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11.11.2019

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Ein Portal für unentdeckte Kultur

Auswahlverfahren in Weimar entschieden


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Mit dem Konzept der „Kulturportale“ möchte der Freistaat Thüringen die Wahrnehmung weniger bekannter Sehenswürdigkeiten verbessern. Denn abseits der ausgetretenen Pfade bleibt vieles unentdeckt. Kulturportale an gut besuchten Orten sollen deshalb in Form von informativen Ausstelungen die weniger stark frequentierten Orte bewerben. Im offiziellen Kulturkonzept des Landes heißt es dazu: „Diese Portale haben die Aufgabe, den Besucher zugleich mit der Präsentation des musealen Angebots vor Ort auch an die Gesamtheit der Kulturschätze Thüringens heranzuführen und ihn (...) zu weiteren, längeren Besuchen in Thüringen anzuregen.“

Das Kulturportal der Klassik Stiftung Weimar, das 2021 eröffnen soll, fungiert hierfür als Modellprojekt. Längerfristig wird das Kulturportal im Weimarer Stadtschloss installiert, das aber momentan wegen Baumaßnahmen nicht zurVerfügung stellt. Deshalb hat die Bauherrin ein temporäres Gebäude konzipiert, das demontierbar ist und später auch an einem anderen Ort und für eine andere Nutzung zur Verfügung steht. Da das Bauprojekt mit Geldern aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert wird, muss es – entsprechend der Vorgaben des Geldgebers – mindestens fünf Jahre stehen.

Der Standort des Kulturportals liegt in nächster Nähe von Stadtschloss, Reithaus und Herzogin Anna Amalia Bibliothek – in einem kleinen Hinterhof am Studienzentrum der Bibliothek. Der Hof wird an seiner zum Park an der Ilm orientierten Ostseite durch eine Mauer des klassizistischen Architekten Clemens Wenzeslaus Coudray begrenzt, der über fast 30 Jahre hinweg das klassizistische Weimar mit seinen Bauten prägte. Das Verhältnis des Gebäudes zu dieser Mauer darf als entscheidende Pointe der Entwurfsaufgabe gesehen werden, denn der Standort im Hof ist der Sichtbarkeit von außen natürlich nicht unbedingt zuträglich.
 
Auf der Suche nach einem architektonischen Konzept hatte die Klassik Stiftung Weimar unter sechs Architekturbüros ein „beschränktes Auswahlverfahren mit Stegreifentwurf“ durchgeführt, wie es in der Pressemitteilung heißt. Fünf Mitarbeiter der Klassik Stiftung Weimar, unter anderem Johann Philipp Jung, Direktor der Abteilung Schlösser, Gärten, Bauten bewerteten die Entwürfe und entschieden sich für das Projekt Birkenhäuschen des Berliner Büros Helga Blocksdorf/Architektur. Die Architekt*innen verfolgen einen geradezu plakativen Ansatz und setzten der Mauer ein bühnenartiges Portal auf, von dem Ausblicke auf Stadtschloss, Reithaus und Herzogin Anna Amalia Bibliothek möglich sind. Eine Freitreppe erschließt die Aussichtsplattform von hinten, unterhalb des neuen Aussichtspunktes liegt der Ausstellungsraum mit 80 Quadratmetern Fläche. Ein Juryprotokoll liegt öffentlich nicht vor. Laut Pressemitteilung gefiel dem Auswahlgremium „das klare Architekturkonzept einer weithin sichtbaren Bühne, welche als Gastspiel und Mauerreiter hinter, auf und über der Coudraymauer errichtet“ werden soll. Kritisch hingegen sieht es sowohl die „Massivität der Freitreppe“ als auch die von den Architekt*innen formulierte Idee „von schimmernder Birkenborke als Fassadenhülle“.

Neben Helga Blocksdorf/Architektur hatten as-if Architekten (Berlin), Bruno Fioretti Marquez (Berlin), Kalhöfer-Korschildgen Architektur (Köln), modulorbeat (Münster) und Wandel Lorch Architekten (Saarbrücken/Frankfurt am Main) am Auswahlverfahren teilgenommen. As-if und Bruno Fioretti Marquez schlugen Pavillonbauten über polygonalem Grundriss vor, die in Konstruktion und Gestaltung klar als Holzbau erkennbar sind. Beide Büros stellen auch alternative Standorte und Nachnutzungsoptionen des temporären Bauwerks in ihren Plänen dar. Kalhöfer-Korschildgen entwarfen eine Folge gestufter Dachgiebel mit integrierter LED-Matrix, die optional als offene Konstruktion bis über die Coudraymauer hinweg erweitert werden könnte. Modulorbeat entwarfen ein streng geometrisch aufgebautes Raumsystem, das als golden schimmernde Haube mit konkaven Fassadenelementen und Rundfenstern über die historische Mauer blicken sollte. Wandel Lorch setzten auf weite Glasflächen und eine markant geschwungene Dachstruktur, die ebenfalls über die Mauer hinweg wirken sollte. (gh)


Kommentare

7

Geheimer Rath | 15.11.2019 16:57 Uhr

Utopie der autofreien Stadt

Wichtig wäre in diesem Zusammenhang vor allem, dass die Parkplätze vor dem Portal verschwinden und die Nahtstelle zwischen Park und Innenstadt zur autofreien Zone erklärt wird, damit das UNESCO-Welterbe endlich in seiner Gesamtheit erlebbar wird. Darf dieser Gedanke im Jahre 2019 eigentlich noch Utopie sein?

6

Marc Laugier | 14.11.2019 17:07 Uhr

Utopie


Wer sagt denn, dass die franz. Revolutionsarchitektur nur utopisch war?

Coudray war in Paris Durand-Schueler. Und der war ein Schueler Boullees. Coudray hat in Durands Atelier mehrere Entwurfe Durands studiert. Hier hat er versucht diese Monumentalitaet umzusetzen. Daher eines der wenigen gebauten Exempel dieser "Entwicklungsphase des Klassizismus"

5

Clemens Coudray | 13.11.2019 15:59 Uhr

revolution

Marc-Antoine Laugier (* 26. September 1713 in Manosque, Provence; 7. April 1769 in Paris) war ein Priester, Literat, Historiker und Architekturtheoretiker.

Clemens Wenzeslaus Coudray (* 23. November 1775 in Ehrenbreitstein bei Koblenz; 4. Oktober 1845 in Weimar) war ein deutscher Architekt des Klassizismus.

Revolutionsarchitektur gilt als eine Entwicklungsphase des Klassizismus. Was genau ist das utopische Merkmal an der Mauer?

4

.,- | 12.11.2019 16:39 Uhr

Marc

Der Entwurf von Helga Blocksdorf verstellt doch gerade am weinigsten den Hof von allen Teilnehmern?! und temporär die Fassade leicht zu verstellen für eine angemessene Geste, die die Idee haben sollten, zumal darin eine Funktion untergebracht ist, ist komplett angemessen.
Ich finde es sehr gelungen und für mich eindeutig der beste Beitrag!
Gratulation!

3

Marc Laugier | 12.11.2019 09:48 Uhr

Leicht Verschandelt.


Der Blocksdorf-Entwurf entstellt unnötigerweise die Fassade und verstellt ohne Not den Innenhof. Und das für eine Aussicht, die sich leicht anders haben lässt. Zu viel hängt zudem von der Materialisierung ab. Schade um das einzigartige Beispiel von gebauter Revolutionsarchitektur in Deutschland.

Modularbeat haben es da räumlich besser gemacht. Auch wenn eine zurückgenommenere Materialwahl besser wäre, der passendere Entwurf.

Der Rest ist ohnehin eher peinlich.

2

Florian Stocker | 12.11.2019 08:05 Uhr

Modellbau

@blocksdorf - wunderbares Modell

1

Camillo Sitte | 11.11.2019 16:23 Uhr

schöne Idee...

...die hoffentlich genauso leicht und locker umgesetzt wird.

Der Ort ist bisher nicht sehr zugänglich und das im Hinterhof eingebaute Studienzentrum der Bibliothek eher schlecht auffindbar.
Die prägnante Idee einer Treppe mit einem bühnenartigen Portal wird das sicher ändern und damit der Auslobung sicher mehr als gerecht. Chapeau!
Erinnert übrigens etwas an die Himmelstreppe von Hannsjörg Voth.

 
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Die Gewinnerin Helga Blocksdorf (Berlin) setzte der klassizistischen Mauer ein bühnenartiges Portal auf, das durch eine Freitreppe von hinten erschlossen wird.

Die Gewinnerin Helga Blocksdorf (Berlin) setzte der klassizistischen Mauer ein bühnenartiges Portal auf, das durch eine Freitreppe von hinten erschlossen wird.

Teilnehmer Modulorbeat (Münster) entwarfen ein streng geometrisch aufgebautes Raumsystem, das als golden schimmernde Haube mit konkaven Fassadenelementen und Rundfenstern über die historische Coudraymauer blickt.

Teilnehmer Modulorbeat (Münster) entwarfen ein streng geometrisch aufgebautes Raumsystem, das als golden schimmernde Haube mit konkaven Fassadenelementen und Rundfenstern über die historische Coudraymauer blickt.

Teilnehmer Wandel Lorch Architekten (Saarbrücken/Frankfurt am Main) setzten auf weite Glasflächen und eine markant geschwungene Dachstruktur, die ebenfalls über die Mauer hinweg wirken sollte.

Teilnehmer Wandel Lorch Architekten (Saarbrücken/Frankfurt am Main) setzten auf weite Glasflächen und eine markant geschwungene Dachstruktur, die ebenfalls über die Mauer hinweg wirken sollte.

Teilnehmer Bruno Fioretti Marquez (Berlin) schlugen einen zurückhaltenden Pavillonbau über polygonalem Grundriss vor, die in Konstruktion und Gestaltung klar als Holzbau erkennbar ist.

Teilnehmer Bruno Fioretti Marquez (Berlin) schlugen einen zurückhaltenden Pavillonbau über polygonalem Grundriss vor, die in Konstruktion und Gestaltung klar als Holzbau erkennbar ist.

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