Typen-Supermarkt der Zweite
acme in Berlin
Wer stets brav die BauNetz Meldungen liest, könnte dieser Supermarkt bekannt vorkommen. Tatsächlich wurde vor fünf Jahren ein erster Prototyp in Wiesbaden eröffnet. Der modulare Holzbau mit eigenem Gewächshaus und Fischfarm auf dem Dach ist ein Entwurf des Londoner Architekturbüros acme. Die Supermarktkette Rewe sprach vom Market of the Future und kündigte an, künftig alle ihre Neubauten nach diesem „kreislauffähigen“ Prinzip der gestapelten Kanthölzern zu bauen. Dies wird nun umgesetzt.
Mitte Mai eröffnete im Süden Berlins das zweite Bauwerk der Reihe. Die Architekt*innen von acme sind weiterhin an Entwurf und Umsetzung beteiligt, dazu kamen für die Berliner Filiale CS Architekten als Ausführungsbüro und Schöne Neue Welt Ingenieure (beide Berlin) für die Tragwerksplanung.
Viel ändern mussten sie nicht. Das Tragwerk besteht noch immer aus den auffällig auskragenden Pfeilern aus schlichten, wie beim Geschicklichkeitsspiel Jenga gestapelten Hölzern. Auf etwa 58 mal 66 Metern bilden 72 Pfeiler das Dach. Die Hölzer sind verschraubt, nicht verklebt, um die spätere Wiederverwertbarkeit zu sichern. Die daraus entstandene offene Halle ist gut sechs Meter hoch. Friedrich Ludewig von acme verweist darauf, dass das gesamte Projekt ein Lernprozess sei. Die „zweite Generation“ des Tragwerks bestünde über der Bodenplatte nun vollständig aus Holz, inklusive der eingeschobenen Boxen für Lager und Anlieferung, die in Wiesbaden noch aus Stahlbeton konstruiert wurden.
Auf dem Dach in Berlin findet sich wie in Wiesbaden ein großes Gewächshaus, in dem aber keine Fische, sondern nur noch Salat großgezogen wird. Der Supermarkt spricht stolz vom „Lankwitzer Pflücksalat“, der nach 23 Tagen frisch vom Dach ins Regal wandert. Erhältlich sind die Sorten Kopf- und Römersalat, Lollo Rosso und dunkelgrüner Easy Leaf. Kooperationspartner für das Dachgewächshaus ist die Berliner Firma ECF Farmsystems. Der Supermarkt rechnet mit einer Jahresernte von bis zu 900.000 Salatpflanzen.
Auf die Nachfrage, wie es mit dem Baukonzept weitergeht, antwortet die Unternehmenssprecherin Stephanie Behrens, dass Folgeprojekte in Berlin, Niedersachsen und Bayern bereits in der Planung seien, man aber aufgrund laufender Genehmigungsverfahren keine Details nennen könne. Alle Beteiligten waren sich zur Eröffnung in Berlin sicher, dass man hier „eine Markthalle für das 21. Jahrhundert“ betreten könne. (fh)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- acme architects
- Generalunternehmer:
- Dreßler Bau
- Architektur (Ausführung):
- CS Architekten
- Tragwerk:
- Schöne Neue Welt Ingenieure
- TGA:
- PSM Planungsgesellschaft für Gebäudetechnik
- Fachplanung Dachfarm:
- ECF Farmsystems
- Artenschutz:
- Natur + Text
- Verkehrsplanung & Freianlagen:
- Ingenieurbüro für Tiefbau Noack
- Bauherrschaft:
- Rewe Group
- Fläche:
- 3.265 m² Grundfläche
Den Pilot-Supermarkt in Wiesbaden haben wir – gemeinsam mit anderen Super-Supermärkten – in unserer BAUNETZWOCHE#627 „Supermärkte, Superdächer“ genauer unter die Lupe genommen.
Noch mehr Supermärkte aus Holz gibt es hier und hier bei BauNetz Wissen.



