Hansehafen-Quartier
Lübeck bekommt eine Hafen-City
Was Hamburg kann, will Lübeck auch haben: Eine Nachnutzung von Hafenflächen. Die Lübecker Hafen-City soll unter dem Namen „Hansehafen-Quartier“ entwickelt werden. Die Stadtpolitik veröffentlichte dazu am 11. Dezember 2007 die aus einem Investoren-Auswahlverfahren hervorgegangenen Pläne.
Für 160 Millionen Euro wollen isländische Investoren auf dem Gelände der Nördlichen Wallhalbinsel bis zum Jahr 2015 einen Wohn- und Geschäftsbereich mit 85.000 Quadratmetern Fläche bauen. Die Pläne dazu stammen von dem dänischen Architekturbüro Årstiderne Arkitekter, mit der deutsche Architektin Bettina Groß als Projektleiterin.
Entstehen wird ein Gelände mit Wohngebäuden, Cafés und kleinen Gewerbebetrieben. Die vor vier Jahren umgebauten „Media Docks“ bleiben erhalten. Auf der Seite zur Innenstadt entsteht ein weiteres Gebäude mit ähnlicher Optik. Auf der nördlichen Seite entstehen sechs- bis achtgeschossige Häuser und drei größere Parkanlagen. Ein Gebäude aus viel Glas bildet an der Nordspitze den Abschluss. Abgerundet wird das gesamte Gelände durch eine Marina, zwei Fußgängerbrücken zur Altstadt und über den Holstenhafen sowie einem Weg mit verschiedenen Kunstwerken an den Ufern.
Anfang 2009 sollen die Bebauungspläne vorliegen, falls die Lübecker Bürgerschaft dem Projekt im Januar 2008 zustimmt. Baubeginn wäre 2009. Ab 2015 soll der gesamte Bereich bezugsfertig sein.
@hans
ich schreib demnächst alles nur auf hessisch !
Zu groß, zu hoch, zu viel. Das sind die Argumente, die Kritiker baulichen Großprojekten in der Hansestadt meistens entgegen schleudern. Manchmal haben sie damit schlicht Recht, manchmal ist es nur ein Reflex allem Neuen gegenüber.
Und die nördliche Wallhalbinsel? Nun, sie hat auch jetzt ihren Charme, wie sie dort liegt, mit den alten Schuppen, in denen vor nicht allzu langer Zeit noch Hafenarbeiter geschuftet haben. Heute sind die Schuppen nicht mehr belebt - mehr Abstellfläche als Lager geworden. Die freien Flächen auf dem Areal sind zu Parkplätzen geworden - mittendrin stehen die Media Docks. Einst Zukunftsprojekt der Hansestadt - heute eher repräsentativer Bau als lebendiger Mittelpunkt. Einzig an der Spitze der Wallhalbinsel hat sich im Sommer ein Strandsalon zu einem Treff der Lübecker Szene in der Stadt entwickelt. Dort zeigt sich im Kleinen, was Lübeck neben alter Hanse auch sein kann - jung und lässig.
Genau dort knüpfen die architektonischen Visionen aus Dänemark für die nördliche Wallhalbinsel an. Sie wollen auf dem Areal die altehrwürdige Hansestadt mit ihrer schmucken Altstadt nicht kopieren, sie wollen ihr dort aber auch keine modernen Glaspaläste entgegensetzen - sie wollen die junge Seite der Stadt auf der Wallhalbinsel in Architektur gießen. Eine große Aufgabe haben sich die dänischen Architekten gestellt. Das Gute: Sie bringen dafür frischen Wind aus dem Norden mit.
Und sie haben anscheinend auch einen finanzstarken Investor aus Island an ihrer Seite, der sich nicht nach einem Jahr Bauzeit wieder aus Lübeck verabschiedet und ein halb abgerissenes Gelände zurücklässt. Da sind sich die Lübecker Stadtoberen jedenfalls sicher.
Hoffentlich behalten sie Recht. Denn was die Isländer und Dänen auf der nördlichen Wallhalbinsel vorhaben, ist mehr als ein nur paar Häuser bauen. Lübeck bekommt durch die Nordmänner einen neuen Stadtteil, eine neue Facette, einen neuen Blick auf die schöne Altstadt - und wenn es wirklich gut läuft, zieht im Schlepptau all dessen auch etwas frischer Wind durch die hanseatischen Gassen. Den benötigt Lübeck dringend. Damit es soweit kommt, brauchen die isländischen Investoren Geduld - und die dänischen Architekten Ausdauer. Denn alle Gremien in der alten Hansestadt von ihren Entwürfen zu überzeugen, dürfte ein langer Weg sein. Man kann nur hoffen, dass die Visionen am Ende nicht völlig verstümmelt werden.
Zu befürchten ist allerdings, dass sich in der größeren regionalen Öffentlichkeit lediglich eine ebenso kurzzeitige wie vordergründige Diskussion an dem beliebten Fassadenthema "Stein oder Glas" entzünden wird. Am Ende wird der Genius Loci wahrscheinlich eine Quotierung von 60% Backstein, 30% Glas und 10% Marzipan erzwingen und man wird sich dabei zugleich sehr visionär und doch sensibel vorkommen. - Das wäre schade.
(Nebenbei: wirklich wünschenswert wäre es, wenn erst einmal das gegenüberliegende Traveufer der Altstadtinsel von seinem durch Blech und Asphalt geprägten traurigen Rückseitendasein befreit würde.)