Weder offen noch geschlossen
Wettbewerb für Baukultur-Sitz in Potsdam entschieden
Einen Vorstandsvorsitzenden hat sie schon. Jetzt bekommt die Baukultur auch ein eigenes Haus: Der zukünftige Sitz der Bundesstiftung Baukultur befindet sich auf dem von kultureller Nutzung geprägten Areal der Schiffbauergasse in Potsdam. Der Wettbewerb zum Umbau des Hauses Schiffbauergasse 3, einer ehemaligen Villa, wurde als begrenzt offener, anonymer Realisierungswettbewerb mit 20 Teilnehmern nach einem vorgeschalteten, ebenso anonymen Bewerberverfahren durchgeführt. Am 18. Juni 2008 hat das Preisgericht unter dem Vorsitz von Dörte Gatermann getagt. Folgende Preisverteilung wurde einstimmig beschlossen:
1. Preis, 13.000 Euro: Springer Architekten, Berlin
Landschaftsarchitekt: Weidinger Landschaftsarchitekten, Berlin
2. Preis, 7.800 Euro: Lüderwaldt Verhoff Architekten, Köln
Landschaftsarchitekt: Dirk Melzer, Köln
3. Preis, 5.200 Euro: Sturm und Wartzeck, Dipperz
Landschaftsarchitekten: Mann Landschaftsarchitekten, Kassel
Das Preisgericht beurteilte den ersten Preis folgendermaßen: „Mit ebenso maßvollen wie präzisen Maßnahmen wird der Versuch unternommen, die ehemalige Villa nicht nur der neuen Nutzung anzupassen, sondern sie in einen neuen Kontext zu stellen.
Zunächst geschieht dies über die Gestaltung der Außenanlagen: Der bisher dominierende axiale Bezug zum Hauptgebäude der Kasernenanlage tritt zurück zugunsten der neuen, großzügig angelegten Eingangssituation von Nordosten. Dabei ergibt sich auch ein wohlproportionierter Platz, der dem gesamten Quartier zugute kommt.
Die andere, in der Ausführung nicht minder konsequente Maßnahme ergibt sich nach der Demontage der bestehenden Dachkonstruktion. Diese wird durch einen flachen Aufbau ersetzt, dessen inneres Gefüge sich schlüssig aus der Grundrissstruktur und aus der Tektonik des Altbaus ableitet.
Scheiben aus Ziegel-Gittermauerwerk und großformatige Verglasungen schaffen nach außen hin eine eigene Prägnanz. Dieses plastische wie geometrische Spiel soll eine eigenständige Zeichenhaftigkeit entwickeln und damit der Besonderheit der Bundesstiftung Baukultur gerecht werden. Ob das Motiv des Gittermauerwerks mit seiner Ambivalenz des ‚weder Offenen noch Geschlossenen‘ das richtige Mittel ist, wird in der Jury kritisch diskutiert – nicht zuletzt wegen des Konflikts zwischen diesem Gestaltungsmittel und der ansonsten ebenso präzisen wie unprätentiösen Haltung im Umgang mit der
ehemaligen Villa.“
Ohne Feeling aufeinandergeklatschte Schachteln ohne Rücksichtnahme auf vorhandene saubere Proportionen. Das Ergebnis A r s c h i tektur, aber keine saubere Baukultur!
1) ein wettbewerbsverfahren mit nur 20 teilnehmern -nach einem anonymen auswahlverfahren, naja, immerhin kein verhandlungsverfahren...
2) der erstplazierte nimmt dem altbau das gut proportionierte dachgeschoss ab und ersetzt es durch eine grobschlächtige aufstockung - die symmetrie der fassade wird nicht gebrochen sondern zerschlagen.
3) der drittplazierte wollte sich nicht wirklich mit der altbausubstanz auseinandersetzen und plaziert einen hohlen architekturcontainer wie ein ufo neben den altbau. da hilft wirklich nur noch eine nachtperspektive.
wer ist schuld an diesem ergebnis? die jurymitglieder, die zwanzig auserwählten teilnehmer oder das verfahren an sich?
im sinne der stiftung für baukultur empfehle ich das ergebnis zu annulieren und einen offenen wettbewerb durchzuführen...
die umsetzung des erstplazierten könnte peinlich die grundgedanken der stiftung konterkarieren.