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25.06.2012

Hotel für Junkies

Wohnprojekt in Amsterdam von Kempe Thill


Wohnprojekte für Drogenabhängige werden in den Niederlanden normalerweise in Containerbauwerken auf Industrie- und Bahnbrachen untergebracht. Hier hingegen wurde ein solches „Junkyhotel“ (Architekten) am Rande eines neuen Marktplatzes in Amsterdam gebaut (siehe BauNetz-Meldung vom 20. Januar 2011 zum Baubeginn).

Schauplatz ist die 70er-Jahre-Großsiedlung Amsterdam-Bilmermeer, deren Plattenbauten seit 1995 saniert werden –  hauptsächlich durch Abriss der Wohnwaben und Ersatz durch kleinmaßstäbliche Zeilenbauten. Das zentrale Einkaufszentrum wird dabei aufgewertet und durch den neuen Marktplatz ergänzt. Das Atelier Kempe Thill (Rotterdam) ist seit 2007 mit der Aufgabe betraut, am sensiblen Übergang zwischen dem Platz und einem Park das Wohnhotel für Heroinabhängige zu planen. Mit Erfolg: Am vergangenen Freitag wurde das Gebäude eingeweiht.

Das Wohnhotel wird durch eine differenzierte räumliche Nutzung bestimmt. Einerseits werden „Kurzzeit“- und „Langzeit“-Klienten im Haus untergebraucht, andererseits wird hier Methadon verabreicht, und innerhalb des Gebäudes finden auch Ausbildungs- und Beschäftigungsprogramme statt. Die pro Person vorhandene Wohnfläche ist dabei mit 45 Quadratmeter sehr großzügig.
 
Das quadratische Grundstück von 25 x 25 Meter erwies sich zunächst als eher ungünstig für die Organisation des Raumprogramms, da die vielen vor allem kleinen Zimmer alle direktes Tageslicht benötigen. Das Gebäude wurde daher entlang der Grundstücksgrenzen organisiert, wodurch sich im Grundriss ein programmatischer Ring ergibt.

Innerhalb des Rings entsteht ein „Vakuum“, das als Atrium interpretiert wird. Im Erdgeschoss entstand ein großer zentraler Gemeinschaftsraum, der sich über drei Etagen nach oben entfaltet und sich als Kubus von 9 x 9 x 9 Meter innerhalb der Struktur manifestiert. Dieser Raum entstand beinahe „nebenbei“ aus der Logik der Grundstücksgegebenheiten und war ursprünglich gar nicht Teil der Aufgabe. Er formt das Zentrum des neuen Gebäudes und kann als großzügiges „gemeinschaftliches Wohnzimmer“ für verschiedene Aktivitäten genutzt werden, die zur Sozialisierung der Bewohner beitragen. Über dem Atrium befindet sich eine Dachterrasse, die als introvertierter Hof entworfen wurde.

Die Fassade wurde großzügig verglast und lässt viel Licht ins Innere eindringen. Das zentrale Atrium wird über ein Oberlicht beleuchtet und erhält über die Fassade zusätzliches Licht. Raumscheidende Wände werden oft in Glas ausgeführt, wodurch Sichtbezüge innerhalb des Hauses entstehen. Aus Gründen der geforderten Nutzungsneutralität wurde das Gebäude als Skelettbau mit nichttragenden Innenwänden ausgeführt – denn in zehn Jahren soll entschieden werden, ob es bei der derzeitihgen Nutzung bleibt.

Die Fenster wurden „wie eine Haut“ über die Konstruktion und den Dachrand „gezogen“ (Architekten), wodurch die Erscheinung des Gebäudes abstrakter und eleganter wird. Gleichzeitig schimmert das konstruktive Skelett durch die Verglasung und verleiht der Fassade eine ungewöhnliche Tiefe.

Zwischen den Fenstern verlaufen drei horizontale Brüstungsbänder aus Glasmosaikfliesen, welche die Glattheit und Hermetik der Fassade unterstreichen und einen verfeinerten und taktilen Maßstab einführen sollen. Das Grün der Glasfliesen sucht dabei einen farblichen Bezug zu dem benachbarten Polizeipräsidium. Die Fliesen werden aus Kostengründen nicht in Italien eingekauft, sondern speziell für das Projekt in China produziert. Die Baukosten lagen bei etwa 1.750 Euro pro Quadratmeter.


Zum Thema:

Zum Gespräch mit André Kempe und Oliver Thill im Crystal Talk


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