Blob oder nicht Blob
Kaplicky stellt Prag ein Ultimatum
Jan Kaplicky von Future Systems hat zu einem Mittel gegriffen, das sich Architekten üblicherweise nicht trauen: Er hat einem Bauherren ein Ultimatum gestellt. Wenn die Stadt Prag sich nicht binnen eines Monats für den Bau der von ihm entworfenen Nationalbibliothek entscheidet, zieht er sich aus dem Projekt zurück.
Der aus Tschechien stammende und in London ansässige Architekt hatte den internationalen Wettbewerb für die Bibliothek in Prag-Letna gewonnen (siehe BauNetz-Meldung vom 5. März 2007). Gegen seinen Entwurf eines neungeschossigen, frei geformten Blobs hatte es seitdem einen erbitterten Streit in Bevölkerung und Politik gegeben. Auch Staatspräsident Vaclav Klaus hatte sich gegen den Entwurf ausgesprochen (siehe BauNetz-Meldung vom 7. Mai 2007), während sich Altpräsident Vaclav Havel dafür stark gemacht hatte.
Kaplicky hat inzwischen einen überarbeiteten Entwurf vorgelegt, der nicht mehr grünlich, sondern gold-champagnerfarbig aussieht.
Eine Ende 2007 eingesetzte Bibliothekskommission, die alle Aspekte hinsichtlich des Neubaus prüfen sollte, hat sich bisher nicht entschieden. Es heißt, dass die Kommission vielmehr noch auf eine Entscheidung des Kartellamts wartet, ob eine Auftragsvergabe auf der Basis eines gewonnenen Architektur-Wettbewerbs zulässig ist.
Einem Zeitungsbericht zufolge habe Kaplicky Prags Bürgermeister beschuldigt, der Nationalbibliothek „den Krieg erklärt“ zu haben. Der Bürgermeister verschanzt sich seinerseits hinter der noch ausstehenden Kartellamtsentscheidung. Kaplicky hält das wiederum für einen vorgeschobenen Grund. Er behält sich vor, die Stadt vor einem internationalen Gericht zu verklagen.
Jan Kaplicky unterhält unterdessen noch andere Aktivitäten in der alten Heimat: Er hat sich als externer architektonischer Berater für die zweitgrößte tschechische Stadt Brünn engagieren lassen.
Die ist jetzt also nach Prag ausgewandert...mal sehen wohin als nächstes....
Im städtebaulichen Kontext, Bild 1, wirkt das Teil schon sehr befremdlich, fast wie ein Filmplot zu der "Blob 2"... gab's doch glaube ich schon mal, wo so ein Pudding die Welt eroberte. Aber am Stino-Innenraum erkannt man, dass die Hülle nur um ihrer selbst herumgeschwabbelt wurde, ohne Thema, ohne Bezug zu irgendwas.
Gibt es eine Bibliothekstypologie? Wenn ja, muss diese unbedingt durch einen Blobb ersetzt werden? Wenn nein, hilft hier ein Fliegenpilz wirklich weiter? Und wie steht es hier um das alte Future Systems Zitat, dass die Qualität einer Architektur immer durch die Qualität der ersten Skizze bestimmt wird? Ist die erste Skizze zum Thema Nationalbibliothek zwingend mit der Idee des Fliegenpilzes verbunden? Der Bürgermeister wird wissen, dass ein Monat nicht zu lang ist um diesen abzuwarten, schließlich sind Fliegenpilze nicht ewig haltbar, auch dieser wird sich wieder auflösen...