Vom Dach in den Einkaufskorb
Supermarkt in Wiesbaden von acme
Ein ganz gewöhnlicher Kontext für einen Supermarkt: Am Rand eines Vorortes gelegen, viel versiegelte Fläche für parkende Autos und angrenzend weitere Einkaufsmöglichkeiten oder Dienstleistungen. Das Supermarktgebäude selbst ist dann aber doch ungewöhnlich. Bei einem flüchtigen Blick auf sein ausgreifendes Dach, das von großzügig aufgefächerten Stützen getragen wird, fühlt man sich zunächst an einen chinesischen Tempel erinnert. Und dann offenbart sich der Bau im Obergeschoss auch noch als Produktionsstätte, wenn neben dem üblichen Sortiment einige der verkauften Waren vor Ort und sichtbar für die Kund*innen hergestellt werden.
Das Londoner Büro acme hat südöstlich der hessischen Hauptstadt Wiesbaden den Market of the Future für die REWE Group, Deutschlands zweitgrößte Supermarktkette, fertiggestellt. Das Nutzungskonzept ist besonders. Neben der bloßen Verkaufsfläche werden in der hauseigenen Aquaponik-Farm und dem Gewächshaus auf dem Dach jährlich zehn Tonnen Barsch und 800.000 Töpfe Basilikum produziert. So wird ein Teil der üblichen Lagerzeiten und weiten Transportwege – laut acme bei frischen Produkten in Europa durchschnittlich 1.000 Kilometer – deutlich reduziert.
Der Market of the Future in Wiesbaden ist ein Pilotprojekt. Die REWE Group visiert ein ganzes System regional vernetzter Märkte an, die auf unterschiedliche lokale Produkte spezialisiert sind. Für diesen Typus Supermarkt soll acmes markante Tragstruktur aus einfachen Holzelementen als Markenzeichen fungieren. In Anlehnung an Bauweisen traditioneller chinesischer Vorbilder – wenngleich weit weniger fein detailliert – bilden die gestapelten Träger ein sich ausbreitendes Gitterwerk. Die Konstruktion ist simpel. Die Stützen ergeben zusammen mit den ersten acht Trägerschichten vorgefertigte Module, die restlichen Elemente sowie die Deckenplatten aus Brettsperrholz werden mit einfachen Schraub- und Dübelverbindungen vor Ort montiert. Für die Tragwerksplaner*innen von knippershelbig (Stuttgart), die bereits von der Konzeptentwicklung an in dem Projekt beteiligt waren, ist genau diese Einfachheit der Detaillierung mit Blick auf die Rückbaubarkeit wichtig.
Gestalterisch besteht der Markt aus drei Teilen: Der hölzernen Tragstruktur, die den Hallenraum bildet. Den seitlich eingestellten Boxen, in denen sich Lagerräume, Bäckerei und die dreizehn Fischtanks befinden. Und das Gewächshaus auf dem Dach. Eine Wendeltreppe führt vom Backshop in einen Showroom, von dem aus Besucher*innen den Basilikumanbau begutachten können.
Der sogenannte Markt der Zukunft ist wohl kein Fingerzeig für besonders gute Gestaltung, aber als Prototyp eines umweltverträglicheren Konsumkonzepts könnte er ein erster Aufschlag für eine Bauaufgabe sein, die in Zukunft vielleicht öfter anfällt.
Text: Maximilian Hinz
Fotos: Jeva Griskjane
Sie waren ganz offenkundig nie in der Aquakultur dort. Warum also verbreiten Sie solche Unwahrheiten? Warum ich das so offen frage? Weil aus vielen Presseberichten zu entnehmen ist, dass es nicht ein Behälter ist, sondern dreizehn und wenn Sie dann mal vor Ort wären, könnten Sie feststellen, dass Sie dort keinen Zutritt bekommen (was bei Lebensmittelproduktion wohl üblich ist).
Architektur ohne Weitsicht, Uhh, ich weiß nicht.
www.images.squarespace-cdn.com/content/v1/55096728e4b011797c2f972a/1469013185294-35CPYZ7MR3FC9HEM0D8D/image-asset.jpeg?format=750w www.competitionline.com/de/beitraege/123891
Hatte mir die Fischtanks als Konzept mit Kreislauf als Dünger für Algenkulturen mal angeschaut, weil ich es erst interessant fand, leider eine ziemlich triste Angelegenheit. Viel zu viele Fische in einem Plastikbehälter, zwischendrin schwimmen tote Fische an der Oberfläche und die Fische selbst kriegen Antibiotika damit Sie in den überfillten Tanks nicht zu krank werden. Bin mir nicht sicher ob sich Rewe damit einen Gefallen tut. Der Gemüseanbau auf dem Dach ist ja durchaus interessant. Jetzt müsssten zwischen Supermarkt und Gemüse nur noch ein par Etagen Wohnungen. Anstelle der Fische also Menschen und schon wird ein Konzept draus...