Von Pullach nach Berlin
BND-Zentrale von Kleihues + Kleihues eröffnet
Schon wieder BND? Die Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in der Berliner Chausseestraße ist doch längst fertig. Das ist richtig, und doch wird der Komplex, der nach Plänen von Jan Kleihues errichtet wurde, erst heute offiziell eröffnet. Der Grund: Der Umzug von Pullach nach Berlin ist geschafft. Damit findet die 15-jährige Planungsgeschichte der Berliner BND-Zentrale von der Standortentscheidung bis zur Ankunft der Mitarbeiter samt Mobiliar und Aktenkisten ihren Abschluss.
Im April 2003 entschied man sich zum Umzug aus der Zentrale in Pullach bei München und anderen Standorten nach Berlin. Zwei Jahre später gewann das Büro Kleihues + Kleihues das VOF-Verfahren mit integriertem Wettbewerb. 2006 feierte man den ersten Spatenstich, 2008 die Grundsteinlegung, 2010 Richtfest. Im November 2016 wurde der neungeschossige Gebäudekomplex mit 4.000 Büros und rund 200.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche übergeben. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) tritt als Bauherrin auf, das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) zeichnet für das Projektmanagement verantwortlich. Die Baukosten liegen bei 1,086 Milliarden Euro, die Gesamtumzugskosten werden mit fünf Millionen Euro angegeben. Soweit die Fakten und Zahlen.
Obwohl heute alle von einer Eröffnung sprechen, ist die BND-Zentrale alles andere als ein öffentlicher Ort. Und so ist es verständlich, dass die Dimensionen und die Erscheinung des Baus mit seinen strengen Rasterfassaden mitten in der Stadt nicht ohne Kritik hingenommen werden. Und weil sein Inneres zu den bestgehüteten Geheimnissen des Landes gehört, wird sich diese Sichtweise auch nicht auflösen lassen. Details zum Gebäude wie Grundrisse und Raumaufteilungen werden nicht veröffentlicht. Und so bleiben allein Geschichten um verschwundene Baupläne, Lüftungsprobleme und einen Wasserschaden, eine gut gemachte Gebäudemonographie, die Ausstellungen der Architekten und die Aussagen derer, die das Haus betreten durften. „Ich stehe zu der Monumentalität“ betonte Jan Kleihues gelassen bei der Buchvorstellung im Haus, von der unsere Autorin Sophie Jung für BauNetz vor einem Jahr berichtete. (fm)
Fotos: Alexander Ludwig Obst & Marion Schmieding, Stefan Müller, © Hatje Cantz/Kleihues+Kleihues, 2018
Das Buch zum Bau mit dem Titel „BND. Die Zentrale. The Headquarter of the Federal Intelligence Agency“ ist bei Hatje Cantz erschienen.
es handelt sich um perfekte, monumentale, kalte architektur... vermutlich lautete der auftrag an die architekten: baut bitte ein gebäude, das keine emotionalen regungen hervorruft...ja so muss es einfach sein. so ein abweisendes, überheblich anmutendes gebäude inmitten einer begehrten innerstädtischen lage zu errichten...das ist absurd! wenn das gebäude sprechen könnte würde es vermutlich sagen: wir sind hier, aber wir wollen mit euch allen nichts zu tun haben. auf die kunst am bau hätten sie verzichten können, oder soll das amorphe gebilde alles "gut" machen...? tatsächlich, ein behnisch (auch der stefan) hätte gut getan; ein sir norman auch. und ein chipperfield wäre mit mehr feingefühl an die aufgabe gegangen... na denn: viel freude am neuen gebäude, liebe bnd-ler...und vergesst trotzdem nicht, dass ihr menschen seid ;-)
Die Lage des Komplexes stiftet eine eigene Insel in der Stadt, ja, aber sie kann sich dem sie umgebenden Meer nicht entziehen. Wenn ein Geheimdienst sich der Gesellschaft nicht entziehen soll, dann gelingt dies doch am ehesten wenn die Büros in die Stadt gelegt werden, wenn die Mitarbeiter im gleichen Bus und in der gleichen Bahn sitzen wie alle anderen und im gleichen Stau ihren frühen Morgen fristen. Der Wedding in Spuckweite - mehr Mensch geht nicht.