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29.07.2020

Buchtipp: Leere voller Möglichkeiten

A Glossary of Urban Voids


Leere, verlassene und öfters namenlose Orte verstecken sich innerhalb sämtlicher Stadtstrukturen. Diese Lücken sind außerhalb der Infrastruktur und Raumorganisation zeitgenössischer Städte zurückgelassen worden. Schwer zu identifizieren, besitzen diese Orte das Potenzial, sich zu einem neuen Typus des öffentlichen Stadtraums zu etablieren. Denn, wie Sergio Lopez-Pineiro in seinem Buch A Glossary of Urban Voids erklärt, sind die städtischen Freiräume die einzigen Orte, die ungeplante und spontane Ereignisse, Pluralität und Vielfältigkeit in der festgelegten Struktur eines Stadtgefüges ermöglichen und somit neue Chancen für die Entwicklung eines alternativen Raums offenbaren.

Der Band von Lopez-Pineiro fasst insgesamt 200 Termini zusammen, die zur Erörterung des städtischen Leerstands verwendet werden. Vom terrain vague bis zur buffer zone – das Glossar stellt diejenigen Bezeichnungen vor, die aus unterschiedlichen Gründen aufgegebene und dem Verfall überlassene Stadträume beschreiben. Die Auflistung dieser gebräuchlichen Begriffe ist ein Versuch „das zu definieren, was keine genaue Definition haben sollte, einen Raum zu schließen, der offen bleiben muss, und einen Raum in den Vordergrund zu rücken, der marginal bleiben muss“, erklärt Lopez-Pineiro. Darüber hinaus fasst der Autor unter dem Oberbegriff Urban Voids all diese Bezeichnungen zusammen, denn Void – also die Leere, soll dabei unterstreichen, dass diesen Orten der ökonomische Wert entzogen wurde. Doch gerade dieser Umstand lasse sie als marginal erscheinen und eröffne somit diverse Möglichkeiten und Intensitäten.

Die Begriffe, ihre Definitionen und Deskriptoren sind auf den linken Seiten des Buches als exakte Textauszüge in alphabetischer Reihenfolge geordnet. Diese akribische lexialische Auflistung offenbart die Vielzahl von Positionen und Blickwinkeln unterschiedlicher Disziplinen. Parallel zum Glossar, das als Leitfaden und Nachschlagewerk dient, fließt auf den rechten Seiten der Essay des Autoren. Dieser ausführliche Text mit Analysen, Anmerkungen, Kritiken sowie einem allgemeinen Kommentar und einer Studie über die städtische Leere zeigt, wie Urban Voids einen besonderen Einblick in die Konstruktion unseres öffentlichen Raumes geben können. Die Unterscheidung zwischen öffentlichem und offenem Raum, zwischen radikaldemokratischen öffentlichen Raum und für die Öffentlichkeit zugänglichen Raum, sind nur einige der Themen, die der Autor anhand von unterschiedlichen Beispielen aufdröselt. Die in schwarz-weiß gehaltenen Abbildungen aus Google Earth fangen die Urban Voids unterschiedlicher Große in Städten auf der ganzen Welt ein und stellen darüber hinaus den abwechslungsreichen Charakter dieser Orte vor.

Dieses facettenreiche Werk verdeutlicht, dass urbane Leerräume oftmals den dringend benötigten öffentlichen Stadtraum ersetzen. Zugleich könnten sie aber ebenso präsent sein, wie das gebaute Stadtgefüge selbst, ohne sie dabei in „die effektiven Kreisläufe und produktiven Strukturen der Stadt“ einzuführen. Freie, leere, verlassene Räume ohne produktive Zwecke, doch voller Möglichkeiten sollten anerkannt, respektiert und geschützt werden. Als ein intelektuelles Hilfsmittel will die Publikation die Sensibilität, mit der wir diese Räume beobachten, verändern. Mehr noch, fordert es uns auf, die vorhandenen Qualitäten in der sogenannten Leere zu erkennen und zu leben.

Text: Mariam Gegidze

A Glossary of Urban Voids
Sergio Lopez-Pineiro
240 Seiten
Englisch
Jovis, Berlin 2020
ISBN 978-3-86859-604-5

28 Euro


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