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15.05.2014

Bandfenster mit Nachtdesign

Schocken in Chemnitz als Museum wiedereröffnet


Chemnitz ist die drittgrößte Stadt in Sachsen und doch in der Wahrnehmung Vieler etwas abgehängt gegenüber der Kunststadt Dresden und der Messe- und Kreativenstadt Leipzig. Das von Industrie geprägte Chemnitz versteht sich als „Stadt der Moderne“ (Tourismus-Werbung), und diese Woche macht sie diesem Slogan allererste Ehre: Das bedeutendste moderne Gebäude der Stadt, das ehemalige Kaufhaus Schocken, 1927-30 von Erich Mendelsohn errichtet, wird jetzt nach umfassender Sanierung und Umbau mit einer neuen Nutzung wiedereröffnet.

Nach dem Abriss des Stuttgarter Schocken-Baus im Jahr 1960 ist das Chemnitzer Haus der einzige verbliebene „Schocken“ von Mendelsohn in Deutschland. Vergleichsweise glimpflich über den Krieg gekommen, wurde es zu DDR-Zeiten als Centrum-Warenhaus genutzt und nach der Wende eine Zeitlang als Kaufhof. Nach jahrelangem Leerstand wurde entschieden, darin das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz (smac), eine Einrichtung des Freistaats Sachsen, unterzubringen.

Für Ausstellungskonzeption und -architektur wurde das Atelier Brückner (Stuttgart) beauftragt; erst danach wurde für die Architektur in einem anonymen Vergabeverfahren die gleichberechtigte Arbeitsgemeinschaft der Büros Auer Weber (Stuttgart) und Knerer Lang (Dresden) ausgewählt.

Nach dem Entwurfskonzept der Architekten wurde die gebogene Außenfassade zur Straße denkmalgerecht wiederhergestellt. Das bedeutete in diesem Fall einen materiell völlig neuen Aufbau der Außenhaut, die damals zu den ersten hinterlüfteten Fassaden Deutschlands zählte. Zu DDR-Zeiten waren sowohl die bauzeitlichen Natursteinverkleidungen als auch die Fensterprofile ausgetauscht worden.

Die Steinfassade wurde mit einer Ausbeute aus dem selben Steinbruch wie damals mit Kelheimer Auerkalk erneuert. Die Fensterprofile wurden aus Holz in den historischen Abmessungen und Proportionen nachgefertigt. Einzig die Fensterprofile der beiden seitlichen, den Außenbau prägenden Treppenhäuser waren aus der Bauzeit erhalten geblieben und wurden aufgearbeitet. Selbst die Schriftzüge „Schocken“ über den Windfängen der Eingänge wurden rekonstruiert.

Im Inneren wurde spätere Einbauten entfernt und das Gebäude bis auf das Traggerüst entkernt. Die beiden bereits erwähnten seitlichen Treppenhäuser wurden als Fluchttreppenhäuser erhalten und ausgebessert. Ein drittes, kleineres Treppenhaus im Hintergrund des Gebäudes wurde abgerissen und durch eine auffällige Rampentreppenanlage ersetzt, die der Erschließung des Museums dient. Ein neu eingeschnittener Luftraum verbindet das Erdgeschoss mit dem dritten Obergeschoss und ermöglicht eine interaktive szenografische Installation. Diesen Luftraum hatte es im historischen Schocken nicht gegeben, weil Erich Mendelsohn die Lichthöfe der Kaufhäuser der Kaiserzeit stets abgelehnt hatte.

Das Erdgeschoss dient als Foyer, die Dauerausstellung erstreckt sich über das erste bis dritte Obergeschoss – thematisch von der Naturlandschaft bis zur Industrialisierung. Viertes und fünftes Geschoss werden ebenfalls durch das smac genutzt, während die Staffelgeschosse darüber als Büroräume fremdvermietet werden.

Räumlich prägend in den Museumsgeschossen ist eine gebogene Wand, die der Form der Fassade folgt. Zur Straße hin ist dadurch ein gebogener Gang mit Bandfenster entstanden, der von den Architekten als „Studienerker“ bezeichnet wird. In diesem Gang, der bautechnisch von auskragenden Durchlaufträgern gehalten wird, wurde auf drei Etagen eine Dauerausstellung zu Erich Mendelsohn und der sächsischen Kaufhauskette Schocken eingerichtet – die architektonisch prägendsten Räume dienen hier also einer Ausstellung in der Ausstellung, die ursprünglich gar nicht vorgesehen war: In der Ausschreibung zum Vergabeverfahren sollten die Flächen hinter der markanten Fassade Technikräumen dienen. Die Technik wurde schließlich in einem 50 cm hohen Fußbodenaufbau untergebracht. Als Verglasung wurde so genanntes „Denkmalschutzglas“ mit gewollten Unregelmäßigkeiten eingesetzt, das „einen psychedelisch verfremdeten Blick auf Chemnitz“ ermögliche (Thomas Knerer).

Der Entwurf der Architekten berücksichtigt mit dieser Anordnung auch ein „Nachtdesign“: Die „Studienerker“ können gleichzeitig und gleichmäßig beleuchtet werden, so dass das neue „Schocken“ aus seinen Fensterbändern hell und markant in die Chemnitzer Nacht strahlen kann – ganz so wie auf den Nachtfotos, die Erich Mendelsohn damals publizieren ließ. Ein Leuchtturm der Moderne, der hier wiedergewonnen wurde. (-tze)

Fotos: Roland Halbe, Michael Jungblut


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Zu den Architektenprofilen:

ATELIER BRÜCKNER
Auer Weber
knerer und lang Architekten GmbH


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