Mehr Gestalt – weniger Form
BDA fordert ergebnisoffenen Wettbewerb für Berliner Schlossplatz
Die Bundesgeschäftsstelle des Bundes Deutscher Architekten BDA hat sich in einer Stellungnahme vom 9. Februar 2007 in die Debatte um die Neubebauung des Berliner Schlossplatzes eingeschaltet. Dabei will der BDA auch Entwürfen ohne Schloss-Rekonstruktion eine Chance geben.
Laut Bundestagsbeschluss soll auf dem Schlossplatz ein „Humboldt-Forum“ in Kubatur und Anmutung des Berliner Stadtschlosses errichtet werden. Allerdings steht dafür die Finanzierung noch nicht. Ein privater Verein will diesem Gebäude auf drei Seiten eine Imitation der Stadtschloss-Fassade vorblenden.
Der BDA fordert nun einen „bezüglich der Fassadengestaltung ergebnisoffenen“ Architekturwettbewerb. Ergebnisoffen bedeutet in diesem Zusammenhang, dass auch Lösungen zugelassen werden sollen, die auf die Schloss-Fassaden verzichten. Denn „für eine identitätsstiftende Wirkung reicht ein wieder errichtetes „Stadtschloss“ als Vorhangfassade im historischen Gewand nicht aus – eine bloße Ähnlichkeit zwischen Original und Nachbildung, die keine inhaltliche Verbindung zwischen Fassade und innerer Raumstruktur aufweist, wird allenfalls den Verlust des historischen Gebäudes festschreiben“, so der BDA.
Der vom BDA geforderte Wettbewerb soll zweistufig sein; die Entwürfe der zweiten Stufe mit maximal 50 Teilnehmern sollen nach den Vorstellungen des BDA honoriert werden.
Nur kurz zur Erinnerung an 1994: Es gab schon mal einen internationalen Wettbewerb für das gesamte Areal der südlichen Spreeinsel incl. Friedrichswerder. Der 'Falsche' (Bernd Niebuhr? Nicht optimal zu vermarkten..) gewann und die Entwürfe verschwanden in den berühmten Archivschubladen. Nun alles wieder auch Start? Ich will hier keine darüber Grundsatzdebatte beginnen, aber das hier gezeigte Architekturverständnis von Herrn Seelinger als 'Wissenschaft' ist doch etwas sehr elitär. Als Nutzer bleibt der Bürger der Kunde und auch hier ist bei allem pädagogischen Verständnis im seiner einer verbesserten Baukultur auch Kundenorientierung gefragt. Statt einer 'Publikumsbeschimpfung' des alltäglichen Nutzers und Betrachters sollte man es unter Kollegen eher als Ansporn und Antrieb zur Veränderung und Verbesserung empfinden, dass außerhalb der Zunft den Architekten nicht mehr zugetraut wird, in der Breite konsensfähige Lösungen zu finden. Schulterkopfen innerhalb der Zunft ist das wenig hilfreich. Ich glaube auch nicht, dass die ewig gleiche Allheil-Formel vom Super-Wettbewerb wirklich weiterhilft, zumal es hierzu einen eindeutigen Bundestagsbeschluss der Volksvertreter gibt. Wer das Wettbewerbswesen genau kennt, weiß wo hier die Fußangeln liegen, von der 'Zirkelwirtschaft' und vom gängigen Namens-Marketing einmal ganz abgesehen.
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Das Problem besteht doch darin, daß jeder Laie glaubt, über Architektur in Augenhöhe mit Architekten urteilen und beurteilen zu können. Dies ist nahezu einzigartig im Vergleich mit anderen Wissenschaften. Das Ergebnis einer solchen Diskussion unter Laien und Populisten und entsprechenden Bundestagsbeschlüssen wird aber niemals die Chancen für Berlin und die Bundesrepublik erreichen, die in einer architektonisch niveauvollen Entwicklung des ehemaligen Schlossareals liegen werden. Damit würde eine Zukunftschance vergeudet, mit der unsere hochverschuldete Hauptstadt ein Zeichen innerhalb der führenden europäischen Städte setzen könnte. Die Position des BDA ist daher nicht nur ein Signal für die Stadtschlossdiskussion, sondern insbesondere für die Bedeutung von Architektur. Damit unterscheidet sich der BDA auch deutlich von unserer Bundesarchitektenkammer, die in ihrem aufgestylten Hausblatt den Bausachverständigen und Baumängelanalysten mehr Platz einzuräumen scheint als der Bedeutung der Architektur in unserer Gesellschaft. An der Stellungnahme des BDA zeigt sich doch sehr deutlich, wie weit wir ausholen müssen, um diese wichtige Stellung und Bedeutung nach aussen zu vermitteln.
Weiter so, BDA.