Dudlers Skyline
Bibliothek in Heidenheim eröffnet heute
Wie beim Grimm-Zentrum in Berlin, so auch in Heidenheim an der Brenz: Max Dudlers Bibliotheksbauten polarisieren. Seit dem Wettbewerbsgewinn im Jahr 2013 war die von ihm geplante Stadtbibliothek von heftigen Kontroversen begleitet. Befürworter sahen in dem Entwurf ein architektonisches Leuchtturmprojekt für das knapp 50.000 Einwohner zählende Städtchen, 30 Kilometer nördlich von Ulm gelegen. Andere Stimmen kritisierten die monolithische Dominanz des Riegels mit einer Bruttogrundfläche von 6.300 Quadratmetern. Manche wünschten sich gar den Vorgängerbau ins Stadtzentrum zurück: Eine in Skelettbauweise errichtete Justizvollzugsanstalt aus den Sechzigerjahren.
Anstelle der damals en voguen mit Waschbetonplatten und Sparverblendern verkleideten Fassade ziert den Neubau nun das unregelmäßige Raster eines Ziegelmauerwerks im wilden Verbund. Für Max Dudler Architekten (Berlin/Frankfurt/Zürich) das Mittel der Wahl, unterstreicht doch der handwerklich produzierte, haptische Klinker den analogen Zweck des Gebäudes. Zudem sollen durch den hellbeigen Wasserstrich-Ziegel Bezüge zum Wahrzeichen der Stadt hergestellt werden, dem nahen Schloss Hellenstein.
Um nicht weniger als die Vermittlung zwischen der historischen Altstadt und der Nachkriegsbebauung in der Heidenheimer Innenstadt ging es bei der Ausformulierung des Baukörpers. Indem sie das Obergeschoss des massiven Riegels durch Einschnitte in eine „Stadtsilhouette“ transformierten, übertrugen die Architekten die Kleinteiligkeit der historischen Substanz auf den skulpturalen Bau. Maßgeblich für die Gliederung der „Skyline“ war die Struktur des parallel zur Bibliothek stehenden Hauses.
Auch die innere Organisation der 3.700 Quadratmeter Nutzfläche steht ganz im Zeichen dieser Stadtanalogie. Ein Wechsel von öffentlichen und privateren Zonen charakterisiert das Gebäude: Es beherbergt stille Leseräume, das Stadtarchiv, ein integratives Café und einen für 160 Menschen ausgelegten Veranstaltungssaal. Im zweiten Stockwerk verbindet ein 110 Meter langes, stützenfreies Raumkontinuum die fünf überhöht ausgebildeten Säle – die höchsten „Häuser“ der abstrahierten Stadtlandschaft – mit den niedrig gehaltenen Lesekabinetten.
Heute eröffnet der 18,25 Millionen teure Neubau, allerdings nur für geladene Gäste. Am morgigen Samstag beginnen dann zwei Tage der offenen Tür, an denen sich die Heidenheimer und alle Interessierten selbst ein Bild von der neuen Stadbibliothek machen können – im Vergleich zum Vorgängerbau ein klarer Vorteil. (kms)
Fotos: Stefan Müller
„Wir glauben an das Buch“: Max Dudler im Interview in der Baunetzwoche #401: Artgerechte Buchhaltung
Und bei Dudler gefällt mir auch die Fassade eindeutig besser als beim vermeintlichen Kölner "Vorbild". Gewisse Ähnlichkeiten lassen sich aber natürlich nicht leugnen.
Leider -es kann auch an den Bildern liegen- lädt der Innenraum nicht zum Verweilen ein. Viel zu unterkühlt, falscher Boden, falsche Möblierung, inklusive Regale. Die Beleuchtung erscheint -z.B. für die Leseplätze am Luftraum- suboptimal. Schade... Oder einfach Aussen das Budget schon verballert ?