "sehr banal und städtebaulich absolut misslungen"
Zu niedrig um als Hochhaus gelesen zu werden; die Proportionen schlichtweg zu plump.
Die Fassade leider bei und auch vom Weitem nicht so glatt und sauber wie die Bilder suggerieren.
Am überzeugendsten scheint dabei noch die ornamentale Sprinkleranlage zu sein.
Meiner Ansicht nach eine vertane Chance – und es bleibt einem die blosse Erinnerung an das coole Modell des zweitplatzierten C&G`s (no affiliation).
Eine gebaute Visitenkarte der Uni Basel und nebst dem Eklat um den benachbarten Neubau für Biomedizin auch ein gebautes Statement der Uni Basel für ihre fahrlässige Haltung zur Baukultur.