Variante Konzertsaal
Schultes gewinnt Marstall-Wettbewerb in München
Am 26. September 2007 wurde in München der Ideenwettbewerb „Kulturprojekt Marstall“ entschieden. Dabei ging es um die Umnutzung und Erweiterung der von Leo von Klenze errichteten Münchener Hofreitschule, dem so genannten Marstall. Die Jury unter Vorsitz von Fritz Auer hatte über zwei Gruppen von Arbeiten zu befinden, die „Variante Konzertsaal“ und die „Variante Multifunktionaler Veranstaltungssaal“. Folgende Preise wurden vergeben:
Variante Konzertsaal
Zu dieser Siegerarbeit schreibt die Jury: „Die Analyse der Verfasser führt zu deren einzig plausiblem Schluss, den neuen Konzertsaal auf der Ostseite des Marstallgebäudes zu platzieren. Auch wenn dadurch die Solitärwirkung des Marstalls beeinträchtigt wird, ist dies der einzige Ort, an dem das neue Konzerthaus eine angemessene räumliche Bedingung vorfindet und Marstall und Neubau in eine sinnfällige organisatorische Beziehung zueinander finden. Die wellenförmige Kubatur verleiht dem Neubau eine Eigenständigkeit in der Balance mit dem Volumen des Marstalls und entwickelt eine Präsenz des neuen Konzerthauses im Stadtraum. Die Entscheidung, alle Funktionsbereiche, vor allem den Konzertsaal und das Theater, im kompakten Neubau unterzubringen, lässt den Innenraum des Marstalls mit seinen Innenfassaden intakt und verwandelt ihn in ein räumlich luxuriöses Foyer und eine Adresse der angrenzenden Saalnutzungen.
So wird der Marstall zu einem dienenden Raum sowohl für Aktivitäten auf dem freigehaltenen Marstallplatz als auch für die kulturellen Nutzungen im Osten. Obwohl beide Häuser, Marstall und Neubau, ihre eigene Kraft und Identität erhalten bzw. entwickeln, entsteht doch ein sinnvolles Ganzes.“
Im weiteren Fortgang des Verfahrens ist damit zu rechnen, dass ein Realisierungswettbewerb durchgeführt wird. Die Jury empfahl, hierzu auch die Verfasser der Ankäufe zuzuladen.
Variante Konzertsaal
- 1. Preis (40.000 Euro)
Axel Schultes, Charlotte Frank, Berlin - Ankauf (7.000 Euro)
Ulrich Gräber, Darmstadt - Ankauf (7.000 Euro)
Joachim Pogorzalek, München - Ankauf (7.000 Euro)
Frank Winterhalter, Ulrike Hautau, Freiburg - Ankauf (7.000 Euro)
Verfasser: Florian Wagner, München
- Preis (30.000 Euro)
Arne Erling, Bochum - Preis (30.000 Euro)
Roland Dieterle, Spacial Solutions GmbH, München
Thomas Hundt, Janglednerves GmbH, Stuttgart - Ankauf (7.000 Euro)
Bernhard Peck, Armin Daam, München - Ankauf (7.000 Euro)
Ina Laux, Gunther Laux, München - Sonderpreis (3.000 Euro)
Muck Petzet, Mathieu Wellner, München
Zu dieser Siegerarbeit schreibt die Jury: „Die Analyse der Verfasser führt zu deren einzig plausiblem Schluss, den neuen Konzertsaal auf der Ostseite des Marstallgebäudes zu platzieren. Auch wenn dadurch die Solitärwirkung des Marstalls beeinträchtigt wird, ist dies der einzige Ort, an dem das neue Konzerthaus eine angemessene räumliche Bedingung vorfindet und Marstall und Neubau in eine sinnfällige organisatorische Beziehung zueinander finden. Die wellenförmige Kubatur verleiht dem Neubau eine Eigenständigkeit in der Balance mit dem Volumen des Marstalls und entwickelt eine Präsenz des neuen Konzerthauses im Stadtraum. Die Entscheidung, alle Funktionsbereiche, vor allem den Konzertsaal und das Theater, im kompakten Neubau unterzubringen, lässt den Innenraum des Marstalls mit seinen Innenfassaden intakt und verwandelt ihn in ein räumlich luxuriöses Foyer und eine Adresse der angrenzenden Saalnutzungen.
So wird der Marstall zu einem dienenden Raum sowohl für Aktivitäten auf dem freigehaltenen Marstallplatz als auch für die kulturellen Nutzungen im Osten. Obwohl beide Häuser, Marstall und Neubau, ihre eigene Kraft und Identität erhalten bzw. entwickeln, entsteht doch ein sinnvolles Ganzes.“
Im weiteren Fortgang des Verfahrens ist damit zu rechnen, dass ein Realisierungswettbewerb durchgeführt wird. Die Jury empfahl, hierzu auch die Verfasser der Ankäufe zuzuladen.
Kommentieren
die Arbeit der Architekten Schultes + Frank wurde ebenso mit einem Preis ausgezeichnet wie die beiden Preisträger der Alternative Multifunkionssaal (nachzulesen in der Ergebnisdokumentation und im Protokoll des Preisgerichtes auf der Website des Staatlichen Bauamtes 1 in München). Dass die Verteilung der Preise und Ankäufe vom Preisgericht geändert wurde, ändert nichts daran. Ein "dezidierter 1.Preis" wurde nicht vergeben. Beim Wettbewerb handelte sich um einen Ideenwettbewerb, bei dem vom Auslober ganz bewusst zwei verschiedene Nutzungsvarianten zur Bearbeitung verlangt waren, um ein möglichst breites Spektrum an Lösungsvorschlägen für diesen Ort zu bekommen. In der Pressemitteilung des Ministeriums von Herrn Faltlhauser und der daraus abgeleiteten Berichterstattung in den Medien (z.B. SZ vom 28.09.2007: "Sieger im Ideenwettbewerb: Berliner Architekten sollen modernes Konzertgebäude hinter dem Marstall bauen") wird der Eindruck erweckt, dass die Entscheidung für die Variante Konzertsaal und die Beauftragung der Architekten Schultes + Frank schon beschlossen wären. Dies ist jedoch nicht der Fall. Stattdessen ist es nun zuerst Aufgabe der Politik, die entsprechenden Weichen zu stellen, vor allem hinsichtlich der Frage der Nutzung. Hierfür ist das Ergebnis des Ideenwettbewerbes in seiner Gesamtheit sicher eine gute Entscheidungsgrundlage. Von einem Beitrag in einem Fachmedium wie dem Baunetz würden wir uns wünschen, dass dies mehr gewürdigt würde, beispielsweise durch Veröffentlichung der Preisträger der zweiten Alternative. Mit besten Grüssen Frank Winterhalter hautau.winterhalter:architekten, freiburg
Ein ergeiziger Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks will ein eigenes Haus für sein weltklasse Orchester. Was er bekommen wird ist ein mittelgrosser Konzertsaal hinter dem Marstall, hinter der Oper, irgendwo jenseits der Maximilianstrasse. Es ist bezeichnend für die Architekturkultur in dieser Stadt, dass sich niemand berufen fühlte, diesen Standort in Frage zu stellen. Man geht eben den Weg des leichtesten Widerstandes: Der Marstall liegt eh brach seit vielen Jahren und ist leicht bereit zustellen. Anstatt ein Leitmotif zu entwerfen für das ganze wiederaufgebaute Stadtviertel wird nur am letzten verbliebenen Zeugnis des Klenzeschen Wirkens herumgedoktert. Warum man so überhaupt keinen Wert auf die Rekonstruktion des Klenzeschen Marstallplatzes legt und damit das gravierendste Problem dieses Projekts ignoriert bleibt rätselhaft: der Städtebau. Auch wenn man den Marstall spätestens nach den zweiten Besuch auch ohne Stadtplan finden wird, bleibt die Lage in der dritten Reihe für immer unbefriedigend.
schultes entwurf wird hier fälschlicherweise als 1.preis bezeichnet. es gab in der anderen Wettbewerbsgruppe aber auch noch 2 "erste" preise. Wie sehen die denn aus?
Gleichwohl der Beweis erbracht wurde, daß die Baumasse 'unterzubringen' ist, kann nichts darüber hinwegtäuschen, daß es eben nur das ist: die Baumasse wurde untergebracht. Wo Hamburg meilenweit vorauseilt, fehlte hier der Weitblick erstmal nach dem besten Ort für ein neues Konzerthaus zu suchen. Es gibt auch hier Orte in der Stadt, die geradezu danach schreien, prominent besetzt zu werden, die es dann auch aufnehmen können mit den großen Konzerthäusern der Welt und die Musik an die Stelle setzen, die sie verdient: Die erste Reihe. Schade wäre es für die Musik, würde Ihr zweites Zuhause wieder nur zweite Wahl.