Zwischen gestern und heute
Chipperfields neue Kaufhaus-Fassaden in Österreich
Der britische Architekt David Chipperfield, der jüngst den Stirling-Preis des Royal Institute of British Architects (RIBA) erhielt (BauNetz-Meldung vom 8. Oktober 2007), arbeitet derzeit an zwei Projekten in Österreich. Das berichtet die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ in einem Interview mit Chipperfield am 8. Oktober 2007.
Nachdem dem Wettbewerbsgewinn (BauNetz-Meldung vom 20. Juni 2007) für das Kaufhaus Peek & Cloppenburg in der Wiener Kärntnerstraße hat nun auch ein Innsbrucker Bauherr Chipperfield engagiert, um die neue Fassade für das Kaufhaus Tyrol zu entwerfen. Die neue helle Fassade mit dem leichten Knick für das denkmalgeschützte Innsbrucker Kaufhaus wird mittels rechteckiger Fenster strukturiert. Die Fassade solle „keine Haut sein, sondern eine eigenständige Struktur“ haben.
Investor Benko hofft nun dank Chipperfield auf eine baldige Genehmigung und den Baubeginn für den 120-Millionen-Euro-Bau (60 Shops), den er bereits Ende 2009 fertiggestellt sehen will. Mit Chipperfields Entwurf startet der Investor bereits den dritten Versuch, die Behörden zur Baugenehmigung zu bewegen. Ein gewonnener Wettbewerbsentwurf mit löchriger Käsefassade sowie ein zweiter Kompromissversuch waren zuvor durchgefallen.
Das Kaufhaus Peek & Cloppenburg, das in Wien entsteht, soll dem Architekten zufolge „ein ziemlich klassischer, sogar archaischer Bau“ werden, der „wie ein Gebäude des 19. Jahrhunderts funktionieren“ und „nach menschlichem Maßstab“ gebaut werden soll. Die architektonische Qualität soll „aus dem Fassadenstein und den Fensterproportionen geschöpft“ werden.
Bei seinen Kaufhausentwürfen ist der Architekt „an Kontinuität, am Lernen von der Geschichte bei gleichzeitiger Fortentwicklung“ interessiert; er wolle zwar nicht die Geschichte wiederholen, aber eine „Brücke zwischen gestern und heute bauen“, sagte Chipperfield.
die Innsbrucker Baubehörde nichts mehr im Wege. Der intensive Widerstand örtlicher Architekten , Architekturstudenten und Architekturinstitutionen eröffnete mit Unterstützung des Denkmalamts dem Investor einen, diesem trotzallem willkommenen Ausweg aus dem drohenden Disaster. Chipperfield war dann die Wahl des Investors.
ein kleiner mißgriff sei auch der sonst so guten baunetz redaktion vorgeworfen: das ursprüngliche siegerprojekt aus dem ersten wettbewerb mit guter jury polemisch als "käse"fassade zu bezeichnen, und somit auch in das negative meinungsbild-horn zu blasen, wäre nicht notwendig gewesen. ob gut oder schlecht, diese art der assoziation hat es nicht verdient. aber nun scheint ja sowieso alles gut zu sein. dank david c. und rene b.