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25.09.2013

Die dunkle Seite der Baugruppe

Architekt und Pfarrer diskutierten im DAZ in Berlin


Wenn ein Problemkiez auf ein Baugruppenprojekt stößt, kann man schon mal Rat bei einem Geistlichen suchen. Genau das war Thema einer Diskussion am Montag Abend in Berlin. Der amerikanische Architekt Sam Chermayeff hatte sich dazu den ehemaligen Pfarrer Andreas Fuhr, früher Leiter der Evangelischen Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde an der Kurfürstenstraße, ausgesucht. In dem Epizentrum von Prostitution und Drogenhandel in Berlin-Tiergarten plant Chermayeff mit seinem Berliner Büro June 14 ein Wohnhaus für eine Baugruppe.

„Wir fühlen uns wie Gentrifizierer“, beginnt Chermayeff entschuldigend die auf Englisch geführte Unterhaltung. Für den Pfarrer aber ist das Thema Kiezaufwertung nicht negativ belegt. Rund um die Kurfürstenstraße brauche es dringend etablierte Bürger als Neuzugänge, die ein Gleichgewicht im Stadtteil schaffen – das sei vor allem auch für die öffentlichen Schulen wichtig. Fuhr weiß, wovon er spricht: Vier Kinder hat er am Straßenstrich großgezogen. „Es ist eine Herausforderung, hier zu leben, aber es ist auch eine gute Gegend“, sagt er. 


Neben Drogenhandel und Prostitution ist das Gebiet rund um die Kurfürstenstraße von Zuwanderern geprägt. „Muslime sind einfacher zu integrieren als Prostituierte“, weiß Fuhr, der selbst mit einer Muslima verheiratet ist.

Ein Bordell in der Baugruppe?

Auch als Pfarrer könne man keine Wunder vollbringen, sondern nur das tun, was in den eigenen Möglichkeiten steht. „Die Frauen aus der Prostitution holen können wir nicht, aber wir können ihr Leben angenehmer gestalten.“ Seine Gemeinde kocht einmal wöchentlich für die Damen von der Straße. Es fehle ihnen ein Aufenthaltsraum, ein Café, in dem sie auch mal ein paar Stunden sitzen und sich von der Kälte und der Arbeit ausruhen können.

Neben Heizkörpern auf den Straßen schlägt Chermayeff eine Art Bordellcafé im Erdgeschoss der geplanten Baugruppe vor: „Unser Projekt wäre sicher in der Lage, einen Teil dieser dunklen Welt in unserer aufzunehmen“. Eine Nutzung für den Erdgeschossbereich gebe es bisher nicht. Fuhr rät allerdings vehement ab. Das würde nicht gut gehen, so nah dürfe man das Wohnen nicht an das Gewerbe der Straße lassen.

„Ich lebe seit 23 Jahren dort, und es hat sich nichts verändert.“ Was sich allenfalls ändern könne, ist die eigene Sicht auf die Dinge. Die Profession Fuhrs schwingt immer mit, wenn er spricht. Chermayeff zeigt sich neugierig und vertritt damit den ganzheitlich-sozialen Ansatz seines Büros. Fragen seitens des Nicht-Architekten an den Entwerfer bleiben hingegen aus. Einziges konkretes Architekturthema des Gesprächs ist das brutalistisch anmutende Gemeindehaus in der Kurfürstenstraße, an dem sich die Geister scheiden: Das von Chermayeff gelobte Gebäude findet Fuhr schrecklich.

Was als Dialog geplant war, ist mehr ein Frage- und Antwortspiel geworden. Liegt es am fehlenden Interesse oder gar an Publikum und Veranstaltungsort? Wäre ein Gespräch im Gemeindehaus anders ausgefallen?

Zumindest kann man den Architekten nicht vorwerfen, sie würden sich nicht der Gesellschaft öffnen. Es stehen weitere interessante Gesprächsabende unter anderem mit Komponisten, Journalisten und einem Raketeningenieur an. (Luise Rellensmann)

Am Montag Abend startete die neue Gesprächsreihe „Face to Face“ im Deutschen Architekturzentrum (DAZ) mit dem Thema „Stadt verhandeln“.  Die Idee für das „Face to Face“ -Format, bei dem je ein Architekt von Angesicht zu Angesicht mit einem selbst gewählten Gesprächspartner aus einem anderen Beruf spricht, stammt von der Architekturkuratorin Francesca Ferguson. „Wir wollen mit der Gesellschaft in einen Dialog über unsere Themen, die Architektur und den Städtebau treten“ so Michael Frielinghaus vom Veranstalter BDA. Ulrich Hatzfeld verspricht sich von der durch das Bundesverkehrsministerium geförderten Reihe eine neue Form des Diskurses jenseits bloßer Architektenwerkschauen. 
 



Zum Thema:

www.daz.de


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