Die Krise der Repräsentation
ARCH+ features mit Jürgen Mayer H in Berlin
Die Reihe ARCH+ features lädt zur nächsten Veranstaltung ein. Als Abschluss der laufenden Reihe im Berliner .HBC präsentiert ARCH+ feature 7 das Büro Jürgen Mayer H. mit dem Projekt Metropol Parasol (siehe BauNetz-Meldung zur Eröffnung vom 26. April 2011). Jürgen Mayer H. und Andre Santer, die beide das Projekt „Metropol Parasol“ geleitet haben, werden am Samstag Abend im Rahmen der Heftvorstellung „ARCH+204 Die Krise der Repräsentation“ ihre Parasoles vorstellen.
Themenschwerpunkt sollen jedoch nicht Konstruktion oder digitale Entwurfsmethodik sein, sondern die Frage, welche Rolle die architektonische Form für die soziale Interaktion ihrer Benutzer spielen kann. Das neue Wahrzeichen von Sevilla spendet schließlich nicht nur Schatten, sondern ist längst Symbol der politischen Unruhen geworden. Damit wird der Abend an die vorige Veranstaltung anknüpfen, die ebenfalls die Frage nach Architektur als soziale Form in den Mittelpunkt gestellt hat. Im Juni hatte darüber Christa Kamleithner mit Laura Fogarasi-Ludloff und Jens Ludloff (Ludloff + Ludloff Architekten) diskutiert.
Termin: Samstag, 22. Oktober 2011, 19 Uhr
Party: ab 21.30 Uhr
Ort: HBC Berlin, Karl-Liebknecht-Straße 9, 10178 Berlin
Weitere Informationen zum Metropol Parasol im Baunetz Wissen
Architektur ohne Bedeutung, vom lästigen Inhalt befreit und jetzt reine oder totale Grafik,
diese Richtung der totalen Architektur gab es immer wieder mal, lief sich aber aufgrund ihres reinen Formalismuss und des fehlenden Inhalts auch immer wieder tot,
wenn Inhalte fehlen, gibt es auch keine Möglichkeiten der Erneuerung, denn Formalien sind steif und erneuern sich nicht, weil sie keine Beziehung zur Gesellschaft haben,
d.h. ihr fehlt die Kontextualität, die für Architektur lebenswichtig ist,
wer sich also nicht mit irgendwelchen Inhalten gedanklich herumplagen und sich gerne passiv der visuellen Unterhaltung ergeben will, der mag das,
diese Architektur will nur noch strahlen, auf der Oberfläche, will nicht Architektur sondern Grafik sein, dahinter ist nichts mehr,
es ist Porno
Man muss das jetzt mal deutlich sagen:
Jede Sache, die aus Renditemotiven unternommen wird, die also nicht Bedürfnisse befriedigen, sondern Profit abwerfen soll, bei der das Bedürfnis nur das Erpressungsmittel ist, um an das Geld des Bedürftigen zu kommen, ist abzulehnen. Hegel wusste das und hat es ungefähr so ausgedrückt: Es gibt nichts Richtiges im Falschen, oder anders: nichts Gutes im Schlechten.
Um den Beweis zu führen, spielen Sie das einmal nicht mit Architektur, sondern mit einem anderen Mittel durch, etwa mit einem Nahrungsmittel oder einem Medikament. Wenn nicht Gesundheit, sondern Profit das Ziel ist, kommt dabei eben auch was anderes raus. Leute mit weniger Geld haben dann eben eine geringere Lebenserwartung.
In diesem Zusammenhang ist es dann überflüssig, wenn Architekten, aber auch alle anderen Konkurrenzwesen für ihre Handlungen Rechtfertigungen suchen mit dem Verweis auf die Marktzwänge, in denen man ja zu bestehen hat.
Kritik geht da los, wo man gerade diese Zwänge hinterfragt und nicht als Naturgesetz annimmt.
Die Architekturtheorie hilft dabei leider gar nicht. Das Wort Architekturkritik ist schon ein Widerspruch in sich. Kritisch kann nur sein, was einen universellen Blick hat. Wenn sich diese Unterabteilung der Philosophie selbst entscheidet, nur die Architektur in den Fokus zu nehmen, gehen ihr alle anderen gesellschaftlichen Bezüge verloren. Diese Bezüge kommen dann nur noch als Phänomene vor, denen man sich anzupassen hat, mit dem einen oder anderen architektonischen Konzept. Das man nichts machen kann, dass diese Phänomene über uns kommen wie das Wetter, das ist ja das Credo dieser Lehre.
Leute, die sich versammeln wollen, müssen da hin, oder eben an den Stadtrand,
und das Aussehen eines Einkaufszentrums ändert an dessen Nutzung nichts,
eigentlich haben Sie sich ja schon erklärt, in dem Sie dem Architekten jegliche Mitbestimmug beim Raumprogramm absprechen,
da hat tgl schon recht: genau diese Einstellung ist es, die uns in die Misere gebracht hat,
verwunderlich ist hier, warum die archplus sich annimiert sieht, solche Investorenprojekte zu erklären, noch dazu, weil es sich hier um eine Privatisierung öffentlichen Raums handelt,
Haben Sie die Fotostrecke in der Arch+ gesehen? Können Sie dann noch von einem normalen "Einkaufszentrum" sprechen? Renditeorientiert ist zB die METRO am Berliner Ostbahnhof, die sich einen Bolz- und Basketballplatz aufs Flachdach gestellt hat. Aber diese Konstruktion in Sevilla mit dem offensichtlich attraktiven, gut genutzten öffentlichen Raum unter dem spektakulären Dach ist doch vor allem erst einmal Platz und dann darunter, neben einem archäologischen Museum übrigens Shopping Mall.
Win-Win? (ich war ja nicht vor Ort)
Und zu den politischen Protesten: Natürlich konnten die Architekten das damals nicht wissen. Was für ein käsiges Argument. Es geht ja eben NICHT darum, einen öffentlichen Platz für eine bestimmte Funktion oder Aktion zu entwerfen, sondenr eben einen öffentlichen Raum für alle Bedürfnisse der Öffentlichkeit. Ich denke, dass ist hier mit Treppen und Dach hervorragend gelungen. Vorher war der Ort übrigens ein Parkplatz.
Metropol Parasol ist ein Einkaufszentrum, mit den typischen negativen Folgen auf die Kleinhändler der Innenstadt Sevillas.