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06.11.2017

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Bronzeblätter und Blumendecken

Bloomberg-Hauptsitz in London von Foster + Partners


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Die City of London ist ein Gebiet der architektonischen Superlative und das seit Jahrhunderten. Seit Nicholas Hawksmoors 1727 hier seine eigentümliche Kirche St. Mary Woolnoth vollendete, scheint ein ausgeprägter Wille zu aufregenden architektonischen Formen in dieser Gegend Programm. Foster + Partners zogen beim Neubau für den internationalen Informationsdienstleister Bloomberg jedenfalls alle Register.

Das fängt beim Thema Nachhaltigkeit an. Laut Architekten erreichte der Komplex beim britischen Zertifizierungssystem BREEAM die beste Bewertung, die jemals an ein großes Bürogebäude vergeben wurde. Man nimmt diese Information gerne zur Kenntnis, staunt aber vor allem über die Fassadenlösung des Londoner Büros.

Sandstein und Bronze


Man habe ein „elegantes Steingebäude“ entwerfen wollen, das sich am historischen Umfeld orientiert und doch zeitgenössisch wirkt, betonen die Architekten. Das Ergebnis ist eine tiefe, schwere Rasterfassade mit einer Anmutung irgendwo zwischen edler Plastizität und wulstiger Seltsamkeit. In ein Gerüst aus Sandstein setzten die Architekten ausladende Blätter aus Bronze, die mehrere Funktionen übernehmen. Erstens verschatten sie, zweitens können sie für Frischluftzufuhr automatisch geöffnet werden. Und drittens schlucken sie den Straßenlärm.

Der Komplex nimmt einen gesamten Block in der City ein und besteht aus zwei Bauteilen, zwischen denen eine öffentliche Passage verläuft. Im Erdgeschoss befinden sich Räume für Läden und Gastronomie, in den acht Geschossen darüber Büros. Besucher und Mitarbeiter werden im Erdgeschoss von einem extravaganten Raum namens „Vortex“ empfangen, der durch drei gekurvte Holzschalen definiert wird. Lifte führen in die Bürogeschosse, die als Großraumbüros mit Standardmöblierung konzipiert wurden.

Per Rampe in die Pantry


Ungewöhnlich ist die Organisation des Grundrisses dennoch, denn die Lifte liegen nicht im Kern, sondern an den Fassaden. Pragmatische Wegeverbindungen im Haus sind den Architekten und den Bauherren ebenso wichtig wie die geschwungene, mit Bronze verkleidete Rampenanlage im Zentrum des Hauses, die als Kommunikationsraum und Ort informellen Austausches begriffen wird. Sie basiert auf der geometrischen Form der Hypotrochoide und verbindet mit ihren insgesamt 210 Metern Länge sechs der insgesamt neun Geschosse des Hauses.

Besonders ist das sechste Obergeschoss. Hier ist das immer gleiche Muster an Büroplätzen aufgebrochen zu Gunsten einer zweigeschossigen Halle, die als „Pantry“ bezeichnet wird. Auch hier geht es um die viel beschworenen zufälligen Treffen der Mitarbeiter, um informellen Austausch und um „Teilen und Zusammenarbeit“, wie die Architekten betonen.

Digitales Arbeiten im Großraum

Das heutige Selbstbild großer Firmen und ihr Wunsch, die eigene, zukunftszugewandte und dynamische Haltung in gebaute Formen zu übersetzen, hat nicht mehr viel mit früheren Zeiten zu tun. Doch wenn es um Wirtschaftlichkeit und die räumliche Organisation der Mitarbeiter geht, schlägt die Logik des Immobilienmarktes voll durch. Da mag man in die geschwungenen Holzschalen und Rampen, in die aufregende Fassade und die hochkarätige Kunst am Bau noch so viel Dynamik und Menschlichkeit hineinlesen, am Ende geht es doch um die möglichst effiziente Aneinanderreihung von Arbeitsplätzen in tiefen, künstlich belichteten Großräumen.

Um die drei typischen Probleme des Großraums – Licht, Luft und Akustik – in den Griff zu bekommen, haben Foster + Partners spezielle Deckenelemente entwickelt. Sie beleuchten, kontrollieren die Temperatur und dämpfen den Schall. In ihrer floralen Ornamentik erinnern sie interessanterweise an die Dekorationsfreude der sozialistischen Nachkriegsmoderne. Was an den Fassaden bereits im städtischen Maßstab auffiel, taucht auch hier wieder auf: Ein bemerkenswerter Wille, mit eigenwilligen, geradezu erzählerischen Formen Aufmerksamkeit zu schaffen. (gh)

Fotos: Nigel Young, Aaron Hargreaves


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Kommentare

7

mehmet | 07.11.2017 11:47 Uhr

puh...

sensationell gut, da bleibt einem bei so manchem bild nur staunen. Das Büro Foster ist nicht umsonst da wo es ist, das ist alles eine Ebene über dem, was man sonst so sieht. diese Detailtiefe wird sonst kaum irgendwo erreicht, das ist einfach richtig gut. Respekt!

6

joscic | 07.11.2017 10:40 Uhr

Maximale Ausnutzung trotz "nur" 8 Geschossen

Da London in den letzten Jahren einen Boom der Hochhäuser erlebte, ist es an sich schon positiv, wenn einmal ein eher in die Fläche gehendes Gebäude aus der Masse heraus ragt. Die Ausnutzung des Grundstücks ist trotzdem jede Vorstellung sprengend. Grün- und Freiflächen sind kaum vorhanden. Daß so ein Gebäude auch noch als nachhaltig durchgehen kann, lässt ahnen, dass dort Leute arbeiten, die Sachen verkaufen als etwas, das sie nicht unbedingt sind.
Schön, daß Sie die alte Kirche erwähnen, ich werde das nächste mal darauf achten, wenn ich vorbei fahre.

5

Christian Richter | 07.11.2017 10:09 Uhr

Viel aber nicht zuviel?

Ein interessanter Entwurf insofern, dass er keine formale Reduktion zum Ziel hat. Vielmehr wird recht spielerisch an den Registern gezogen, wie in den Kommentaren ja bereits diskutiert, was eine architektonische Üppigkeit erzeugt. Diese dekorative Ansatz stellt einen Bezug zur historischen Stadt her. Ob dies bewusst getan wurde oder nicht, das Ergebnis ist wenig provokant, nicht modisch und dennoch eindeutig "heutig". Das erscheint mir als durchaus nachhaltige Strategie.

4

Quicky | 07.11.2017 09:09 Uhr

...?

Unglaubliche tiefe Räume, mal eben schnell das Quickborner Modell grafisch abstrahiert und fertig ist die Laube. Fehler sind ja dafür da wiederholt zu werden -Willkommen im 21.JH! Wer hätte nicht Lust in diesem Grafik-Witz Dienst zu schieben. Von mir gibts dafür leider keinen Bloomenstrauß...

3

Lutz Borchers | 06.11.2017 22:03 Uhr

too much

Genau: alle Register gezogen. Das eine oder andere wäre besser ungezogen geblieben.

2

Siegi jarnig modellbau münchen | 06.11.2017 19:29 Uhr

Bloomberg-Hauptsitz

Gratuliere, super Entwurf

1

auch ein | 06.11.2017 16:34 Uhr

architekt

die rampe ist wirklich gemein, das ist eine steigung die man nicht mehr ohne stufen hinbekommt, gleichzeitig runtertippeln muss und schaun dass man nicht stolpert.

das macht man manchmal aus verlegenheit bei gehwegen......aber nur an "gewachsenen" strassen, nicht in einem neubau

 
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Die neue Zentrale von Bloomberg liegt zwischen St. Paul’s Cathedral und Bank Station.

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Plätze an den Eingängen und die Passage zwischen den beiden Gebäudeteilen sind wichtige städtebauliche Elemente.

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Die Eingangshalle „Vortex“ beeindruckt Besucher des Hauses bereits im Erdgeschoss.

Die Eingangshalle „Vortex“ beeindruckt Besucher des Hauses bereits im Erdgeschoss.

Eine 210 Meter lange Rampenanlage verbindet die sechs Hauptgeschosses des Hauses, in denen Hunderte gleichförmige Arbeitsplätze in Großraumbüros angeordnet wurden.

Eine 210 Meter lange Rampenanlage verbindet die sechs Hauptgeschosses des Hauses, in denen Hunderte gleichförmige Arbeitsplätze in Großraumbüros angeordnet wurden.

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