Mitte Januar – der Winter dauert gefühlt noch ewig, draußen ist es usselig, zu Hause fällt die Decke auf den Kopf. Glücklicherweise gibt es einen idealen Rückzugsort für diese Situation: das Museum. Dabei locken nicht nur die Ausstellungen an sich, sondern auch die generelle Aufenthaltsqualität dieser Institutionen. In großzügigen, hellen und warmen Räumen mit ein bisschen lebendigem Trubel und Möglichkeiten zur Begegnung lässt sich ein grauer Wintertag gut verbringen – und dabei auch Architektur besichtigen. Deutschlandweit wurden in den letzten drei Jahren sowohl einige aufsehenerregende Neubauten als auch spannende Umbauten oder Erweiterungen fertiggestellt. Jetzt ist die perfekte Zeit für einen Vor-Ort-Besuch.
Bemerkenswert: Vor allem viele Klein- und Mittelstädte haben sich neue Ausstellungshäuser zugelegt. Der sächsische Vogtlandkreis etwa macht gleich mit zwei Museen auf sich aufmerksam. In Plauen wurde das aus dem 18. Jahrhundert stammende Weisbachsche Haus als Fabrik der Fäden revitalisiert, in Adorf errichtete man ein Erlebnismuseum zur Perlmuschel hinter kontrovers diskutierter Betonschale. Ebenfalls betonlastig sind das vor den Toren Leipzigs erbaute Museum Lützen 1632, das zum Dreißigjährigen Krieg informiert und die Erweiterung des Carl Orff Museums in Dießen am Ammersee.
Ein Monolith ganz anderer Machart beherbergt das Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden – die Stahlkonstruktion mit weißer Granitfassade erinnert an einen Zuckerwürfel. Beim Duftmuseum Sensoria im niedersächsischen Holzminden wiederum setzte man auf eine auffällig unauffällige Hülle aus Cortenstahl-Schindeln. Im rheinland-pfälzischen Alzey charakterisieren beige-graue Tonstäbe einen Neubau für Relikte aus der Römerzeit.
Eine wahre baugeschichtliche Zeitreise bietet das erweiterte und umgebaute Meeresmuseum in Stralsund, wo sich Mittelalter, 19. Jahrhundert, DDR-, Nachwende- und Gegenwartsarchitektur zu einem stimmigen Ensemble fügen. Nach längerer Sanierung in neuem Glanz erlebbar sind beispielsweise die Gebäude auf der Mathildenhöhe in Darmstadt, der Kunstpalast in Düsseldorf oder Haus Cleff aus dem 18. Jahrhundert in Remscheid. Und auch das legendäre Tacheles-Gebäude in Berlin ist nach langer Schließung seit 2023 als Kunstmuseum Fotografiska wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. (da)
Teaser: Erweiterung und Umbau des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund von Reichel Schlaier Architekten. Foto: Brigida González