Kristallinsel
Foster baut Riesenprojekt in Moskau
Die Stadt als Haus – von Corbusier bis Kollhoff haben davon viele Architekten geträumt. Bauen darf sie nun vermutlich Norman Foster (London), und zwar in Moskau, ausgerechnet also in der Metropole, von der aus riesige „Kulturpaläste“ als klassische Danaergeschenke in die osteueropäischen Großstädte „geschickt“ wurden und dort die Macht der Sowjetunion repräsentierten.
Jetzt muss ein neuer Superlativ her: Nicht das höchste, nein, das allergrößte Gebäude der Welt soll in Moskau errichtet werden. Zweieinhalb Millionen Quadratmeter groß, zweieinhalb Milliarden Pfund (3,3 Mrd. Euro) teuer, 450 Meter hoch – das sind die Eckdaten, mit denen sich das trichterförmige Gebäude siebeneinhalb Kilometer vom Kreml entfernt auf der Nagatino-Halbinsel festsaugen will. „Crystal Island“ soll es heißen, vom Kino über Theater bis zu Museen ist hier ein „reichhaltiger Mix“ (Foster) kultureller Institutionen geplant, der das „dynamische Moskauer Publikum“ anziehen soll. 3.000 Hotelzimmer und 900 Wohnungen mit Service-Anschluss sind ebenso vorgesehen wie Büroräume, Läden und eine internationale Schule für 500 Schüler.
Ähnlich wie bei der „Gherkin“ in London ist die Struktur von „Crystal Island“ auf einem diagonalen Raster aufgebaut, das aus rautenförmigen Elementen besteht. Diese gehen in die umgebende Landschaft über, so dass das Gebäude wie aus der Landschaft herauszuwachsen scheint. Innerhalb der Stahlkonstuktion befindet sich als thermische Schutzschicht eine Reihe von abgetreppten Wintergärten, die das Innere des Gebäudes vor dem extremen Klima Moskaus – heiße Sommer, bitterkalte Winter – schützen sollen. Gleichzeitig werden spezielle Paneele dafür sorgen, dass Tageslicht bis tief ins Innere des Gebäudes vordringen kann. „Energie-Management ist das Herz des Entwurfs,“ so Foster anlässlich der Planvorstellung.
Cordula Vielhauer
Ich muss sagen, dass sich Foster - nach Jahrzehnten unertraeglichen Sich-Selbst-Wiederholens - weiterentwickelt! Und mich damit wieder interessiert (das letzte Gebaeude von ihm, das mich interessierte, war aus den Siebzigern).
Ich will damit nicht sagen, dass das Projekt gute Architektur darstellt oder gar realistisch ist. Aber es ist sicher Wert, genauer unter die Lupe genommen zu werden, insbesondere hinsichtlich Erschliessung, natuerlicher Beleuchtung und Belueftung. Energetisch gesehen scheint es jedenfalls erfolgversprechend. Man sollte es allerdings als Stadt begreifen, nicht als Gebaeude. Den guten Frei Otto koennte es begeistern.
Foster in seiner dritten Phase? Oder ein neuer Chefdesigner hinter den Kulissen?
der groessenwahn greift wirklich um sich, es soll Architekten geben die planen "Hoch"haeuser ueber 100 Meter zu bauen. Das soll Vortschritt sein!
architektonischen größenwahn zu kommentieren.
was bleibt, ist silence ...
...zu es ist wie es ist...
...es könnte auch anders sein!!