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13.12.2016

Ambivalenz im Nebelidyll

Turnhalle in Haiming von Almannai Fischer


Eine „Ambivalenz der Werte“ durchziehe ihren Neubau, schreiben Almannai Fischer Architekten aus München. Schon der Standort sei zerrissen zwischen Ursprünglichkeit und moderner Zivilisation: Haiming ist nämlich nicht nur ein altes, niederbayerisches Dorf mit historischem Kiesweg, umschlossen von einem Naturreservat, in dem Biber und seltene Vogelarten leben. Seit den Fünfzigerjahren brechen die Schlote eines Chemiewerks zur Siliziumgewinnung und eine transalpine Ölpipeline das Bild des dörflichen Idylls. In diese räumliche Ambivalenz haben Almannai Fischer in Zusammenarbeit mit Harald Fuchshuber (Altötting) eine neue Sporthalle gesetzt. Eine bestehende Schulturnhalle, die nun als Mehrzweck- und Gymnastikraum fungiert, wurde direkt mit dem Neubau verbunden.

Der Bau ist Dorfscheune und moderne Halle zugleich, er passt sich zurückhaltend der Umgebung an und ist doch auffällig im Detail. Er ist, zusammengefasst, banal simpel und romantisch einfach. Die Architekten scheinen sich bei ihrem Projekt, das sie unter strengen Kostenrestriktionen für den Sportverein Haiming entwickelt haben, also zwischen mehreren Polen zu bewegen Dabei entspricht das Gebäude zunächst einer ortsbekannten Typologie: Die äußere Gestalt der Sporthalle gleicht einer großen Scheune mit flachem Satteldach, konstruiert in örtlicher Holzbauweise.

Die Architekten gingen in einfachen und durchdachten Schritten vor: Sie senkten die Halle einen Meter tief in den Boden ab. Die Technik-, Umkleide- und Geräteräume bündelten sie an der Stirnseite des Baus, außen in der Form eines niedrigeren Anbaus erkennbar. Dieser schafft nicht nur die nötige  Höhenabstufung zur Umgebung – ein Friedhof und eine Wiese liegen in einer Flucht mit der Stirnseite –, sondern er stärkt auch die Gesamtkonstruktion. Mit mehr Spielraum an den übrigen Seiten, konnten die Architekten nun die anderen Fronten gestalten. Eine breite Polycarbonat-Verkleidung an der nördliche Längssseite und ein bodentiefes Fensterband an der nach Süden, zum Sportplatz gewandten Längsseite durchlichten die Halle.

Innen wie auch außen ist die Konstruktion aus vorgefertigten, kostengünstigen Holzbauteilen sichtbar. Dabei verlassen die Architekten ihre sonst so pragmatische Herangehensweise und neigen zur Inszenierung. Wie ein Raumfachwerk – ohne eines zu sein– erzeugt die Dachkonstruktion das Bild einer filigranen Struktur. An der mit Polycarbonat verkleideten Längsseite dringen die Pfosten, Riegel und Diagonalen der Wandkonstruktion grafisch nach außen. Und genau in dieser Inszenierung liegt schließlich die ideelle Ambivalenz des Projekts: durchdachte Schlichtheit versus überhöhte Einfachheit. (sj)

Fotos: Sebastian Schels


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