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01.12.2017

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Zeitschichten am Augustusplatz

Erick van Egeraats Universitätskirche in Leipzig eröffnet


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Es ist eine Rekonstruktion, wenn auch eine untypische: Am heutigen 1. Dezember 2017 beginnt der feierliche Festakt zur Eröffnung des Paulinums am Leipziger Augustusplatz. Als Erick van Egeraat (Amsterdam) 2004 zum Sieger des Wettbewerbs gekürt wurde, hatte es bereits hitzige Debatten über den Umgang mit dem Areal gegeben. Die Universitätskirche St. Pauli aus dem 13. Jahrhundert war 1968 gesprengt worden, nachdem sie den Krieg unbeschadet überstanden hatte. Nach der Wende entschied man sich gegen einen originalgetreuen Wiederaufbau und strebte eine Kompromisslösung an: Der Neubau sollte einerseits die vor der Sprengung geborgenen sakralen Kunstwerke aufnehmen und andererseits nicht nur als Kirche, sondern auch als Aula für die Universität nutzbar sein. Der expressive Neubau vollendet den neuen Unicampus mit Mensa und Bibliothek.

Aus vier Jahren Bauzeit wurden zwölf – eigentlich hätte das Paulinum schon 2009 fertig gestellt werden sollen. Mit Baukosten von 117,3 Millionen Euro wurde es doppelt so teuer wie geplant und ist nach dem Dresdner Schloss das zweitteuerste Bauprojekt in Sachsen seit 1990. Die technischen Anforderung an den gemischt genutzten Raum waren hoch und problematisch: Um die Kunstschätze aufzunehmen, muss das Raumklima Museumsqualität besitzen, gleichzeitig sollen dort Konferenzen der Universität stattfinden können. Doch auch die gestalterischen Vorstellungen des Architekten sind für die Verzögerung mitverantwortlich, so erwies sich beispielsweise die Konstruktion der Stalaktitlampen als besonders kompliziert. Erick van Egeraat zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis des „mit Abstand anspruchsvollsten Projekts“ seiner Karriere, das noch einen weiteren Superlativ umfasse: Mit 15,5 Metern, erklärt er, sei die raumteilende Glastür die „größte transparente Schiebetür der Welt“.

Vielleicht liegt es an der verzögerten Eröffnung, dass das Gebäude ein wenig postmodern wirkt, wie aus der Zeit gefallen. In der Frontansicht scheinen Rosettenfenster und Glockentum nach links aus der Achse zu stürzen. Die Sandsteinelemente werden scheinbar durch die Glasfassade in dieser Position gehalten, als wäre die historische Kirche im Moment der Sprengung aufgefangen worden.

So setzt das Paulinum einen unübersehbaren Akzent am Augustusplatz an dem schon andere Zeitschichten koexistieren: Das City-Hochhaus nebenan wurde von 1968 bis 1972 nach Entwürfen des Architekten Hermann Henselmann errichtet. 2001 wurde es von Peter Kulka umgebaut, der im Wettbewerb zur Rekonstruktion des Paulinums nur den 3. Platz belegte und später das Potsdamer Stadtschloss wieder aufbauen sollte. Im Norden befindet sich das 2007 sanierte Opernhaus aus den Fünfzigerjahren, gegenüber das Gewandhaus von 1981. Mit den sogenannten „Gewandhausgesprächen“, wurde es 1989 zur Plattform für die politische Opposition der DDR. Man darf gespannt sein, wie all diese Geschichte in das Symposium „Widerstand gegen die SED“ einfließen wird, das 2018 im neuen Paulinum an die Sprengung der Kirche erinnern soll. (dd)

Fotos: J Collingridge, Steffen Spitzner, Marion Wenzel


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Kommentare

13

solong | 06.12.2017 10:23 Uhr

... was ist daran so schlecht

... erschreckend ... wie spießig ... unsere "facebook-generation" ist ... im städtebaulichen duktus macht sich das gebäude im grunde ganz gut ... sieht auch im original ... "zamer" aus als auf den fotos ... ja, man darf sich fragen ... "was erick da so eingeschmissen hatte" ... aber immerhin keine "standardklötze mit wdvs-fassade" ... architektur ist halt auch immer experiment ... zugegeben bei dem DIBA-headquarter in budapest sieht der fassadentypus schlüssiger aus ...

12

@Aaron Moran | 05.12.2017 16:28 Uhr

...der Bauherr war´s...

ist das schwache Argument des Dienstleisters und Erfüllungsgehilfen.
Der Entwurf sah schon im Wettbewerb furchtbar aus, Egeraat wurde von niemandem zu dieser Fassade gezwungen, sie ist nicht die zwangsläufige Form, die aus der Summe der Anforderungen entsteht sondern bewusst gewählt und damit höchst fragwürdig. Offenbar hat es den Entscheidungsträgern gefallen, das ist es, was richtig schockierend ist.

11

Aaron Moran | 05.12.2017 09:44 Uhr

Was...

Soll das ganze Gelaber hier? Kollegen, es wirkte, als ob viele von euch Ersties wären! Bitte erwachsene Menschen werden!
Der Bauherr spielt eine ganz wichtige Rolle, da er letztendlich dafür bezahlt und viele oder die meisten Entscheidungen trifft. Bauherren sind meistens auch Nichtfachleute die Dinge anders sehen und man muss auch diese Wünsche oder Erwartungen dienen und umsetzen können. Ihr alle vergesst das!
Und auch, wenn das Gebäude Mist ist, kann man daraus sicherlich etwas lernen um eben im Zukunft des nicht zu wiederholen!
A schönen!

10

Zebra | 04.12.2017 16:21 Uhr

aus der Zeit gefallen

Sieht auf den ersten Blick aus wie eine seltsame Mischung aus Ostmoderne und Postmoderne. Die lange Zeitspanne für Planung und Ausführung erklärt aber nur zum Teil warum das Gebäude so postmodern, eklektizistisch neben sich steht. Schließlich waren zum Wettbewerbszeitpunkt die beiden Modernen auch schon ca. 15 Jahre überholt.

Auf jeden Fall ein schönes Beispiel warum Kompromiss- und Multifunktionsarchitektur mit großer Wahrscheinlichkeit misslingt. Eine eierlegende Wollmilchsau sieht eben immer auch aus wie eine eierlegende Wollmilchsau - freak bleibt freak.
Schade das an so einem tollen Ort nicht etwas gebaut wurde was auch in 50 Jahren noch Relevanz hat und nicht schon bei Eröffnung aussieht wie eine Modesünde vergangener Tage.

Das dem Architekt zu seinem Projekt dann noch "die größte Glasschiebetür der Welt" als besonderes erwähnenswert erscheint, sagt eigentlich schon alles...

9

lydia | 04.12.2017 14:32 Uhr

soll man ALLES bauen dürfen?

immer wieder gibt es projekte, nach deren betrachtung ich mich frage: "wird an den unis und fhs eigentlich auch sowas vermittelt wie ETHIK FÜR ARCHITEKTEN?" dies ist eines davon...

8

T:C | 04.12.2017 09:48 Uhr

Albtraum

Ein Gebäude, das einen beinahe sprachlos macht, wie die Kulisse in einem geschmacklosen Videospiel.

7

LAMAA | 01.12.2017 19:38 Uhr

!!! ICH BIN SO HÄSSLICH !!!

Eigentlich ist alles schon gesagt!

Der Kirchenraum ist von innen interessant,
alles andere....hätte nicht sein müssen!

6

Christian Richter | 01.12.2017 18:29 Uhr

so schlimm, dass es wieder gut ist?

Ohne Frage ist dieses Gebäude ein geradezu bodenlose Scheusslichkeit, von außen ein entsetzliches Fassaden-Sammelsurium, innen alles von historisch-sakraler Raumstimmung (die Leuchten sind - ernst gemeint- wirklich wahnsinng schön!), bis zu völlig gestalt-entleerter Uni-Eingangshalle.
Wenn das aber so zutreffen sollte, ist dann vielleicht nicht doch ein Maß an Komplexität erreicht, dem eine eigene Wirkung (vielleicht nicht gerade Schönheit) innewohnt? In jedem Fall lohnt sich der Gedanke und Besuch!

5

Venturi | 01.12.2017 17:40 Uhr

Ein Schritt zurück

Willkommen zurück in der Postmoderne.

4

tom | 01.12.2017 16:46 Uhr

schlimm

schlimm....

3

peter | 01.12.2017 16:27 Uhr

grauenhafter kitsch

selten in der letzten zeit habe ich in deutschland so ein unsympathisches projekt gesehen. es schwankt irgendwo zwischen geschmacklosigkeit, arroganz, show, nutzlosigkeit, inhaltsleere, selbstverliebtheit und diktatorischem protz. neureiche angeberarchitektur, postmoderne in ihrer schlechtesten ausprägung. der absolute hammer sind die hängenden kirchenpfeiler - an sinnlosigkeit und architektonischer arroganz kaum zu überbieten.

wenn so ein haus in taschkent, astana oder pjöngjang stände, könnte man es als selbstdarstellung abgedrehter despoten abtun, aber jetzt steht es hier, mitten in deutschland, heute, gebaut wahrscheinlich noch mit unseren steuergeldern.

schauderhaft und beschämend. aber wahrscheinlich finden es alle (v.a. laien) toll, chinesische touristen inklusive, siehe kommentar nr. 2.

2

Archiknecht | 01.12.2017 15:58 Uhr

sozialromantik...

man rufe die sozialromantiker und entreiße der kirche das geld^^

schönes projekt ! bild 5 sogar aus der hüfte geschossen

1

Herr Euler | 01.12.2017 15:42 Uhr

Kein Ort der Stille

Sorry aber das Ganze sieht aus als hätte man Restbestände unterschiedlicher Bauvorhaben (u.a. Liebeskind/Uni Lüneburg und Egeraats Sumatrakontor) verwertet.
Und diese unruhige Fassade überträgt sich in das Innere.. Lüftungsöffnungen und Leuchten offensichtlich wahllos platziert.
Schwierige Nummer.. schade..

 
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