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28.05.2015

What Design Can Do

Über eine unorthodoxe Konferenz in Amsterdam


Von Nadin Heinich

„Unorthodox“ trifft die Atmosphäre dieser Veranstaltung ganz gut. Vom 21. bis 22. Mai hat die inzwischen fünfte Ausgabe der Konferenz What Design Can Do! im Stadsschouwburg Amsterdam, dem Stadttheater von Amsterdam, stattgefunden. Das Themenspektrum war breit angelegt, aber immer ganz nah an unserer Zeit. Es ging nicht um „schöne Dinge“, die Designer natürlich auch entwerfen können, sondern vor allem um ihre gesellschaftliche Einflussmöglichkeit und Verantwortung. Das reichte von der aktuellen Flüchtlingsdebatte – nie waren mehr Menschen auf der Flucht als heute – über sinnlich-explosive Geschmackswelten bis zur hintergründigen Suche nach dem Glück.

„Design like you give a damn!“ ist das Motto des amerikanischen Architekten Cameron Sinclair, der mit seinem Büro „The Department of Small Works“ in Krisenregionen und Gegenden von extremer Armut tätig ist, in Afghanistan, Nepal oder Südsudan. In diesem Bereich bewegt sich auch „Better Shelter“, eine Initiative der IKEA-Stiftung und des UNHCR, die einfache, kleine Unterkünfte für Menschen in Flüchtlingslagern entwickelt. In einem gewissen Sinne einfach, wenn auch mitten in Europa, ist die Architektur von Césare Peeren (Superuse Studios) dessen Projekte zu einem wesentlichen Teil aus Abfallstoffen bestehen, wie eine Kaffeebar aus alten Waschmaschinen oder ein Spielplatz aus Rotorblättern vormaliger Windkraftanlagen. Natürlich ging es bei WDCD auch um Hochhäuser, wenn auch um keine gewöhnlichen. Bei Ole Scheeren, ehemals Partner bei OMA und dort für den Neubau des chinesischen Staatsfernsehens CCTV zuständig, sind sie entweder geknickt oder gestapelt oder lösen sich ganz auf.

Für den sinnlich-kulinarischen Teil waren Bompas & Parr zuständig. Die jungen Experience-Designer aus London wurden erstmals mit ihren extravaganten Installationen aus Wackelpudding bekannt, die zum Teil fiktiven Gebäuden nachempfunden waren. Nie hat man Fosters Millennium Bridge so schön wackeln gesehen. Gelegentlich kochen Bompas & Parr auch mit Lava. Bei WDCD begnügten sie sich mit einem Gurken-Kronleuchter und einer Gurken-Aroma-Wolke. Grandios war schließlich der Vortrag von Stefan Sagmeister, aus Bregenz stammender und in New York lebender Grafikdesigner und Typograf. Sagmeister hat für Musiker wie Lou Reed, Talking Heads und The Rolling Stones gearbeitet. Bei WDCD sprach er über die Idee vom „Glücklichsein“ und seine Ausstellung „The Happy Show“, die diesen Zustand erforscht. Vom Erhabenen bis zum Lächerlichen – humorvoll, ironisch, abgründig und dabei tief in unsere Seelen vordringend.

Wunderbar erfrischend kam What Design Can Do! ohne die monologisierenden Reden seriöser, schwarzgekleideter Herren aus, die über Grundrissdetails im fünften Obergeschoss philosophieren. Stattdessen intelligente Unterhaltung im besten Sinne mit Vorträgen, Diskussionen, Musik, Workshops und einem Chor auf der Bühne. Die Monologe schaut man doch lieber auf YouTube.

Fotos: Leo Veger


Zum Thema:

www.whatdesigncando.com


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Richard van der Laken, Gründer von What Design Can Do!

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David Kester, Richard van der Laken und Hadassah de Boer

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Bompas Parr

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