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26.11.2015

Vom Sanatorium zur Kreativschmiede

Architekturschule in Clermont-Ferrand


Clermont-Ferrand in Frankreich, tiefe Provinz, und doch gibt es hier ein Architekturprojekt von nationaler Bedeutung: Ein Sanatorium aus den Dreißigerjahren, von Albéric Pierre Joseph Aubert im rationalistischen Stil entworfen, ist zu einer neuen Hochschule für Architektur umgewandelt worden. Du Besset-Lyon – 2002 war das Pariser Büro von Pierre du Besset und Dominique Lyon Preisträger der französchen Prestige-Auszeichnung für Architektur Équerre d’argent – wurden 2008 vom französischen Ministerium für Kultur und Kommunikation mit dem Umbau des mächtigen Gebäudes betraut. 11.500 Quadratmeter Fläche haben sie seitdem für die Ausbildung von Architekten aufbereitet, 21,5 Millionen Euro hat der Umbau gekostet. Jetzt ist das Projekt fertig.

Das Sanatorium ist ein beeindruckender Riegelbau mit fünf Geschossen und 96 Metern Länge: gestreckt im Süden und Norden, gedrungen im Westen und Osten. Ein gläserner Pavillon ist ihm im Norden angefügt, auf dem ein kastenartiger Aufbau lagert. Hier befindet sich ein großzügiges Treppenhaus, flankiert von kleinen Sälen. Diesen Anbau hat das Office du Besset für die Lehre umgewandelt: Zwei große Vorlesungssale, ein Foyer und eine Bibliothek sowie weitere Lehrräume. Decken und Wände aus Beton wurden eingezogen und strukturelle Elemente, etwa die gewundene Treppe, erneuert.

In den oberen Stockwerken des Riegels befanden sich ursprünglich die Wohnparzellen der Patienten, die die Architekten nun in Ateliers für die Studenten umgebaut haben. Entlang der Front wurden verglaste Gänge hinzugefügt, die nicht nur als Zuwege zu den Ateliers fungieren, sondern die Arbeitsräume thermisch isolieren und vor direkter Sonneneinstrahlung schützen.

Einen wichtigen Eingriff in die originale Architektur stellt die Anpassung des Baus aus den Dreißigerjahren an jetzige Sicherheitsstandards dar. Eine Stahlstruktur wurde dem bestehenden Mauerwerk hinzugefügt, die sich nun in Form von mächtigen, geweißten Trägern zeigt. Zusätzliche Fluchtwege wurden an der südlichen Längsseite eingerichtet, die zudem eine neue Erschließung des ehemaligen Sanatoriums ermöglichen. Die wohl markanteste Veränderung des Baus ist aber einer rein ästhetischen Entscheidung geschuldet: Die Architekten haben die breite Nordfront von ihrer Schattenposition befreien wollen und über dem Eingang einen enormen Spiegel installiert. Er soll das Sonnenlicht reflektieren – eine ungewöhnliche Lösung, wenn es zu schattig wird. (sj)

Fotos: Axel Dahl


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