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10.08.2017

Die Architektur der Disziplin

Vittorio Gregotti wird 90 und schließt sein Büro


Mit Vittorio Gregotti – der heute seinen 90. Geburtstag feiert – geht einer der letzten Protagonisten des italienischen Rationalismus in den Ruhestand. Für das Politecnico di Milano ist das ein besonderer Moment. Und seit Januar feiert die Stadt den Architekten und sein Werk mit einer Ausstellung im PAC – Pavillon für zeitgenössische Kunst. In einem Interview mit der Zeitung „La Rebubblica“ hat Gregotti erklärt, dass die Schließung seines Büros mit seinem Alter nichts zu tun habe. Vielmehr ist er unzufrieden mit der heutigen Situation seiner Profession. „Niemand interessiert sich mehr wirklich für Architektur,“ meint er.

Gregotti war ein Schüler von Ernesto Nathan Rogers am Politecnico di Milano. Er arbeitete im Büro von Auguste Perret in Paris und besuchte 1951 als Student den achten CIAM-Kongress The Heart of the City in England. Seine Laufbahn als Architekt begann er ein Jahr später. 1974 gründete er mit Pierluigi Carri, Augusto Cagnardi und Hiromichi Matsui das Büro Gregotti International in Mailand. Mit seiner Firma entwarf er Möbel, Lampen und Bauten.

Aus Gregottis Architektur spricht eine leidenschaftliche Klarheit, Genauigkeit und Ordnung. Seine Entwürfe sind bekannt für die Verbindung mit der Landschaft und ihren Bezug zu Theorie und Geschichte. Gregotti war unter anderem mit Gae Aulenti und Aldo Rossi befreundet, teilte aber nicht deren postmoderne Haltung und Tendenz zum Theatralisieren. Seiner Meinung nach hat die Postmoderne nur vergängliche und spektakuläre Gebäude hervorgebracht, um die Interessen des Kapitalismus und der Globalisierung zu befriedigen. Gregotti hingegen tritt für die Strenge der Form ein.

Seine Werke – unter anderem das Viertel Bicocca in Mailand, die Cannareggio-Häuser in Venedig, die Torhäuser in der Berliner Lützowstraße und die Universität von Calabria – sind oft von monumentaler Größe und erinnern mitunter an kleine Siedlungen. Doch nicht überall sind diese Strukturen heute noch erfolgreich, wie etwa das Viertel Zen in Palermo vor Augen führt.

Unbestritten ist Gregottis Beitrag für das Bekanntwerden der italienischen Architektur in der Welt. Dafür erhielt er von der Triennale di Milano im Jahr 2012 die Medaglia d’Oro alla Carriera. Viele Jahre war er Herausgeber der Architekturzeitschrift Casabella, Redakteur von Lotus, hat Beiträge für verschiedene Zeitungen und mehrere Bücher geschrieben. 
Wenn Mailand und die Hochschule heute den 90. Geburtstag des Architekten begehen und dabei Gregottis Kunst, „architektonische Ordnung im Chaos zu schaffen“ feiern, geht es nicht zuletzt darum, seine Architektur der vergangenen Jahrzehnte auf ihre Relevanz für das heutige Entwerfen zu befragen.

Text: Marta Busnelli


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Vittorio Gregotti

Vittorio Gregotti

Renovierung des Luigi Ferraris Stadions, Genua, Italien, 1990

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Arcimboldi Theater, Bicocca, Mailand, Italien, 1997

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