Charakter eines kultischen Ortes
Wettbewerb für Kunstmuseum im russischen Perm entschieden
Einer der wichtigsten Architekturwettbewerbe für das „Neue Russland“ ist entschieden: Am 26. März 2008 wurden die Gewinner der internationalen Konkurrenz um das „Kunstmuseum des 21. Jahrhunderts“ im russischen Perm bekannt gegeben: Die Jury unter dem Vorsitz von Peter Zumthor (Haldenstein) verlieh zwei gleichwertige erste Preise – an den Schweizer Architekten Valerio Olgiati und seinen russischen Kollegen Boris Bernaskoni (Moskau). Zaha Hadid wurde mit dem dritten Preis ausgezeichnet, zudem wurden so genannte „Spezialpreise“ an acht weitere Büros vergeben, darunter Asymptote (New York) und Peter Meili (Zürich). Insgesamt hatten 25 Büros an dem Verfahren teilgenommen.
Das Museum, das als erstes seiner Art in Russland den „Anforderungen des 21. Jahrhunderts gewachsen“ sein soll (Auslobung), soll ein Aushängeschild, eine architektonische Visitenkarte für die aufstrebende Stadt Perm werden. Die 47.000 Kunstwerke der Sammlung vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart sollen hier auf insegesamt rund 16.000 Quadratmetern Platz finden. Welcher der beiden erstplatzierten Entwürfe realisiert werden soll oder ob beide Preisträger ihre Vorschläge erneut und/oder gemeinsam bearbeiten werden, steht noch nicht fest.
Aus dem Büro Olgiati liegt uns eine Projektbeschreibung seines Entwurfs vor, die wir hier leicht gekürzt widergeben: „Die Form des neuen Museums ergibt sich aus der Stapelung verschiedener Funktionen in verschieden großen Geschossen. Es ensteht ein Gebäude mit magnetischer Erscheinung im Charakter eines kultischen Ortes. Durch seine gewaltige Größe lässt es sich im urbanen wie im suburbanen Kontext als ‚Landmark‘ lesen. Die ganze Konstruktion, Fassaden, Geschossplatten und Wände sind aus weißem Ortbeton. Der zentrale Kern enthält die verschiedenen Lifte, zwei Nottreppen und Leitungsschächte.
Die Hauptlobby des Gebäudes befindet sich im Eingangsgeschoss, von hier aus führt eine Rolltreppe ins Museumfoyer sowie eine Treppe ins Auditorium im Untergeschoss oder die Bibliothek im ersten Obergeschoss. Innerhalb des Museums verbinden große Wendeltreppen die verschiedenen Geschosse. Der zentrale Kern mit dem Maß 12 x 12 Meter übernimmt die horizontalen und vertikalen Kräfte. Jeweils zwei Wände, die den Kern durchdringen, funktionieren im System als große Auskragungen, an denen die Trägerfassaden hängen. Diese Ausführung ermöglicht gigantische, stützenlose Geschosse.“
...wie clever ...eine invertierte Niemeyer-Kolonade
http://www.aimeemoore.com/images/alvorada1.jpg
"man nehme also etwas sanaa und toyo ito, staple das ganze symmetrischer, bediene sich im russlandkitsch der zinnenarchitektur und heraus kommt etwas, wovon andere baunetzleser ein feuchtes höschen bekommen..."
V. O. st ein sehr guter Architekt und wie es aussieht auch ein sehr guter SANAA-und Ito-Kenner. Da bist du Peter schon nahe bei der Sache. Die axialsymmetrische Stapelung der Boxen und die Gesamtfigur als solche sehe ich schon noch als eigenständig an.
Ein ungutes Gefühl käme bei mir aber anders wo auf...