Denken unserer Zeit
Hadid plant Multifunktionsblob in Budapest
Zaha Hadid hat eine neue Landmarke für Budapest entworfen. Dies meldet die ungarische Website hg.hu am 6. März 2007. Auftraggeber ist der internationale Investor Orco.
Am Szervita-Platz in der ungarischen Hauptstadt soll ein multifunktionales Gebäude entstehen, das Läden, Restaurants, Büros und einen Nachtclub beherbergen soll. Er ist an Stelle eines Parkhauses aus der sozialistischen Ära geplant. Die Investoren wollen mit dem Bau die historische Altstadt aufwerten und „verjüngen“ (Orco), um so ihre Lebendigkeit zu erhalten. Den Szervita-Platz beschreiben sie als „interessantes Ensemble aus qualitätvoller Architektur aus unterschiedlichen Epochen“ (zu dem das Parkhaus anscheinend nicht gehört, Anm. d. Red.). Das Gebäude von Hadid könnte hier ein „neuer, wichtiger Baustein sein, der das Denken unserer Zeit repräsentiert“.
Der Entwurf versteht sich als Ensemble aus zwei Elementen, die mit einander verschmelzen: Einem organisch geformten Baukörper (dessen Fassade stark an das Kunsthaus Graz erinnert) und dem Platz. Ob und wann das Gebäude tatsächlich gebaut wird, steht noch nicht fest.
Nun soll auch noch die schöne Stadt Budapest von diesem modischen Irrsinn heimgesucht werden. Wenn es dem Esel zu gut geht, begibt er sich auf´s Glatteis. Hoffentlich friert es bald. Und dann sollte es rasch wieder tauen, damit diese Eitelkeit ganz schnell versinkt.
Liebe Kollegen, wehrt Euch gegen den Starkult
und die fürchterliche Jagd nach Sensationen!
Derzeit steht hier ein Parkhaus. Auch wenn hiervon keine Fotos zu sehen sind, kann man sich leicht vorstellen, dass dieses erst recht kein schöner Anblick für die Anwohner (wohnt da überhaupt wer oder sind es am Ende nur Büros?) ist. Es wird kein Platz okkupiert, sondern erst geschaffen! Allerdings, wie Peter schon bemerkte, auf kritikwürdige Weise: die künstliche Platzdüne sollte sich aus der Ebene des Platzes entwickeln anstatt diese zu zerschneiden und sich abzuschotten. Zum Blob an sich: Warum nicht? Mut zur freien Form! Nichts ist flexibler. Und warum nicht eben auch im historischen Kontext (siehe Future Systems' Kaufhaus in Liverpool)? Mir kommt es allerdings so vor, als ob Frau Hadid da auf einen Zug aufspringen will, der schon längst abgefahren ist. Der Blob ist nicht ihre Form. Und er ist zu groß, vor allem zu hoch.
PS: Wenn historische Ecken intakt wären, dann gäbe es da keinen Bedarf, zu bauen. Gibt es aber. Und zwar in jeder Epoche. Nicht erst jetzt.